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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-06-21 · Heft 25 (21.6.1870) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 25 (21.6.1870)
Date
1870-06-21
Page
Seite 508 (sequence 24)
Language
German
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508 Irrsinn ist's, Raserei, und alles Verstandes enthoben. Wenn Euch die Götter der Schüsseln berauben und Töpfe sich stehlen/) 25. Statt in dem gvldnen Gewolb des Himmels gar herrlich zu wohnen, Nur auf Mottenfraß schau'n, und um Spinnengewebe sich kümmern?» Aber ihr werfet euch hin vor Schlangen und Hunden und Katzen; Thoren, Vögel verehrt ihr, der Erde kriechende Thiere, Steinernes Kunstwerk auch und mit Händen gefertigte Bilder, 30. Aufgeschüttet Gestein an den Wegen, ja Solches verehrt ihr Und des Thörichten viel, was aufzuzahlen schon schimpflich, Herzbethörende Götter für rathloseMenschengeschleckter, Denen aus offenem Mund das Tod verbreitende Gift fließt. Nein! Ihm, dessen das Lebenund unvergängliches Licht ist, 35. Ihm, der die Freude gießt, die süßer als süßlicher Honig, In des Sterblichen Herz, nur Ihm allein beuget den Nacken, Und auf Wege lenkt ein, gebahnt in der Zeit der Gerechten. Doch ihr verließet all' dies, und tränket des Strafgerichts Becher, Den gefüllten aus, den feurigen, starken und schweren, 40. Unvermischten, ihr All' in thöricht rasendem Geiste?) Nüchtern wollt' ihr nicht werden, zu weisem Sinne _ gelangen. gewisse Schlangenarten und Krokodile. Bon jeder dieser Thierarten wurde ein besonders heiliges Exemplar in dem Haupttempet des Gottes gehalten, man betete es an, hüllte es in die kostbarsten Teppiche und stellte ihm die leckersten Schüsseln von Kalb- und Gänsefleisch, Kuchen u. s. w. vor. ') %vroi(i wurden besonders die Töpfe mit gekochten Hülsenfrücht'en genannt, mit denen die Statuen und Altäre niederer Gottheiten bei den Griechen eingcweiht wurden. -) „Mottenfraß" bedeutet Gewänder wie Jes. 50, 8. 51, 9. Job 13, 28; „Spinnengewebe" Häuser, Tempel, von Menschen gebaut Job 8, 14. 15., wo bei den Sept. ebenfalls «pa/vij Spinnengewebc. J35enn dieses Werk heißt nicht blos „Spinne," sondern auch „Spinnengewebe," und nvxvai aoä%vai ssnd „dichte Spinnengewebc." Friedlieb: „Schaaren von Spinnen," was keinen Sinn giebr. Das „Mottenfraß" beweist, daß hier von Sachen, nicht von den Thieren selbst die Rede ist. Wie wir schon bemerkt, bekleideten die Aegypter die geheiligten Götterthiere mit kostbaren Gewändern in den Tempeln, und lagerten sie auf den prachtvollsten Decken. 2) Anspielung auf die als Götter verehrten Schlangen und Krokodile. 4) Aecht biblischer Ausdruck. s> Das Strafgericht unter dem Bilde eines Bechers voll ungemischten berauschenden Weines, durch dessen Truuk die Und erkennen den Gott/' der Alles schauet, den König! Darum kommet auf euch die Flamme des lodernden Feuers, Ewig zehret die Gluth den ganzen Tag an euch allen, 45. Tieferfüllet von Scham, ob der trügrischen, nutzlosen Götzen. Doch sie Alle, die Gott, den wahren und ewigen fürchten, Sie erlangen zum Loos') das Leben, auf ewige Zeiten Wohnend in Edens Gefild, im üppig blühenden Garten, Zehrend vom lieblichen Brod, aus dem strahlenden Himmel gekommen?) Bösen ihrem Untergang zutaumeln, öfters in der Bibel Jes. 51. Jerem. 25. Gott als „König" ^b72 sehr oft in den Hymnen und Gebeten der Juden. ') „Das Leben zum Loose erlangen, das Leben erben," biblischer Ausdruck, schon 5 Mos. 30, U*. s) Die Schilderung der ewigen Seligkeit der Gottesfürchtige» erweist, daß auch B. 43—45 die ewigen Sttafeu der Götzendiener gemeint seien, nicht, wie ftüher, die aus Erden cintreffenden Unglückssälle. Wir haben es al'o hier mit der Lehre von der Vergeltung nach dem Tode im Jenseits zu thun. Den Bösen wird die ewig zehrende Flamme, den Gottcsfürchtigen das Paradies zuertheilt. Die jenseitige Strafe sich als Flamme vorzustellcn, ist sehr alt, und wurde besonders an Jes. 33, 14. (wo larg. 2-K paraphrasirt: 27'^ zzn'z), und 66, 24 angeknüpft. Daß in der erstern Stelle nur von den Sündern in Zion während des Lebens zu denken ist, ist klar. Wenn aber auch an der letzteren der Pr. die Bestrafung der Abtrünnigen nach dem Tode ~ im Sinne hat, so zeigt doch die Derbindung „ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer nicht erlöschen," daß er das Strafgericht nur in Bildern malt, nicht aber wirklich an eine Feuerstrase nach dem Tode dachte. Spätere Buchstabengläubigkeit nahm es wörtlich. Daß es abgesonderte Räumlichkeiten für die Sttafen der Gottlosen und tür die Belohnung der Gottessärchtigen gäbe, war schon die Meinung der Essäer lange vor dem Falle Jerusalems, wie Josephus berichtet ijüd. Kr. II, 8. 11.): „Die guten Seelen leben an einem Orte jenseits des Oceans, der weder von Regen, noch Schnee, noch Sonnenbrand belästigt, stets von einem sanften kühlenden Zephir angewebt sei; der Bösen harre eine finstere, kalte Höhle voll unaufhörlicher Qualen." Für diesen Ort der guten Seelen gab es eine biblische Anknüpfung, den Garten Eden, das Paradies. Für den Aufenthalt der Bosen wurde spater das Thal Hinnom (2:7? "2) symbolisch angenommen, weil diese Felsenschlücht durch die Molochsopfer verabscheut ward. Es ist daher von Bedeutung für die Aussassungszeit unseres Fragments, daß daS Paradies genannt wird, dagegen das Gehinnom noch unbekannt für den Aufenthalt der Böien ist. Schon Sept. 1 Mos. 2, 8. gebraucht den Ausdruck naQKÖucoc fitr den Garten Eden. Eben so wenig gehört es einer spateren Zeit au. die Kost der Seligen aus dem Manna bestehen zu lassen, ist vielmehr ein Zug, der uuserm Dichter anaehört, welcher sich überall gern, an biblische Anhaltspunkte anschließt. Denn daß das aQTos an ovqccvov nichts anderes als das in der Wüste gefallene Manna ist, geht daraus hervor, daß dies 2 Mos. 16,4. 2*727277 ^72 OT77 Sept. Zqtos ix xov ovgavov Ps. 78, 24. 100, 40 aQros ovQavov genannt wird. Verlag von Baumgartners D«chbmrdl«»s in Leipzig. — Druck von I. B. Hirfchfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H Lode.

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