Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1870)
- Date
- 1870-06-21
- Page
- Seite 499 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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499 München, im Mai. (Privatmitth.) Unser Rabbiner, Herr Hirsch Aub, welcher weit über vierzig Jahre in unserer Gemeinde wirkt, ist jüngst in den Ruhestand versetzt worden; doch wird derselbe die amtlichen Functionen bis zur Wiederbesetzung des Rabbinats versehen. Krotoschin, 1. Juni. (Privatmitth.) Sie werden ersucht, die folgende Antwort, welche die hiesige Gemeinde dem vr. Pinner zugesandt, in der A. Z. d. I. mitzutheilen, um den Standpuntt zu bezeichnen, den die hiesige Gemeinde und mit ihr so viele andere in dieser Frage einnimmt. „Ähr „Offenes Sendschreiben an den Reichstag des Norddeutschen Bundes" ist uns zur Zeit zugegangen, und haben wir allerdings geglaubt, die beste Antwort aus die Zumuthung, Ihren Auslassungen zuzustimmen, sei — Stillschweigen. Aber Sie wollen dieses nicht hinnehmen, obgleich Sie recht wohl eine Ahnung haben, woraus es entspringt, denn Sie selbst erblicken in der „zögernden Antwort ein Mißtrauen," Sie möchten sagen, „eine Geringschätzung" — und verlangen doch in Ihrem gedruckten Mahnbriefe (das Bedürfniß scheint also ein recht großes zu sein!) vom 4. d. M. ungestüm eine Antwort. Nun so soll Ihnen dieselbe auch von uns werden. Ihr „offenes Sendschreiben" giebt einen neuen Beweis dafür, wohin Fanatismus und blinde Parteiwuth zu führen vermögen. Sie erstreben die Aufhebung eines uns drückenden und beengenden Gesetzes, des Judengesetzes vom 23. Juli 1847, und wollen hierfür den hohen Reichstag gewinnen. Wohl! dieses Streben an sich ist nicht zu mißbilligen, und es ist anzunehmen, daß ein großer Theil der jüd. Gemeinden Norddeutschlands die Zustimmung zu einer dahin zielenden Petition nicht versagen würde, vorausgesetzt, daß die Gesetzgebung die Verhältnisse der Synagogen-Gemeinden vorher in anderer, zeitgemäßer Weise ordnet. Aber sind Sie wirklich von Parteileidenschast so befangen, oder sind Sie gar so naiv, nicht einzusehen, daß der Weg, den Sie eingeschlagen, von diesem Ziele geradezu abführen muß? daß ein Pamphlet, wie Ihr „offenes Sendschreiben", das beste Mittel ist, das Erstrebte nicht zu erreichen? Fürcbten Sie nicht, dadurch', daß Sie hervorragende Männer des Judenthums, daß Sie den Vorstand und die Beamten der Gemeinde Berlins fast ohne Ausnahme mit Koth bewerfen, sich selbst zu discreditrren und Ihr Petitum von Vornherein wirkungslos zu machen? Und glauben Sie denn, Ähre Zänkereien mit dem dortigen Gemeinde-Vorstände, mit denen Sie doch hauptsächlich Ihr Gesuch an den Reichstag motiviren, errege so sehr die Sympathie der jüd. Gemeinden, daß diese ohne Weiteres in Ihr Horn stoßen werden? Sie thun übrigens gut, daß Sie in Ihrem gedruckten Briefe vom 4. d. M. Ihre eigenen Verdienste herausstreichen. Wir gestehen offen ein, daß wir bisher vor Empfang Ihres „Sendschreibens" nicht einmal das Vergnügen hatten, Ihren Namen zu kennen; aber Sie sind im Jrrthum, wenn Sie glauben sich durch Ihre Anführungen über die von Ihnen begeiferten Männer zu stellen, über Männer, deren Bedeutung wir wohl zu würdigen wissen, die wir hoch schätzen, wenn wir auch nicht ihren religiösen Standpunkt theilen. Denn da Sie „alle jüd. Gemeinden Europa's besucht, ihre Gesinnungen, ihr Wissen und ihr Wollen, ihre Bestrebungen und ihre Leistungen kennen," so werden Sie ja wissen-, daß die hiesige Gemeinde eine orthodoxe ist, werden aber auch wissen, daß dieselbe niemals Gefallen an Denunciationen und Hetzereien, an einer Skandalsucht gefunden, wie Ihre Schmähschrift sie bekundet. Nach dem Vorangegangenen erfreuen wir uns wohl der Aussicht, in Ihrer Zeiffchrift „Sinai" — wenn dieselbe wirklich erscheinen und gelesen werden sollte — unter denjenigen Gemeinden zu figuriren, die Ihre Zumuthungen abgelehnt haben, während wir uns der Hoffnung hingeben, die Zahl derjenigen, die Ihren Machinationen zustimmt, werde, zur Ehre des Judenthums gleich — Null sein. Ihr „Sendschreiben" empfangen Sie in Streifband zurück. Krotoschin, 27. Mai 1860. Der Vorstand der jüd. Gemeinde." Frankreich. Paris, 8. Juni. Man liest im Siecle: „Die Herren Jules Favre und Cremieux sind am letzten Donnerstag in Algier angekommen. Sie werden vor dem k. Gerichtshöfe von Algerien, der Eine gegen den Anderen, einen Proceß führen, durch den die interessaitte Frage von der persönlichen Satzung und der Naturalisirung der algerischen Israeliten aufs Tapet