Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1870)
- Date
- 1870-05-24
- Page
- Seite 419 (sequence 11)
- Language
- German
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419 Berichte des Rendanten geht hervor, daß die Einnahmen im verflossenen Bereinsjahre 82,915 ftcs., die Ausgaben 85,160 srcs. betrugen, so daß 2244 srcs. aus den Fonds des Vereins getragen werden mußten. Es wurden verausgabt 24,873 srcs. für die Vorbereitungsschule für im Morgenlande zu verwendende Lehrer zu Paris, und 26500 srcs. für die oben genanMen Schulen. 1500 srcs. kostete eine Mission nach Rumänien, an Unterstützungen für Publicationen wurden 3560 srcs. gezahlt, an Unterstützungen für die jüdische Wissenschaft 134 frcs. Der Druck der Bülletins und die Portos betrugen 10600 srcs.; Miethe, Meubles und Gehälter 16100 ftcs. Das Vereinsvermögen beträgt ungefähr 70,000 ftcs., worunter Capital 46717 ftcs. Die Zahl der Mitglieder beträgt gegenwärtig 11364 mit jährlichen Subscriptionen von nicht ganz 80,000 ftcs. Davon gehören Frankreich 3134 an, Deutschland 1562, Oesterreich 135, dagegen Ungarn 1029; die höchste Zahl außerdem liefert Rumänien mit 984, und die Türkei (europäische und asiatische) mit 1037. Amerika zählt im Ganzen 822, dagegen Rußland nur 73. Ueber die Leistungen der Alliance für die westrussischen Juden konnte dieses Bülletin noch nichts berichten, da die Alliance diese Angelegenheit erst im Laufe vergangenen Winters in die Hand genommen. Rumänien. Galatz, 25. April. Zur näheren Kenntniß der jüngsten Judenverfolgung in Tekutsch dient folgende Correspondenz. Laut heute hier eingelaufenen authentischen telegraphischen Berichten rottete sich gestern um 8 Uhr Abends der Pöbel in Tekutsch (Hauptstadt des Districtes gleichen Namens) zusammen, überfiel und mißhandelte die dortigen jüdischen Einwohner — bestehend aus circa 36 Familien — verwundete mehrere Personen, plünderte ihre Wohnungen und Berkaufslocale, demolirte die Synagoge und, wie es bei den aufgeklärten Rumänen gewöhnlicher Gebrauch, raubte und zerriß die dort Vorgefundenen Thoras. Dieser Unfug dauerte ohne jede Intervention seitens der Ortsobrigkeit vier Stunden; erst um Mitternacht, sei es, daß dieses Häuflein wehrloser Opfer schon gänzlich ausgeplündert und genügend geschlagen und mißhandelt war, oder daß die Angreifer schon ermüdet waren, zog sich diese Horde wieder zurück. Zur näheren Beleuchtung fei hier bemerkt, daß diese kleine jüdische Gemeinde in Tekutsch größtentheils aus armen Handwerkern besteht, ein sehr kleiner Theil befaßte sich mit dem Kleinhandel von Manufactur- und Kurzwaaren, Zwei oder Drei unter ihnen auch mit dem Getreidehandel. Dieselben hatten bis nun in sehr gutem Einvernehmen mit der christlichen Bevölkerung gelebt. Die Ursache des Umschwunges ist weder Brodneid, noch religiöser Fanatismus, sondern ganz einfach darin zu suchen, daß die Regierung indirect zu den Judenverfolgungen die Hand bietet und jede Missethat gegen Juden tolerirt. Warum soll sich der Pöbel zu Ausschreitungen gegen diese Unglücklichen nicht Hinreißen lassen, da ihm die Plünderungen stets etwas einbringen, wie in Galatz, Verlad und an anderen Orten? und der Straflosigkeit sind die Excedenten immer sicher. 8. Rußland. Ans Litthauen, 6. Mai. Mit dem 15. Mai tritt in Litthauen das neue Gesetz bezüglich der neuen Besteuerung jüdischer Einwohner in Kraft. Nach demselben haben die Juden Litthauens außer den bisherigen mannigfachen Steuern noch eine besondere Abgabe bei kirchlichen Acten, bei Trauungen, Beschneidungen und Confirmation von Knaben zu entrichten. Wie man vorgibt, soll aus diesen Abgaben ein Fonds zur Errichtung und Unterhaltung jüdischer Schulen gebildet werden, so daß diese künftighin weder der Gemeinde noch dem Staate zur Last fallen, sondern lediglich auf die angesammelten Fonds angewiesen sind. Bei armen Familien muß die Gemeinde die betreffenden Abgaben tragen, weil diese chr später wieder zu Gute kommen. Syrien. Kerek, im April. Die „Rev. isr." enthält Folgendes: Eine christliche Fran ließ jüngst ihr Kind beschneiden. Sie behauptete, eine Vision gehabt und vom Himmel den Befehl empfangen zu haben, diesen Act zu vollziehen. Das Kind blieb in den Händen 21*