Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1870)
- Date
- 1870-06-28
- Page
- Seite 512 (sequence 4)
- Language
- German
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512 stündlich die höchsten und heiligsten Gesetze derselben, und sprechet der Wahrhaftigkeit und der Gerechtigkeit Hohn! Sondern Eure eigene persönliche Herrschaft und die eigennützigste Ausbeutung jedes noch vorhandenen religiösen Gefühls, jeder treuen Anhänglichkeit am Äudenthume ist Euer wirkliches Ziel. Dahin zielen Eure Mittel, darum wollet Ihr die jungen und alten Gemeinden Israels sprengen, darum zerret Ihr Alle, die Euch nicht unbedingt folgen, in den Koth; darum thut Ähr so fanatisch, obgleich Euch ein wirklicher religiöser Fanatismus sehr fern ist und Ihr die Geistesenergie für wirklichen Fanatismus gar nicht besitzt, es sei denn ein Fanatismus für Eure Person und Eure Herrschaft; darum muß jeder, auch der fernliegendste Vorgang Euch Gelegenheit werden, Euren schmählichen Ruf, Euer frevelhaftes Gebühren zu erneuern, und sei es eine Eheverbotsverletzung in Moskau und eine Anmaßung eines ganz isolirten Rabbiners! So wird viel Staub aufgewirbelt. Er wird vorüberziehen; aber unterdeß legt sich der Schmutz auf die Gestalten, auf die Pflanzen und Bäume des Feldes, und hindert ihr Wachsthum. Dieselben Leute aber, die den Staub aufgewirbelt, rufen: Sehet, wie staubig diese Gestalten, diese Pflanzen und Bäume sind! Möge es ihnen gelingen, immer noch eine Anzahl unserer Glaubensgenosien zu berhören, das liegt einmal in der Menschennatur. Aber es war doch einmal an der Zeit, das ganze Spiel aufzudecken. Literarischer Wochenbericht. Bonn, im Mai. Von Dr. L. Adler in Cassel erscheint ein zweiter Band seiner „Vorträge zur Förderung der Humanität" im Verlage der Louis Gerschel'schen Buchhandlung in Berlin. Die Gunst, welche der erste Band bei dem Publicum fand, sichert dem zweiten einen guten Erfolg. — Vom Landrabbiner Dr. Hamburger ist das Schlußheft seiner „Realencyklopädie für Bibel und Talmud" erschienen und damit das Werk beendet. Der Verf. fängt aber nun das Alphabet von Neuem an als eine zweite Abtheilung. — Ein italienischer Ingenieur, Herr A. Carlo Navole (israelitischer Confession) hat ein ausführliches Werk über das Project, durch eine unterseeische Straße bei Messina das italienische Eisenbahnnetz mit dem sicilianischen zu verbinden, verfaßt und setzt in seiner Schrift sehr gründlich die geologische Seite, die Construction und Oekonomie des Unternehmens auseinander. — „Protokolle der Rabbiner-Conferenz, abgehalten zu Philadelphia, vom 3. bis zum 6. November 1869. New- Aork, S. Hecht. 1870." Wir haben bereits im vorigen Jahrgang die Beschlüsse dieser Conferenz S. 988 mitgetheilt und Seite 1017 eine Kritik derselben gegeben. Wir müsien darauf zurückweisen, da wir nichts an der letzteren zu ändern haben. Die vorliegenden Protokolle geben ein interessantes Bild der Debatten, aus welchen jene Beschlüße hervorgingen, und aus welchem Standpuncte auch man sie beurtheile, man wird den Ernst und den Freimuth achtungsvoll anerkennen müssen, mit welchem sie geführt worden. Der Schlußeindruck wird dennoch sein, daß man nicht glauben dürfe, unsere Zeit sei bereits so weit gediehen, um irgend Etwas auf dem religiösen Gebiete abzuschließen. Es ist Alles, wie in der Zeit der talmudischen Weisen, in der Discussion begriffen. Die Beschlüsie der gedachten Conferenz erweisen dies allesammt, z. B. über die hebräische Sprache und die Ehescheidung. Innerhalb der Conferenz selbst, die doch nur aus 11, resp. 13 Mitgliedern bestand, zeigen sich sehr verschiedene Schattirungen der liberalen Auffassung. Das Urtheil, welches in dieser Conferenz über die Leipziger Synode gefällt worden, ist daher völlig unzutreffend, da es jener wie dieser, nur etwas weiter links, erging. Es fanden Abstimmungen bei Stimmengleichheit und bei geringen Majoritäten statt, so daß sich der Vorsitzende, vr. S. Hirsch, weil er sich mit feiner Ansicht in der Minorität befand, den Vorsitz niederlegte und einem Anderen übertragen ließ, allerdings ohne damit irgend eine Spaltung Hervorrufen zu wollen. ' Es ist aber ersichtlich, daß auf diesem Gebiete nur einstimmige Voten oder solche mit überwältigender Majorität auf irgend eine Autorität Anspruch machen können, weil diese eben völlig gereifte, zum Abschluß gekommene Meinungen repräsentiren, und hiermit als Thatfachen angesehen werden können. — Bonn, 15. Juni. „Geschichte der alt - ebräischen Literatur. Für denkende Bibelleser von vr. Marlin Schultze. Thorn 1870, Ernst Lambeck." Diese Schrift soll ein übersichtliches Bild der biblischen Schriften einschließlich der Apokryphen-Literatur nach den jetzt über die Abfaffungszeit derselben bei den Kritikern im Schwange