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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-06-28 · Heft 26 (28.6.1870) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 26 (28.6.1870)
Date
1870-06-28
Page
Seite 521 (sequence 13)
Language
German
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521 setze ist. Vergebens waren alle Gegenvorstellungen, die Unterhandlungen wurden abgebrochen. In ganz gleichem Fall befindet sich das russische Reich. Nur sind die Verhältnisse insofern schlimmer, als die Zurücksetzung der Juden nicht in einzelnen Strichen des Landes, wie in der Schwei; in einzelnen Cantonen, sondern zum Theil im ganzen Gebiet des Staats besteht und natürlich von der Reichsgesetzgebung ausgeht. Es wäre zu weitläufig und würde die gemessenen Grenzen dieses Aufsatzes überschreiten, sollte hier Alles, was gesetzlich verboten ist — und das ist weit mehr als das Erlaubte — erwähnt werden. Genug, daß in 12 Gouvernements des innern Ruß, land erst seit 1867 nur jüdischen Kaufleuten erster und zweiter Gilde und Handwerkern der Aufenthalt gewährt, in diesen aber zum Theil durch den Gouverneur von Litthauen, bis jetzt ohne Widerspruch seitens der Regierung, der Grundbesitz allen Juden verboten ist. Diese mißlichen Zustände sind es nun, welche neuerdings den General Grant veranlaßt haben, der russischen Regierung Vorstellungen zu machen. Denn so entfernt die amerikanische Union sein mag, sich in die inneren Verhältnisse eines andern Staats zu mischen, so vorsichtig und gewissenhaft geht sie doch zu Werke, wo es sich um Verträge, zumal um Handelsverträge, handelt. Ist'unsere Lage eine andere? Nein, sie ist nicht blos dieselbe, sondern wegen unserer, wie oben bemerkt, lang ausgestreckten Grenze und bei unserem bedeutenden Manufacturgeschäft, welches voraussichtlich im Innern des Landes seinen Hauptabsatz findet, eine viel heikligere. Die russischen Juden finden längst bei uns eine willkommene Ausnahme auf den Messen, zumal den Leipziger Messen, jedwede Unterstützung und Erleichterung, so daß sie sich Jahr aus Jahr ein wie zu Hause fühlen. Was sie bei uns zu Lande beschwert, das gilt ihren Waaren, nicht ihren Personen; und auch jenen nur, weil zur Handelsfreiheit die Reciprocität mangelt. Wie aber soll diese sestgestellt werden, wenn sie in ihrem eigenen Vaterland zum bei weitem größten Theil wie Fremdlinge behandelt werden. Der Manusacturist z. B. muß sich im Innern Rußlands erfragen, ob sein Abnehmer zur bevorzugten Gilde gehört oder nicht. Und eines schönen Tages kann der deutsche Kaufmann nur deshalb um sein Geld kommen, weil seinem Abnehmer die Waare, die er ihm verkauft hat, eben weil er nicht damit handeln darf, durch die Behörde gleichfalls abgenommen d. h. confiscirt wird. Wir haben heute mit diesem Wink genug; wir glauben den Beweis geliefert zu haben, daß es sich bei Abschluß von Handelsverträgen nicht blos um Ermäßigung der Tarife, sondern um freies Gebahren der Menschen handelt, mit welchen sie abgeschlossen werden. Vor gewissen inneren politischen Zuständen des Auslandes kann man eben deshalb die Augen nicht schließen, weil sie in den Handel unmittelbar hinübergreifen. Amerika. New-Iork, im April. «Privatmitth.) Wenn ich in d. Bl. die Feier des 25-jährigen Bestandes der hies. Emanuel-Gemeinde mit einigen Worten bespreche, so geschieht dies, weil diese Gemeinde ein Princip involvirt, da jene die erste Reformgemeinde in Amerika war. Mittwoch den 13. Lchril fand in den weiten Räumen ihres Tempels ein sg. Sacred Concert statt, die eigentlich religiöse Feier aber fand am ersten Tage Peßach statt, wobei'Psalm 111 und eine von dem Sohne des Rabbiners vr. Adler gedichtete engl. Festhymne vorgetragen wurden. Die Predigt wurde in deutscher Sprache (denn auch ein englisch redender Prediger ist angestellt) von vr. Adlergehalten. Redner verglich die Gemeinde mit Israel, betonend, daß, sowie Israel heute kräftiger, mächtiger und geehrter als je dastehe, so auch die Gemeinde, welche als erste Reformgemeinde in Amerika, anfangs nur einige dreißig Mitglieder zählend, verhöhnt und verspottet wurde, jetzt als eine der kräftigsten und geehrtesten dastehe. Kräftige Constitution und naturgemäße Entwicklung waren die Bedingungen, auf denen diese herrliche Pflanze so rasch cmporschoß. Nicht ein Huldigen der Mode, sondern innerer Drang beseelte die Gründer der Gemeinde, während eine erziehlich fortschreitende Reform die Gemeinde gesund erhielt. 31500 Doll, verausgabte die Gemeinde letztes Jahr ohne wohlthätige Anstalten und Friedhof, während 2.00 Doll. Eintrittsgeld und 12]/> Et. monatlichen Beitrag bei der Gründung gefordert wurden.

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