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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-06-21 · Heft 25 (21.6.1870) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 25 (21.6.1870)
Date
1870-06-21
Page
Seite 498 (sequence 14)
Language
German
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498 bare goldene Uhr. Von vielen Seiten endlich, zumal aus Wien, trafen brieflich und telegraphisch Glückwünsche für diesen Festtag ein. Am Montag fand ein solennes Festmahl statt. Berlin, im Juni. (Privatmitth.) 8. Die jüdische Nachwelt wird es Ihnen, Herr Redacteur, als ein Verdienst anrechnen, daß Sie trotz der wie giftige Pilze aufsprießenden, in Gemeinheit und Abgeschmacktheit, an Inhalt und Form wahrhaft rohen, jüdischen Presse den Muth und die Energie nicht verlieren, die Standarte der Bildung, des Geschmacks, der wahren Religiosität und Sittlichkeit hochzuhalten und voranzutragen. Es ist ein betrübendes Schauspiel, welches jetzt die jüdische Journalistik bietet, und das als!eiu Ergebniß nach Jahrzehenden ernster wissenschaftlicher und Culturbesttebungen ttef entmuthigen könnte. Auch Herr Pinner will eine Zeitschrift „Sinai" herausgeben; auch Herr Hildesheimer läßt eine solche vom Stapel laufen, und Herr Lipschütz wird nicht lange auf sich warten lassen. Wer diese Dinge vom Parteistandpuncte allein bettachtete, könnte sich darüber freuen, denn es wird dadurch manifestirt, in welcher Zerklüftung sich die hyperorthodoxe Partei befindet, wie sie sich in Fähnlein spaltet, derer jede einem andern Führer folgt. Lehmann, R. S. Hirsch, Nascher, Pinner, Hildesheimer, sie bilden keine Phalanx, sondern schwärmen in Häuflein umher, und suchen sich gegenseitig Abbruch zu thun. Allein vom wirklich jüdischen Standpuncte ist die ganze Erscheinung sehr niederbeugend. Da der Gedankcninhalt dieser Leute zu einem großen Theile sehr unvernünftig und abgeschmackt, ihr Styl roh, ungebildet, sprachwidrig ist, und sie dabei den Ton fanatischer Leidenschaftlichkeit anschlagen, der jedes Mittel gleich ist, um nur die, welche sie als ihre Gegner ansehen, mit Staub zu bewerfen, so wirken sie nach innen und außen verderblich. „Nach außen" freilich nur sehr beschränkt, denn hier kommt es uns zu statten, daß man außerhalb so wenig Notiz von der jüdischen Literatur nimmt. Sonst müßten wir vor Scham vergehen, und niemals haben die Juden sich so viele Blößen gegeben, wie dies durch diese Sttibler geschieht. Allerdings wird nicht blos hier gesündigt; auch auf andrer, nicht hyperorthodoxer Seite ist der holprige, oft rohe Styl zu Hause, und niedrige Gesinnung und Einseitigkeit in Triebfeder und Ansichten machen sich geltend. Allein sie verbergen sich doch mehr und treten mehr vor dem kundigen Auge zu Tage. Ist nun schon diese ganze Gesellschaft für den abstoßend, der seit so vielen Jahrzehenden unablässig das Bessere anstrebt, so daß man glauben konnte, innerhalb der jüdischen Kreise doch Etwas an Begeisterung für ein höheres religiöses und sittliches Berständniß, an Bildung und Geschmack erreicht zu haben, so muß es noch mehr für Sie widerwärtig erscheinen, den von einem Extrem zuin andern allesammt zur Zielscheibe ihrer Pamphlete, Angriffe, Kritiken u. s. w. machen. Sie gehen ruhig daran vorüber, und lassen sich auf ihrem Wege nicht ermüden. Gut; um so mehr werden sich alle Besseren um Sie schaaren, um so enger sich an Sie anschließen, und die Nachwelt Ihnen dafür dankbar sein. Das hiesige Stadtgericht hat vor einigen Tagen einen Bekenner der jüdischen Religion zum Vormund eines evangelischen Kindes verpflichtet. Es ist dies unsres Wissens der erste derartige Fall. (In Berlin mag dies sein; aus den Provinzen sind uns mehrere Fälle bekannt, wenn auch aus früheren Jahren, da die kirchliche Reaction dagegen opponirte. Redaction.) Mit Rücksicht auf die gemeldete Bestellung eines jüdischen Vormundes für ein christliches Kind durch das hiesige Stadtgericht geht der „Post" aus Potsdam folgende Mittheilung zu: Bei dem hiesigen Kreisgericht, dessen Vormundschaftsbureau I. ich zur Zeit vorstehe, wergen folgende Vormundschaften geführt, in denen Juden Vormünder sind: a. Hellmann, Sergeant nnd Bataillonsschuhmacher der Unterofficierschule, gestorben im Jahre 1867. Vormund: Möbelhändler Ehrlich, b. Hamel, Hoftapezierer, gestorben im Jahre 1869. Vormund: Banquier Adolph Abramczyck. — Beide Vormundschaften sind evangelische, und nehmen sich die Vormünder ihrer Curanden mit aller Liebe und Sorgfalt und gutem Erfolge an. — Auch aus Berlin geht uns von dem Kaufmann Louis Sommerfeld (Königssttaße 36) die Mittheilung zu, daß er, obgleich der jüdischen Confession angehörig, seit 18 Jahren Vormund eines evangelischen Kindes ist. —. P. (Privatmitth.) Der Assessor F. in Breslau «jüdischer Religion» ist Richter.in Bagatellsachen zu Oels geworden, sowie Ass. B. aus Genthin Hülfsrichter in Neustadt in Westpreußen. An der Verwendung von Juden als Richter in Preußen ist also nicht mehr zu zweifeln. —

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