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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-06-07 · Heft 23 (7.6.1870) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 23 (7.6.1870)
Date
1870-06-07
Page
Seite 457 (sequence 9)
Language
German
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*57 Czernowitz (Bukowina), 29. Mai. Aus Czerno- Witz sendet man uns eine Abschrift des folgenden Aii nisterial - Erlasses des Grasen Taaffe an sämmtliche Statthalter: „Aus Anlaß der vom Kaufmännischen Fortschrittsvereine in Czernowitz unterm 3V. v. M. telegraphisch gestellten Bitte um Abhilfe in Betreff der von der fürstlich moldo-walachis chen Regierung angeblich verfügten Zurückweisung derjenigen Jude n an der moldauschen Grenze, welchen es nicht gelingt, 5000 Francs Barverniögen nachzuweisen, hat das k. und k. Ministerium des Aeußern den k. und k. Agenten in Bukarest angewiesen, diese Angelegenheit bei der fürstlich moldo-walachischen Regierung zur Sprache zu bringen und falls sich die Angabe des gedachten Vercins bewahrheiten sollte, auf die Abstellung der fraglichen Maßregel zu wirken. Hierbei machte das k. und k. Ministerium des Aeußern darauf aufmerksam, daß die Schritte unseres Agenten in Bukarest zur Abstellung des in dem obigen Telegramme erwähnten Vorganges am wirksamsten dadurch unterstützt würden, wenn der fürstlich moldowalachischen-Regierung die Sicherheit geboten wäre, daß von Seite der k. und k. Behörden die zuletzt in dem Circuläre des bestandenen Polizeiministeriums vom 29. Juli 1804 festgestellten Beschränkungen bei Ertheilung von Reisepässen nach der Moldau genau eingehalten würden, in welcher Richtung eine Note des fürstlich moldo-walachischen Ministeriums an den k. und k. Agenten in Bukarest bereits vorliedt. Ich beehre mich sonach, Euer Excellenz zu ersuchen, den betreffenden Organen des dortigen Verwaltungsgebietes die Bestimmungen des erwähnten Circulärs zur Danachachtung in Erinnerung zu bringen. Empfangen :c. Taaffe/' Czernowitz, 30. Mai. Aus Bottuschan in der Moldau treffen hier israelitische Flüchtlinge ein, um sich vor Mißhandlung und Plünderung zu schützen. Judenhetzen sind in Rumänien wieder an der Tagesordnung. Belgien. ' Brüssel, 29. Mai. (Privatmitth.) Sie haben bereits in 19 des großen Processes erwähnt, welcher hier gegen die Betrügereiendes Langrand - Dumonceaux geführt worden und die klerikale Partei so überaus blos gestellt hat. *) Der Red acte ur der „Cöte libre" Mandel hatte hierüber Berichte gegeben, welche das belgische Gericht der höchsten Fahrlässigkeit und absichtlichen Nachsicht bezüchtigten. Mandel wurde deshalb angeklagt, aber dieser Preßproceß gab dem Angeschuldigten und dessen Vertheidiger Gelegenheit, die ganze Wahrheit aufzudecken, so daß eine Freisprechung Wandels in allen Anklagepuncten erfolgte, und die Männer des betreffenden Parquets ihre Demission nehmen müssen. Es geht daraus hervor,, wie der Papst, der hohe Klerus und ihr ganzer Anhang die unerhörten Schwindeleien des frommen Langrand begünstigten, in der Absicht, der klerikalen Partei die Gcldherrfchaft zu erringen. Jetzt freilich erleidet diese letztere ungeheure Verluste, ohne daß von diesen der hohe Klerus berührt wird. Diese Vorgänge bilden immerhin ein merkwürdiges Moment, das die Bestrebungen und den Character der ultramontanen Partei scharf beleuchtet. Man erinnere sich der in den Organen Langrands immer wiederholten schrankenlosen Angriffe gegen die Juden, Angriffe, welche wir auch in diesem Glatte zurückzuweisen uns bemühten, und man sieht auch hier abermals eine gerechte Vergeltung, und daß die, welche Anderen eine Grube graben, selbst hineinsallen. —. Soeben lesen wir folgendes Telegramm: Brüssel, 28. Mai. Gestern Nachmittags wurden die Briefe und Bücher in den Bureaux von Langrand-Dum-onceau gerichtlich mit Beschlag belegt, ebenso die in den Händen des Prinzen Chimay befindlichen Schriftstücke, von denen mehrfach im Proceffe Mandel die Rede war. Auch sind vier Mitglieder der katholischen Partei und unter ihnen ein ehemaliger Minister in die gerichtliche Untersuchung hineingezogen worden. *) Ein pariser jüdisches Blatt entlehnte unseren Artikel in Nr. 19, gab aber als Quelle „die belgische Post" an. Ein solches Blatt giebt es aber gar nicht, denn die von uns cirirte „Post" ist ein Berliner Tagesblatt, das Organ des Or. Stroußberg. Redact. 23

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