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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-06-28 · Heft 26 (28.6.1870) · p. Seite 526

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 26 (28.6.1870)
Date
1870-06-28
Page
Seite 526 (sequence 18)
Language
German
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526 besser als Ihr, die Ihr nichts Anderes könnt und zeitlebens nicht weiter gekommen, als von hier bis drüben und von drüben bis hier. Ich weiß, was Ihr sagen wollt. Wenn Ihr Euren Kahn verliert, stehe ich Euch mit meinem Bermkgen für den Preis. Aber schnell, macht die Kette los." „Ihr geht in Euer Verderben," brummte der Fährmann. „Aber habl's wie Ihr wollt." Damit schritt er zu dem kleinen schmucken Fahrzeug und machte es los. Der Andere folgte ihm, warf noch einen prüfenden Blick über den sich immer mehr verdunkelnden Horizont, nickte, wie wenn seine Beobachtung ihn befriedigt härte, fühlte noch einrnal nach einem Bündel Papiere, das ihm aus der Brusttasche seines Rockes hervorsah, und sprang in den Kahn; er ergriff mit seinen Händen die beiden Ruder, stieß vom Ufer ab, warf sich auf die Bank, setzte die Ruder ein, und mit markigen Armen, im schnellsten Tempo hob und senkte er kunstgerecht die Ruder in das bleifarbene Wasier. Der Fährmann sah ihm eine Weile nach. Der Strom war unterdeß unruhiger geworden, die Oberfläche schwoll und fiel, kleine Wellen fingen an zu tanzen und klatschten an die Seite des Nachens, der sie Lurchschnitt. Der hagere Mann verdoppelte seine Thätigkeit. Der Kahn flog, und hatte bereits ein gutes Drittel seines Weges zurückgelegt. Dem Fährmann am Ufer war es vielleicht doch leid, daß er dem Preußenthaler entsagt. Mit einem Male brach der Sturm los, mit einer Gewalt, mit einer Urplötzlichkeit, mit einem so furchtbaren Krachen, als ob jählings tausend Centner schwere Fesieln gefallen und das wüthende Ungeheuer in unermeßlicher Leidenschaft aus seiner Höhle auf seine Beute stürze. Die ganze Flur war von einer dichten gelben Staubwolke verhüllt, Bäume krachten und stürzten wie von einem unerwarteten Schlage getrosten; ein Donnerschlag übertönte den Sturm, und rollte, daß die Erde erzitterte, und der Blitz folgte schnell, das Gewitter stand schon zu Häupten. Der Stoß des Organs wühlte sich tief in den Strom ein und schnellte die Waster in die Höhe. Es war, wie wenn ein Schwertstoß den Leib getroffen, tief, aber nicht tövtlich, und dieser erhebt sich zum Kampf auf Leben und Tod. Der kleine Kahn wurde hinuntergeristcn und dann in die Höhe gehoben. Aber der Mann darin mußte darauf gefaßt sein; er hatte das schwanke Brett, das ihn vom Abgrund trennte, in seiner Gewalt; er verstand es zu lenken, nachzugeben und aufzuhelfen, daß es sein Gleichgewicht nicht verliere; er stemmte die Ruder und bog sich mit dem Gewicht seines Körpers ganz nach rechts, bis der erste Stoß vorüber, und eilte dann weiter. Der Fährmann konnte das Schistlein nicht mehr sehen und schritt rasch mit dem Sturme kämpfend, nach seinem Hause. Der Nachen, pfeilschnell von den Wellen getragen, nahte sich dem jenseitigen Ufer. Ein Blick des wie ein Riese kämpfenden, ringenden, arbeitenden Mannes sagte diesem, daß die Gefahr bald vorüber, und mitten in seiner furchtbaren Anstrengung breitete sich ein Lächeln des Triumphirens über die durchfurchten Züge seines Angesichts. Da wieder ein Krachen des Donners, ein breiter, zuckender Blitz, ein Toben des Sturms, die Erde mochte erzittern, der Wastersch.call kochte auf, wie die Lavamasie im glühenden Krater eines Vulkans; ein Ruder wurde der krampfhaft geschlossenen Faust entrissen, der stachen schlug um und verschwand in der Tiefe, der Mann versank, die Wellen schlugen über ihn zusammen, plötzlich war Alles still, der Regen strömte hernieder, vom Ufer hörte man einen gellenden Schrei.- Am anderen Ufer des Stromes stand auf einer Erhöhung ein kleines Haus, wie ein Vorposten des großen am ansteigenden Gelände zerstreuten Dorfes. In der geräumigen Stube wiegte ein junges, schmuckes Weib ihren etwas unruhigen Säugling, während ein zweijähriges Kind ihre Fuße umklammert hielt. Das draußen erwachte Unwetter mochte das Kind ängstigen. Es war so schwül im Zimmer. Doch die Mutter achtete nicht des unruhigen Säuglings und des ängstlichen Kindes; sie stand aufrecht, ihre eine Hand schaukelte die Wiege, ihre andere lag auf dem Kopfe des Kindes, aber ihr Antlitz war dem Manne zugewandt, der mit starken Schritten die Stube durchmaß. Auf dem bleichen Gefühle des noch jugendlich schönen Weibes lagen Sorge und Kummer ausgeprägt; nicht minder schien der Mann davon gepeinigt und sehr aufgeregt. Sie mochten wohl schon viel verhandelt haben; jetzt schwiegen beide. Als der Wind draußen sich erhoben und um das freistehende Haus laut zu werden begann, fing die Frau zu sprechen an. Ihre Stimme war sanft, aber bewegt und nachdrücklich. „Jakob, sagte sie, geh. Folge mir und dem Rache des guten Bürgermeisters. Geh hinüber über die Grenze, halte Dich bei meinem Better Simon auf, oder anderswo, bis die Sache ihren Verlauf genommen. Siehe, der liebe Gott schickt Dir einen Bundesgenosten. Bei dem Sturme kann Niemand über den Strom, selbst der grausame Meier nicht. Du hast also eine Stunde Zeit und bist weit weg, wenn er ankommt. Geh, mein „Und Du willst mich in Sturm und Unwetter hinausschicken?" erwiderte Jakob und blieb stehen, und sah die trauernde Gattin an. „Du weißt, Jakob, was in der Schrift steht: Lieber in der Hand Gottes als in der Hand der Menschen. Gott wird sich unser erbarmen und Dich schützen, aber jener verruchte Mensch will uns nur verderben." „Und ich soll Dich und unsere Kinder verlaßen, Euch wie ein Feigling in den Klauen jenes Mannes znrücklaffen, der Euch aus diesem Hause stoßen und dem Elend übergeben wird? Und ich soll unterdeß heimathlos in der Ferne umherirren, lausend Mal mehr gequält von der Ungewißheit Eures Geschicks, als wenn ich oas Härteste ertragen müßte?" „Und was könntest Du uns Helsen, wenn Du im Schuldgefänguiß steckst, aus dem er Dich sicher vor Jahr

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