Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1870)
- Date
- 1870-06-28
- Page
- Seite 518 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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518 wir hier nicht eingehen. Das Verwerfliche in dieser Einrichtung zeichnet sich so recht in einem Briefe, welchen das letzte Heft der ^.rebives isr. bringt, und den wir hier wörtlich Herstellen: „Am 2. Juni fanden im Consistorialtempel, rue Notre-Dame-de-Kazareth, zwei Trauungen statt: die eine, welche bezahlte, wurde dem Programme gemäß gefeiert; die andere, und zu dieser waren wir eingeladen, war eine Gratis-Traung. „Der Herr Rabbiner Lazard hielt es nicht der Mühe Werth, auch nur ein Wort zu sprechen; aber als wirklich unpassend müssen wir bezeichnen, daß er den Gatten nicht einmal den Segen gab; und, als ich ihm darüber eine Bemerkung machte, antwortete er: „Holen Sie sich Ihren Segen aus Polen." „Die Braut, ein armes junges Mädchen von 17 Jahren, verdiente nach jeder Seite hin Feierlichkeiten, welche die Menschenliebe allein schon gebietet; warum aber ihr den schönsten Tag ihres Lebens verbittern? „Ihr alter Vater, ein Cantor, konnte seinen Schmerz darüber nicht zurückhalten, und wir, die Eingeladenen, die Zeugen, wir überlassen es der öffentlichen Meinung zu entscheiden,, ob unsere Unzufriedenheit gerecht war oder nicht. „Sollen wir die Ursache dieses Benehmens in unserer Eigenschaft als polnische Israeliten suchen? Dann wäre unser Protest noch energischer, und das Verfahren des Herrn Lazard noch tadelnswerther." Paris, 3. Juni 1870. M. Mayer, Präsident der Gesellschaft für polnische Israeliten, Maschinenbauer. Trotzdem der Consistorialtempel zu Paris so stteng auf Conscrvatismus hält, könnte er sich doch hierin eine Verbesserung erlauben, wodurch er ja nur zur altjüdischen Sitte zurückkehren würde, die in ihren Ceremonien keinen Unterschied zwischen Armen und Reichen kannte. Aber wir hoffen dies vergebens. —. Nach dem neuen Gesetzentwurf über Algerien wird ein Israelit in jedem der Generalräthe für die drei Provinzen gewählt werden und im höchsten Rathe werden drei Israeliten sein. — . Der Ferman der Pforte betteffs der israelitischen landwirthschaftlichen Colonie in Jaffa ist soeben erlassen worden. Ein Terrain in den Umgebungen der Stadt ist bewilligt, mit Dispens jedes Pachtes während der ersten zehn Jahre und mit Aufhebung des Zolles auf die der Schule nothigen landwirthschaftlichen Jnstrumente. Sie ist unter den Schutz der Regierung gestellt und kann auch nichtisraelitische Zöglinge aufnehmen. Dieses Resultat verdanken wir haupffächlich den unermüdlichen Bemühungen des Herrn Ch. Netter. (Arch. isr.) —. Wie aus Paris gemeldet wird, hat Herr Max Königswarter, ehemals Deputirter des Seine-Departements, den Baronstitel erhalten. Es ist dies der erste Fall in Frankreich, daß ein Israelit Baron wird, bemertt hierzu die Jndependance. —. Zur Annahme von polnischen Waisenkindern haben sich ferner erklärt: Die Gemeinde von Arad ^Ungarn) 2, von Mainftockheim bei Würzburg 1, von Gelfort 2, ein Israelit von Thionville 1. Rumänien. Bonn, 16. Juni. Die Nummer des Echo Danubien vom 5. Juni theilt die Petitionen der Israeliten von Tekuffch an die rumänischen Minister der Justiz und des Innern mit, und ersehen wir daraus, wie scheußlich die Behandlung der Juden Seitens der rumänischen Behörden ist. Am Tage nach jener greulichen Verfolgung sandte die Regierung einen Gregorias Bonachi, Generalprocurarur am Appelhof von Fokschany, nach Tekutsch, um die Untersuchung einzuleiten. Das Erste, was dieser saubere Herr that, war, daß er allen Thcilnchmern an den verruchten Mißhandlungen völlige Straflosigkeit zusicherte, und daß er einen jüdischen Schneider Marcus, der diesem Diener der Gerechttgkeit die Person zeigte, welche ihn mißhandelt hatte, ins Gefängniß warf und dort maltraitiren ließ. Alle Juden, die sich bei ihm vorstellten, um Klage zu führen, schimpfte er Vagabunden und ließ sie zur Thür hinauswerfen. An der Wahrheit solches Gebahrens kann nicht gezweifelt werden, da die Juden mit ihrer Namensunterschrift es den beiden Ministern vortragen. Wie kann man nur eine Besserung in