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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-24 · Heft 21 (24.5.1870) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 21 (24.5.1870)
Date
1870-05-24
Page
Seite 428 (sequence 20)
Language
German
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428 eine erwiesene Gegnerschaft gegen seine Bestrebungen. Im Jahre 1847 verlor er seine treue Gattin. Er hinterläßt vier Söhne, von denen drei dem Anwaltsstande, einer dem Berufe des Vaters sich widmeten, eine verheirathete Tochter und zehn Enkel. Die gesammte katholische und protestantische Geistlichkeit, Bürgermeister und Gemeinderath, die Staatsbehörden, ein großer Theil der Bürgerschaft, sowie zahlreiche Abordnungen aus den Landgemeinden geleiteten ihn zum Friedhof. Diesem Wirken entsprach auch fein Tod. Fest und ruhig, fast heiter ging er demselben entgegen. Er starb, von Allen verehrt, von Bielen geliebt, von Niemandem gehaßt, ein echtes Bild redlichen Strebens, echter werkthätiger Liebe. Möge es ihm der himmlische Vater lohnen! Vermischtes. Die Engländer sind bekanntlich in ihrer großen Mehrzahl strenggläubige Christen, und ein großer Theil derselben vermag garnicht zu begreifen, daß man anderer Meinung sein kann. Sie nennen das strenggläubige neutestamentliche Christenthum „die ganze Wahrheit," und wer ihm nicht anhängt, kann wohl „manche Wahrheit" haben, nur nicht jene. Sie fühlen sich daher jetzt sehr unangenehm überrascht von einer Erscheinung, welche sie anfangs mit großem Jubel begrüßt hatten. Unter den Indern ist ein Reformator Chunder Sen erstanden, welcher dem Buddhismus und Brahmanismus abgesagt und sich dem Monotheismus zugewandt hat. Er hat bereits eine kleine Gemeinde um sich gesammelt. Die guten Engländer nun sahen dies als eine unfehlbare Bewegung znm Christenthume hin au und träumten bereits von den Tausenden broncefarbiger Menschen, welche der Kirche zufallen würden. Chunder Sen begab sich nach England und wurde der Löwe des Tages. Er hielt einige öffentliche Vorträge, in welchen er sein Glaubensbekenntuiß ablegte. Unumwunden erklärte er hier, daß er auf dem Standpuncte des reinen Monotheismus stehen und beharren werde, daß er sich mit den Legenden und Dogmen des Christenthums nicht verständigen könne, und auch das neue Testament, trotz mancherlei Gutem, das darin enthalten, nicht anzuerkennen vermöge. Da standen die Engländer verdutzt, betroffen, überrascht. Das allgemeine Mißbehagen gab sich bald nach englischer Sitte in einer Fluth von Zuschriften an alle englischen Blatter kund, welche den armen Chunder Sen sehr heruutersetzten und ihm sogar die Berechtigung absprachen, feine Meinungen in einem christlichen Lande öffentlich auszusprechen. Für letztere Behauptung wurden die Brieffchreiber zwar von Daily News auf die Finger geklopft; doch ist es mit dem englischen Traume aus, und Chunder Sen wird ohne Klang und Sang von der britischen Insel abziehen. _ Die „Tages-Preffe" schreibt: Zu Scheiblingkirch e n in Mederösterreich wohnt ein Jude mit seiner Familie, und der dortige Pfarrer möchte um jeden Preis wenigstens dessen Kinder der allein seligmachenden Kirche zuführen. Die Tockter des Israeliten ist seit längerer Zeit krank und der Pfarrer bestürmte die christliche Bedienerin derselben, das Mädchen heimlich und ohne Borwiffen der Eltern zu taufen, und als die Bedienerin erklärte, daß in dem Hause eines Juden kein Weihwaffer sei, erwiderte der Pfarrer, daß, wenn er den Befehl dazu ertheilt, das Kind auch mit gewöhnlichem Waffer getauft werden könne. Die brave, christliche Dienstmagd aber, anstatt nach dem Willen des Pfarrers zu thun, erzählte die Geschichte dem israelitischen Familienvater, und dieser wieder dem Arzte des Kindes. Letzterer meinte, daß der Herr Pfarrer -gerne frische Engel für den Himmel requirire, habe er doch ihn selbst vor vier Jahren dazu bestimmen wollen, daffelbe gottgefällige Werk an einem anderen, bereits verstorbenen Kinde des Israeliten zu vollziehen. Anekdote. Ein Abonnent des Pariser Blattes „Figaro" richtet folgende Zuschrift an das Blatt: Herr Redacteur! Ihr Mitarbeiter Adrien Marx erzählt in einem Artikel über den Maler Bouvin eine Anekdote, daß der Baron James Rochschild dem Maler Ary Scheffer für die Figur eines Bettlers als Modell gesessen hocke. Die Geschichte ist wahr, und ich habe keineswegs die Absicht, sie zu dementiren, will mir aber erlauben, sie zu vervollständigen. Während der Financier, in Lumpen gehüllt, auf der Estrade Position genommen hatte, drang ich ins Atelier des großen Malers, deffen Freund ich war; der Baron war ganz unkenntlich, und ich erkannte ihn auch nicht. Ich glaubte einen Bettler vor mir zu haben, näherte mich dem Unglücklichen und steckte ihm einen Louis in die Hand. Zehn Jahre danach erhielt ich in meiner Wohnung einen Bon von zehntausend Francs aus die Kaffe von Rue Lafitte mit folgenden Worten: „Mein Herr, Sie haben einst dem Baron Rothschild im Atelier Ary Scheffer's einen Louis gegeben, er hat ihn nutzbringend gemacht und sendet Ihnen heute das kleine Kapital, welches Sie ihm anvertraut haben, nebst den Jntereffen .... Eine gute Handlung bringt stets Glück. Baron James Rothschild." Nach dem Empfange ging ich zu dem Billionär, welcher mir aus seinen Büchern den Beweis lieferte, daß mein Louis so ertragreich gewesen, daß er endlich za einer so großen Summe angewachsen." Verlag von Damngärtner's »«chhanLInng in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld, Verantwortlicher Redaktenr Dr. H. Lotze.

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