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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-06-28 · Heft 26 (28.6.1870) · p. Seite 517

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 26 (28.6.1870)
Date
1870-06-28
Page
Seite 517 (sequence 9)
Language
German
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517 gemessen ist, kaum aber zweckmäßig in einer Gemeinde von 40,000 Seelen. Allein der Paragraph steht einmal so im Congreß-Statut und gerade die Pester Gemeinde konnte dessen Einhalten am Wenigsten zurückweisen. Fraglich ist es nur, ob, wenn ein solcher Wahlmodus vorher bekannt gegeben wird, sich beamtete Männer ihm unterziehn würden. Der Ausfall muß nun abgewartet werden. Pest, 21. April. «Privatmitth.» Daß unsere Juden noch immer nicht glauben wollen, daß sie und ihre Angelegenheiten von der Tagespresse mit Parteimaß gemessen werden, von der Tagespreise, welche überhaupt zweierlei Maße hat, je nachdem ihr etwas paßt oder nicht. Vor Kurzem fand in Siebenbürgen ein Protestantencongreß deutscher Zunge statt. Und nun vergleiche man die Berichte der Neuen freien Presse über diesen mit ihren Referaten über den israelitischen Congreß. Man lese z. B. den Schlußbericht in ihrer gestrigen Nummer. Bei den deutschen Protestanten ist Alles schön und herrlich, Alles gut und nützlich, bei den Juden war Alles, was den Congreß betraf, schlecht und gefährlich. An die letzteren stellt man die Forderung unbedingter Freiheit, selbst mit Aufopferung jeder Ordnung und Verfassung, den protestantischen Deutschen sieht man die ängstlichste Kirchlichkeit nach. Wenn der Referent der N. Fr. Pr. die Opferwilligkeit der sächsischen Siebcnbürger mit Recht preist, daß sie, denen der Cultusetat nur 16,(Km fl. zumißt, so daß jene für den enormen Etat der Katholiken und Griechen mitbezahlen müssen, dennoch für Kirchenbau und Schulwesen große Summen verausgaben, wie müßte er die Juden preisen, die gar nichts bekommen, die selbst für diese Protestanten mitzahlen, die um die Zinsen ihres eigenen Fonds betteln müssen, und sich ihren Cultus, ihre Synagogen und Schulen gewiß nicht weniger kosten lassen. Im Protestantencongreß mußte die Hälfte der Gewählten aus dem Predigerstande sein; aber es findet doch das Wahlrecht statt, und die N. Fr. Presse begnügt sich damit; bei dem jüdischen Congreß war die Wahl völlig frei, demungeachtet mißfiel seine Existenz der N- Fr. Presse von vornherein. Der Protestanten- Congreß hält die Schule unter der unbedingten Herrschaft der Kirche; die N. Fr. Presse ist damit zufrieden, denn durch diese Schule wird das Deutschthum erhalten und fie führt mit Emphase an: „es paßt eben nicht Alles für Alle;" der jüdische Congreß hat den Rabbinen keine Art von Wirkung auf die Schule zugestanden, aber seine Schulen consessionell gehalten, und das ist Grund genug, ihn völlig zu verurtheilen. Der Protestantencongreß votirt ein neues Ehegesetz mit besonderem Ehegerichte, ohne die Landesvertretung zu berücksichtigen — der Referent ist damit zufrieden, denn das Familienleben ist bei den deutschen Protestanten so zerrüttet, daß die Zahl der Ehescheidungen enorm ist, und er von diesen neuen Einrichtungen eine Besserung erwartet. Ein solches Bedürfniß hat sich bei den Juden nicht herauszestellt', aber wenn dies der Fall gewesen wäre, wehe dem jüdischen Congresse, wenn er so etwas gewagt hätte! Eingreifen in die persönliche Freiheit, Zwang gegen die Familie, geistliche Herrschaft, Separationsgier wäre das Schwächste gewesen, was man ihm vorgeworsen. Man wird einwenden : ja, es paßt eben nicht Alles für Alle. Auf die Juden schlägt man los, wenn sie sich nur rühren, und ihnen insinuirt man die schlimmsten Motive, was sie auch vornehmen. Und doch liegt der Sache ein Recht zu Grunde. Die deutschen Protestanten sind einig, wollen eine gesetzliche Ordnung und sich in dieser selbstständig bewegen. Die Juden sind uneinig, leidenschaftlich, greisen sich unter einander schmählich an, setzen sich gegenseitig in schimpflicher Weise herunter, was der Eine schafft, will der Andere zerstören, nicht der ärgste Judenfeind kann den schlimmsten Juden nachsagen, was die Juden den Besten unter ihnen thun — darum dürfen sie sich nicht beklagen, wenn ihnen Alles verargt wird, und wenn nichts unter ihnen zu Stande kommt. Frankreich. Paris, im Juni. Wir haben in d. Bl. bereits wiederholt über die großen, der Religion wenig geziemenden und wahrhaft unjüdischen Unterschiede aufmerksam gemacht, welche bei den Trauungen in der Synagoge allhier in den damit verbundenen Ceremonien und dem Gepränge der Feierlichkeiten je nach dem Preise, der dafür bezahlt wird, eingehalten werden. Nach dem Tarife giebt es sechs Classen je nach dem Preise von 2000 frcs. bis 15 frcs. Auf die Verschiedenheit der Förmlichkeiten, die mit jeder dieser Classen oder vielmehr dieser Preise verbunden werden, können 26

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