Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1870)
- Date
- 1870-05-24
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
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der ausdrücklichen Erklärung, daß sie nicht auch der Synod? beiträren. Met Nachdem noch einige Vertreter süd- und westdeut Gemeinden den Beitritt theils erklärt, theils in Aussicht gestellt hatten, votirte Herr Olesheimer (Fürth) dem sitzenden, als dem Anreger des Gemeindetages, den Dank der Versammlung, in welchen alle Anwesenden lebhaft einstimmten. Gegen den Schluß der Sitzung wurden die Statuten des Gemeindetags, der Alliance israglite universelle und andere aus die Tagesordnung bezügliche Schriftstücke in großer Anzahl unter die Anwesenden vertheilt, von denen die meisten sich auf Grund des erwähnten § 3 in die Mitgliederliste eimragen ließen. II. ß. Eine zweite Versammlung fand am 1. Mai statt. — Dieselbe war noch zahlreicher besucht, als die erste. Der geschäflsführende Ausschuß war vertteten durch die Herren Kohner <Leipzig), Adv. Lehmann (Dresden), Adv.Josephthal (Nürnberg), Georg Feigl (Prag). AmAusschußlische hatten ferner außer den Vertretern des Leipziger Gemeindevorstaudes die Herren Rabbiner Dr. Goldschmidt und Prof. Dr. Fürst aus Leipzig und Pros. Dr. Lazarus aus Berlin, als Vertreter des Berliner Localvereins der Alliance isra^lite universelle Platz genommen. Die Versammlung füllte fast den ganzen Raum des großen Synagogenschiffes aus. Der Vorsitzende, Herr Moritz Kohner, legte in einer einleitenden Ansprache den Versammelten die heilige Sache, um derenwillen sie Herberusen seien, nochmals aufs Wärmste ans Herz und beleuchtete die Frage von einigen neuen Gesichtspunkten aus. Er erinnert daran, daß rrnnK Einheit von jeher die Parole des Judenthums und der Juden gewesen sei; die Einheit der Bekenner habe denselben immer als lebendiges Symbol der von ihnen verfochtenen Einheit Gottes gegolten. Diese Einheit und Solidarität drohe aber in neuester Zeit unter dem Andrange der modernen Cultur in Stucke zu gehen. Es müsse also danach gestrebt werden, daß zunächst unter den Gemeinden innerhalb der einzelnen Länder der Zusammenhang erhalten werde. Aus diesem Bedürfniffe seien denn auch bereits in England, Amerika, Frankreich, ja neuerdings auch in Ungarn durch freie Vereinigung geschaffene Centralorgane hervorgegangen, welche die Jntereffen der Judenheit in den betreffenden Ländern würdig zu repräsentiren vermögen (Board of Delegates of American Jews, Board of Deputies of English Jews, Alliance israelite universelle, ständiger Ausschuß des jüdisch-ungarischen Congreffes). Nur die deutschen Juden besitzen eine solche Central-Verttetung nicht; über der nunmehr fast völlig erreichten Freiheit scheinen sie die Einheit verloren zu haben; und diese Zersplitterung nehme immer mehr überhand! Es sei hoch an der Zeit ihr Einhalt zu thun, schon darum, weil wir ja gar nicht allein seien, weil es dringend noch chue unfern bedrängten Brüdern mit vereinten Kräften beizuspringen. Da höre man wohl Manche einwenden: es sei nicht Sache der Menschen, jenen Unglücklichen zu helfen, die Vorsehung werde schon Hülfe senden zur rechten Zeit. Hieraus sei zu erwidern, daß die Vorsehung verschiedene Wege einschlage um zu helfen; einer dieser Wege sei der, daß sie gute und hülfsbereite Menschen auf die Erkenntniß des Uebels und der Mittel hinleite, die demselben abhelfen könnten. Neben Liesen Einfältigen gebe es aber noch hartherzige, kurzsichtige Menschen, die gleich mit der Frage bereit seien: Was gehen uns die russischen Juden an? Als ob nicht ihr Leiden und ihre Schmach unser Leiden und unsere Schmach wäre! Als ob nicht die wirthschaftliche und daher zum Theil auch geistige Verkommenheit unserer Brüder im Osten alle noch so glorreichen Erfolge der Culturjuden in Frage stellte oder doch wenigstens verdunkelte, und unfern lauernden Feinden eine stets willkommene Handhabe sei, ihr Müthchen an uns zu kühlen! Der Redner sucht diese Gedanken durch einige zum Theil sehr ergötzliche, zum Theil aber auch sehr ernste und zu tieferer Bettachtung auffordernde Bilder aus dem Leben zu illustriren. Er erinnert daran, wie vor einigen Jahren, als der Nothruf unserer Glaubensbrüder von Rumänien aus erschallte, ein hervorragender deutscher Israelit sich erboten habe, als Mandatar der deutschen Judenheit nach Rumänien zu gehen, um nicht nur der augenblicklichen Noch abzuhelsen, sondern auch durch Gründung von Schulen, Wohlthätigkeitsanstalten u. s. w. einer Wiederkehr derselben kräftig vorzubeugen, wie man ihn aber schmählich im Stiche gelassen habe; das Unternehmen sei an der Theilnahmlosigkeit der betteffenden Kreise gescheitert zur Schande rer deutschen Judenheit und zum Schaden unserer rumänischen Brüder, die vielleicht manchen zukünfttgen Leiden im Vorhinein hätten enthoben werden können. Dieser ^Jndifferentismus müffe aufhören; ein Centtalorgan müye geschaffen werden, das im Verein mit der Alliance die Jmereffen der Judenheit nach außen gewichtvoll repräsentire und nach Innen die Jntereffen der deutschen Juden entwicklungsfähig gestalte und ordne. (Bravo!) Während dieser Rede hatte Herr Kohner mitgetheilt, daß seit der letzten Versammlung die 47te Gemeinde sich dem Gemeindebund angeschloffen haben und zwar — Berlin. (Bravo!) Prof. Dr. Lazarus schließt sich mit großer Redegewandtheit den Ausführungen des Vorredners an und beklagt gleichfalls den schwachen Wiederhall, den der Gedanke des Gemeindetags bisher gesunden. Schon diese Schwierigkeit und Langsamkeit, mit der das zu gründende Einheitswerk vorrücke, zeige deutlich, wie sehr die Zersplitterung und Gleichgültigkeit unter uns zugenommen habe und wie nothwendig es sei, ihr einen Damm entgegenzusetzen. Erst jetzt verdienen wir, zumal in Deuffchland, recht eigentlich den Namen des „zerstreuten Israel," da wir weder eine Organisation