Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1870)
- Date
- 1870-06-21
- Page
- Seite 507 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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507 Ach, in Dünkel und Wahn, abweichend vom rechten und graden Pfade, geht ihr dahin, und durch Dornengestrüpp' und Gerölle 25. Zieht in der Irr' ihr umher. Hört auf, ihr thörichten Menschen, Tappend in lichtloser Nacht, in Finsterniß dahin und dorthin; Auf, verlasset die Nacht mit ihren Schatten, das Licht faßt!', Siehe, für Alle ist Er so leuchtend, ohn' Irrung vorhanden — Kommet und suchet nicht stets nach nächtlichem Schatten und Dunkel! 30. Sieh das süßlächelnde Licht der Sonne, wie herrlich es strahlet! Dies erkennet und senkt die Weisheit in's pochende Herz euch! Ein Gott ist, der sendet den Regen, die Winde und Stürme, Funkelnden Blitz und Pest und Hunger und bittre Betrübniß, Schneegestöber und Eis ') — wie könnt' ich zu Ende dies zahlen.' 35. Ueber den Himmel herrscht, und die Erde regiert er, gebietend. Er, der Gott ist allein, unbezwinglicher Schöpfer und Herrscher; Hat er des Menschen Gestalt doch emporgerichtet gebildet. Und vielfältig gemischt die Natur der lebendigen Wesen. Zweites Bruchstück. Würden geboren die Götter und blieben unsterblich bestehen: Wären der Götter viel mehr, der geword'nen, als sämmtliche Menschen, Und zum Stehen der Raum den Sterblichen nicht mehr vorhanden?, Drittes Bruchstück. Aber wenn Alles vergeht, was jemals geworden, so konnte Gott nicht den Hüften des Mann's und dem Schooße des Weibes entspringen. Unterwelt bevölkerte und überhaupt ein Reich der Kakodämonen kannte, so lag dies nahe. Uebrigens war Hades ein den gräcifirenden Juden gewöhnlicher Ausdruck, der auch bei Philo und Josephus öfters vorkommt, und mit der alten Vorstellung von zusarnmentr essend. ') Licht und Finsterniß oft für Wahrheit und Jrrthum. Recht und Unrecht in der h. Schrift- Vgl. Ps. 147, 16. 3) Dieser Einwand ist fteilig sehr schwach, denn er setzt erstens das unaufhörliche Werden von Göttern und zweitens ein körperliches Bestehen derselben, das einen Raum einnimmt, vor- Sondern Einer ist Gott, der Beherrscher des Alls, der geschaffen 4) Himmel und Sonne und Mond und der Sterne schimmernde Schaaren, 5. Auch die ftuchtbare Erd' und des Meeres rollende Wogen, Hochauftagend Gebirg und die ewigfließenden Quellen. Dann des Wassers Gethier, an Menge unzählig, erschuf er. Was auf der Erde sich regt und bewegt, erhalt er am Leben?) Buntgefiederte Schaar der Bögel, hellklingend und schnarrend, 10. Oder feintönend/, die Luft mit rauschendem Fittig bewegend; Und mit des Wildes Geschlecht besetzt' er die Thäler der Berge. Aber der Menschen Gebot unterwarf er sämmtliche Setzte den Gottgeschaffnen für Alle zum mächtigen Führer, Traut vielfältige Ding' ihm an und die nicht zu erfassen. 15. Denn welch' sterblicher Mann vermißt sich wohl, Alles zu kennen? Er nur allein, Er kennt es, der Alles von Anfang geschaffen. Der den Aether bewohnt, der unsterbliche ewige Schöpfer. Guten verleihet er Gutes, den Lohn, den um Vieles gemehrten. Aber Strafe und Zorn den Ungerechten und Bösen?- 20. Blutigen Krieg und Pest und Thränen erzeugende Schmerzen. Menschen, warum entwurzelt Ihr Euch durch Selbstüberhebung?"» Schämt Euch doch, giftig Gethier und Katzen zu Göttern zu machen.", aus- Denselben Einwand könnte die naive Borstellung gegen die Unsterblichkeit der Lcele erheben- 4) Die folgende Schilderung der Schöpfung erinnert an wesentliche Züge aus dem gleichen Gemälde in Ps. 104. 3) Ausdrücke nach I Mos. l, 20. 26. was auch die Sept. mir ignazcc übersetzen. 6) Friedlieb übersetz? $ov&<x ,,Sträuße." Dieses Wort „gelb" »Beiwort der Bienen bei Homer» später „fein, zart." '» Dgl. l Mos. l, 26. *) Dgl. 2 Sam. 22, 26. 27. 9) Mir diesem Dersc gebt der Dichter auf den Anfang des ersten Fragments zurück. io» Bei dieser und der ganzen folgenden Schilderung hatte der Berf. vorzugsweise den ägyptischen Götzendienst vor Augen, da die Griechen und Römer Thiere höchstens als Symbole gewisier Götter ehrten, aber nie verehrten, wohl aber die Aegypter. welche solche heilige Thiere in den Tempeln hielten und in ausgesuchtester Weife nährten, worauf B. 24 geht. Es ist ein Diebstahl, den diese Götter an den Menschen begehen. Nach Herodot, Strabo mtfc Aelian wurden in ganz Egypten als Götter verehrt: die Ochsen, Katzen. Hunde. Ibis, Sperber, Ltörwe,