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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-06-21 · Heft 25 (21.6.1870) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 25 (21.6.1870)
Date
1870-06-21
Page
Seite 497 (sequence 13)
Language
German
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497 das Recht der Vennnft verkündet. Indem er von der Einladung sprach, die vom Concil aus an die Juden erging sich zu bekehren, hat er, in einem Aufschwung edler Entrüstung, jene „Priester des Blutvergießens" gebrandmarkt, „die," sagte er, „uns ihre Hände, noch getüncht vom Blute „unsrer Vater, ausstrecken, um uns zum Abfall zu ermahnen." Das bevorstehende Jubiliäum hat er treffend gekennzeichnet „als Herausforderung an die Vernunft und Attentat auf die Menschlichkeit." Rach dem Gottesdienst hat eine Menge Gemeindemitglieder den würdigen Priester umgeben, um ihn zu beglückwünschen, und Herr Lasten, der erste Vorsteher, hat ihn gebeten, seine Predigt drucken zu lasten. Da ick Ihnen nur einen blassen und unvollständigen Auszug gegeben habe, werde ich nnch beeilen, Ihnen, Herr Redacteur, ein Exemplar zuzustellen." Zeitungsnachrichten. Deutschland- Leipzig, 8. Juni. Wie bereits in diesem Bl. bemerkt worden, war Herr Dr. Jellinek hier eingetrosten, um sein 25-jähriges Predigerjubiläum zu begehen. Am Vorabend des Schabuothfestes brachte Herr Dr. Golds chmidt in seiner Abendpredigt dem Jubilar ein herzliches Willkommen und der Chorgesangverein Psalterion eine Serenade. Am ersten Festtage hielt, nachdem seitens des Dr. Goldschmidt die Confirmation stattgefunden, Dr. Jellinek die Festpredigt, die wir hier nach den „Leipziger Nachrichten" skizziren. Der Redner schilderte die Bedeutung des Wochensestes und den Einfluß der vom Sinai herab ertheilten Satzungen. Er wies namentlich auf die Anerkennung hin, welche bteselben zu jeder Zeit und bei allen Völkern gefunden hätten, und nahm Gelegenheit, aus diesen allgemeinen Grundsätzen das universelle Element im Äudenrhum zu erklären, welches das Gute auch bei andern Ratio nen und Confessionen stets anerkannt habe. Er legte dar, daß die dem Judenthum innewohnende Wahrheit sich stets urehr und mehr Bahn gebrochen habe und das in noch höherm Grade in diesem Jahrhundert durch Einführung deutscher Predigten in Israel der Fall gewesen sei. Die zum größten Theile durch die Verbindung altjüdischer Wissenschaft mit den neueren Fortschritten auf allen Gebieten des Lebens geschaffenen Zustände bezeichnet Redner als „das Judcnthum auf der Höhe" und ihm galt die begeisternde Rede. Dieses Judenthum aus der Höhe habe ihm zu jeder Zeit vorgeschwebt und daß auch sein Wirken demselben gegolten habe, dazu habe er in Leipzig während seiner Studienzeit und seiner Berufsthätigkeit die schönste Anregung erhalten. Dies Judenthum aus der Höhe sei es auch, welches ihn, um davon Zeugniß abzulegen, in seine Gemeinde Leipzig, der er stets mit Huld und Liebe zugethan sei, nach einer dreizehnjährigen Trennung zurück geführt habe. Er habe mit Genugthuung erlebt, daß, während noch in den ersten Jahren feiner hiesigen Wirksamkeit Juden ihres Glaubens Willen am Vorabend des Passah festes aus der Stadt vertrieben worden seien, allgemeine Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung eingeführt worden sei und in seiner zweiten Gemeinde habe er wiederum Zurücksetzung seiner Glaubensgenossen, denen außer ihrem Grabe kein Besitz an Grund und Boden verstauet gewesen sei, aber auch die Zeit gesehen, welche Vorurtheilc abgeschastt habe und keinen Unterschied des Glaubens mache. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen die Juden als Sklaven behandelt worden, seien die Fürsten, einstens die Verfolger, jetzt der Schutz jeder anderen Confession. Zum Schluffe richtete Herr Dr. Jellinek innige Worte des Dankes und frommer Wünsche an die Gemeinde, welche mit vielen sonstigen Teilnehmern des schönen Festes sämmtliche Räume des Gotteshauses füllte. Am nämlichen Tage überreichten der Vorstand und die Verordneten der jüdischen Gemeinde, H. Kohner an der Spitze, dem Jubilar das Diplom als Ehrenmitglied der Gemeinde; das Diplom ist ein kalligraphisches Meisterwerk. Eine Deputation hiesiger Verehrer des Jubilars, als deren Sprecher Herr Oppenheimer erschien, überreichte darauf zwei silberne Armleuchter mit entsprechender Widmung. Außerdem fanden sich verschiedene Vertreter hiesiger Vereine und Privatpersonen als Glückwünfchende ein. Der Vorstand des israelitischen Frauenvereins überbrachle ein prachtvolles Bouquet; von seinem Collegen, Dr. Gold schmidt, erhielt der Jubilar einen silbernen Pocal, ein gleiches Geschenk von Verehrern in Wien und von dem Vorstand der Wiener Cultusgemeinde eine kost-

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