Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1870)
- Date
- 1870-06-28
- Page
- Seite 515 (sequence 7)
- Language
- German
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515 tische Zustände hervorgerufen und das Gemeindeleben, wie die Rechte Einzelner, derart geschädigt werden, daß die spätere Wiederherstellung geordneter Zustände in vielen Fällen sehr erschwert und in manchen sogar ganz unmöglich gemacht würde. Wir bitten demnach gehorsamst, unter Ablehnung der Eingangs dieses erwähnten entgegenstehenden Petitionen im Sinne unserer gegenwärtigen Eingabe hochgeneigtest beschließen zu wollen. II. An den Hohen Reichstag des Norddeutschen Bundes zu Berlin. Dem hohen Reichstage erlauben wir uns nachstehend Abschrift einer von uns an das preußische Abgeordnetenhaus gerichteten Petitton mit der gehorsamsten Bitte zu überreichen, im Sinne derselben beschließen zu wollen, falls der einschlägige Gegenstand zur Be rathung und Beschlußfassung des hohen Reichstages gelangen sollte. Österreichischungarische Monarchie. Wien, 16. Juni. «Privatmitth.) Wenn die Geschichte unsrer Zeit den Kampf des Klerus gegen die moderne Welt ausführlich schreiben wird, dann wird sicherlich sein Kampf gegen die Juden ein sehr großes Capitel einnehmen. Die Quelle, aus der dieser Kampf geflossen, ist, daß die Partei, welche stets die Vorurtheile und Leidenschaften des Volkes zu ihrem Nutzen auszubeMen, und deshalb es darin zu bestärken und zu entflammen sucht, dem Liberalismus, d. i. den Grundsätzen der Gerechtigkeit und der Freiheit, wie die Gesellschaft unserer Zeit sie als das Ergebniß der Cultur und Civilisation zu den ihrigen gemacht har, mit Erfolg entgegcnzutreten glaubte, wenn sie sämmtliche Liberalen als Juden, Judensreunve, von Juden verleitet und bestochen darftelltc, und die Capitalicn, die Presse und die ganze Staatsmaschine von den Juden beherrscht ausgäbe. Allerdings hatte der Ultramontanismus diejenigen Grundsätze zu bekämpfen, nach welchen auch die Juden gleichberechtigt werden mußten. Aber in ihm geschickt scheinender Weise stellte er die Wirkung als Ursache hin, und beschuldigte die Juden, daß sie die Zeit um ihres eigenen Nutzens willen mit diesen Grundsätzen vergifteten und dadurch der Kirche unendlichen Schaden thäten. Freilich, sofern die Klerisei den Juden ihre bürgerlichen Rechte verweigern oder wieder entziehen wollte, mußten die Juden sich ihr cntgegenstellen. Aber es ist doch klar, daß die Juden einen zu kleinen Bruchtheil des Volkes bilden, als daß sie der ausgedehnten ultramontanen und feudalen Macht ein gefährlicher Feind sein konnten. Denn was die Capitalicn betrifft, so stellen diejenigen Juden, welche dergleichen wirklich in Händen haben, sie allen Parteien zu Diensten, sobald ihnen Vortheil daraus zu ersprießen scheint, und es giebt nur äußerst wenige Juden, welche einen so hohen Gemeinsinn besitzen, um bei ihren Schuldnern nach etwas Anderem als nach der Sicherheit und dem Vortheil zu fragen. Auch ist es nicht wahr, daß auch nur ein großer Theil des vorhandenen Reichthums im Besitz von Juden seien; sie sind vielmehr nur Finanzoperateure, was allerdings in unserer Zeit von Belang ist. Eine reine Fiction ist es aber, daß die Juden die Presse beherrschen sollen. Nur wenige Blätter haben jüdische Redatteure, und man kann sich vorkommenden Falles leicht überzeugen, daß es sehr schwer fällt, einen judenfteundlichen Artikel in eine der großen Zeitungen zu bringen. Endlich sträuben sich die Regierungsverwaltungen aller Staaten, auch wo die Gleichstellung längst verfassungsmäßig ist. so sehr, jüdische Capacitäten in die Verwaltung einzulassen, daß der Einfluß von Juden auf die Staarsmaschine gewiß nur Faselei ist. Aber was hilft das? Die ultramontane Partei wiederholte ihre Lüge immer und immer wieder, immer noch mehr von der Absicht geleitet, den Liberalismus dadurch in den Augen des Volkes herunterzusetzen, als unmittelbar die Juden selbst zu schädigen. Jndeß mußte der Erfolg dieses Manocuvres doch sein, daß die Juden in den Ultramontanen ihre bittersten Feinde sahen, und so war es natürlich, daß auch sie gegen ihre Gegner Vorgehen müssen, so wenig die Juden auch sonst angriffsweise vorzugehen lieben, so groß auch ihr, durch ihre geschichtlichen Verhältnisse unerzogener Respect vor bestehenden großen realen Mächten ist. — Diese Bemerkungen drängen sich uns jetzt wieder durch das Benehmen der klerikalen Partei bei der gegenwärttgen Wahlbewegung im ttsleithanischen Oesterreich auf. Ueberall, in ihren Programmen, Reden, Predigten, Versammlungen müssen die Juden ihr Stichwort abgeben, und sind das Knallpulver, das sie als Schlagwörter vor ihren Zuhörern verpuffen lassen. Nichts ist bei ihnen beliebter, als die Phrasen, das christliche Volk