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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-24 · Heft 21 (24.5.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 21 (24.5.1870)
Date
1870-05-24
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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oder Centralbehorde, wie die Juden der übrigen Culturländer, noch hervorragende, allgemein anerkannte Persönlichkeiten besitzen, in denen sich das religiöse Bewußtsein der Gesammtheit maßgebend und mustergültig zusammenfaßt, wie dieß nock bis zu Anfang unseres Jahrhunderts der Fall war. Schon in der bloßen Thatsache des Zusammenschlußes der gegenwärtig zersplitterten Theile liege eine gewaltige Tragweite; die jetzt so erschwerte Verständigung werde erleichtert, der Austausch und die Verwirklichung fruchtbarer Gedanken beschleunigt werden. Der Redner warnt nun die großen Gemeinden vor der Ueberhebung, als bedürften sie der Mithülfe der kleineren nicht; ebensowenig dürfen diese mit schlecht angebrachter Bescheidenhenheit Vorschüßen, ihre Mitwirkung sei nicht von Nöthen. Ein großer Bau komme nur zu Stande, wenn die Urheber des Plans mit denen, die ihn mit Sachkunde ausführen, bis hinab zu denen, die den Mörtel Herbeittagen, einträchtig Zusammenwirken. Auch handle es sich ja gar nicht um ein bloßes Ideal, sondern um ein durchaus praktisches Institut, das wirklich vorhandene Bedürfnisse befriedige. Der Redner führ: hier an den Fragen der Lehrerausbildung und des Pensionssonds sehr überzeugend aus, welch' ein nützliches Institut der Gemeindeverband zu werden verspreche und wie es ein wahres Glück sei, daß die hohen und reinen Ideen, richtig gefaßt, immer zugleich auch wahrhaft praktische Interessen sind. Ein deutsch-israelitischer Gemeindebund als lebendiges Glied der die Juden aller Länder umfassenden Alliance i«=ra£!ite universelle werde noch eine ganz andere Stütze desselben sein, als eine größere oder geringere Anzahl einzelner Mitglieder. Werde Israel so den Weg der Verständigung unv der Solidarität wieder betteten, dann werde es nicht mehr gleich dem „Sand am Meere," der keine Bindung hat und ebendarum unfruchtbar ist unv höchstens dann einigen Halt und Einheit gewinnt, wenn die Wogen über ihn hingehen; nein, „Israel werde leuchten wie die Sterne des Himmels", die nach ewigen Gesetzen harmonisch ihre Bahnen ziehen (Bravo!). Ein Vorschlag des Herrn Calm (Bernburg), der den Herausforderungen des Concils und der Innern Mission mir scharfem Protest entgegengetteren sehen will, ruft lebhaften Widerspruch seitens des Herrn Georg Feigl «Prag, Mitglied des Ausschusses» hervor; der Gemeindetag habe lediglich admin strative Zwecke. In ähnlichem Sinne spricht sich Herr Adv. Dr. Emil Lehmann (Dresden, Ausschußmitgliev» aus; das Zustandekommen eines jüdischen Gemcindebundes werde der eindringlichste Protest gegen jene prosit'enmacherischen Bestrebungen sein. Herr Kohner ist der Ansicht, daß die angeregte Angelegenheit zwar nicht zur Competen; des Ausschusses des Gemeinderags, wohl aber zu der des zu gründenden Bundes gehöre; gerade solche Anmaßungen lehren recht deutlich, wie nöthig es sei, einen solchen zu schaffen. Im weiteren Verlaufe der Debatte weisen die Herren Feigl «Prag», und Rechtsanwalt Josephthal (Nürnberg,) die besonders in Süddeutschland vielfach umlaufende Auffassung, als ob der Gemeindetag nur eine gewisse religiöse Richtung bevorzuge, andere aber (streng orthodoxe) in den Hintergrund drängen wolle, energisch zurück. Zweck und Wirkungskreis des Gemeindetags seien völlig von denen der Synode verschieden. Herr Feigl constarirt, daß die Theilnahme Prags, dieser altehrwürdigen frommen Gemeinde, der anzugehören und die zu vertteten er die Ehre habe, an dem schönen Werke des Gemeindetags eine unzweideutige Gewähr dafür sei, daß es sich hier nicht um destructive Tendenzen, überhaupt nicht um religiöse und ceremonielle Conttoversen handle, daß vielmehr alle Richtungen in gleicher Weise in diesem lediglich organisatorischen und repräsentativen Zwecken gewidmeten Verbände Platz finden sollen. Herr Kohner betont, wie man bei dem zu ordnenden Pensionswesen, bei Stipendien, bei der Armenpstege nicht erst nach der religiösen Richtung der betteffenten Beamten frage, sondern jedem Verdienste beispringcn werde. Nachdem noch Holländer «Leobschütz) dem Ausschüsse in üblicher Weise denDank der Versammlung unter lebhaftem Zurufe volirt hatte und nachdem der Vorsitzende nochmals auf die in Empfang zu nehmenden Drucksachen über den Gemeindebund, die Alliance, deren Statuten und Berichte erinnert, wurde dieselbe geschlossen. Auch diesmal ließ sich ein großer Theil der Anwesenden in die Mitgliederliste einttagen. Möge nun ein Jeder dieser neuen Freunde der guten Sache die begeisterte, opferfreudige und versöhnliche Stimmung, die in den Versammlungen waltete, mit sich hinausgelragen haben in seine Heimath, damit das herrliche Werk immer mehr Boden gewinne, immer tiefere Wurzeln schlage in den Gemeinden des deutschen Israel, das schon so viel für jüdische und allgemeine Cultur geleistet, aber noch unendlich mehr leisten könnte — wenn es einig wäre! Noch lange nach Schluß der Versammlung gab sich die gehobene Stimmung der Theilnehmenden in Wort und That kund (es fanden sich Zeichnungen von Jahresbeittägen auf 20 Thlr. und 10 Thlr.); es meldeten sich Glaubensgenossen aus Rußland, Ungarn .und Frankreich, die sich als Mitglieder einzeicbneten. Unter letzteren erschien namentlich ein Mitglied des Centtal - Comirs der Alliance aus Paris, Herr Rabbiner Cröhange, welcher Veranlassung nahm, seine hohe Beftiedigung über den Geist des Gemeindebundes und den der Gemeinsamkeit mit der Alliance auszusprechen, worüber er in Paris Mittheilungen zu machen sich veranlaßt sehen werde. — Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.

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