Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1870)
- Date
- 1870-05-24
- Page
- Seite 414 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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414 Literarischer Wochenbericht. Erklärungen. Oxford, 1. Mai. Geehrter Herr Redacteuri Sie waren so freundlich mir so oft die Spalten Ihres geschätzten Blattes zur Verfügung zu stellen, so daß ich es wage, Sie zu bitten, nächstfolgende Zeilen aufnehmen zu wollen. — Ein gewisser Herr vr. Morgenstern hat vor Kurzem eine Schmähschrift unter dem Titel „Die ftanzösische Academie und die Geographie des Talmuds" gegen mein Buch „la Geographie du Talmud“ veröffentlicht. Für den Inhalt desselben will ich den Autor sprechen lassen; p. 5 heißt es: „Wir werden Herrn N. Nachweisen — und werden die Beweise dafür nicht schuldig bleiben — 1) daß er den Talmud nicht verstanden, und, wo er ihn glaubte (?) zu verstehen, nur mißverstanden hat; 2) daß er stellenweise den Talmud nicht lesen konnte (zwischen lesen und verstehen ist also ein Unterschied, muß Herr vr. M. glauben); 3) daß er wörtlich nachgeschrieben und Plagiate begeht, die un- I verzeihlich sind; ja daß er sogar die Fehler dem Berfasser nachgeschrieben hat, und somit das ganze Werk nichts als Abdruck und Nachdruck ist; 4) daß er die „Geographie des Talmuds" nur nach dem schon vorliegenden und Vorgefundenen Material behandelt; wenn dieses aber in den neuen Forschungen nicht vorkommt, da stockt auch seine Maschinerie und der künstlich gesponnene Faden reißt." So viel für mich; nun sollen auch die Recensenten das ihrige haben. Der witzige Doctor sagt p. 34: „In allen in- und ausländischen wissenschaftlichen Blättern wurde das Werk gelobt und als große Erscheinung am Himmel der Wissenschaft bewundert. Doch können Recensionen, aus Federn geflossen, denen der Talmud eine Terra incognita ist — nicht maßgebend sein, und ein Atom wiegt ein solches Clausel, daß die Kinder weder am Samstag, noch an den Festtagen arbeiten sollen. Es ist ärgerlich, daß Gerüchte ohne Begründung dem Comite Handlungen zuschreiben, welche es einer großen Zahl Israeliten verdächtig machen, und so dem Publicum Mißtrauen gegen ein Werk von solch unbestreitbarer Nützlichkeit einflößen." Die Alliance sieht also ein, was die Connivenz gegen diese Art Leute, das Besuchen der Nascher'schen Synagoge in Berlin und all dergleichen hilft. Urtheil auf." Ich würde wahrlich kein Wort über die Broschüre verloren haben, hätte sich Herr vr. Morgenstein nicht erlaubt bubenhast die französische Akademie (will wohl sagen die Akademie der Inschriften) anzugreifen; ich will nur mit einem Worte sagen, daß mir der Preis nicht für den zweiten Theil meines Buches (die Länder außer Palästina), in dem Herr vr. M. so viele Fehler rügt, sondern nur für den ersten, der Palästina behandelt, zuerkannt wurde. Und hier selbst ist die Akademie durchaus für Detailfehler nicht verantwortlich; also nur mich kann Herr vr. M. der Unwissenheit anklagen. Daß ich nicht „von dem mir allseitig gespendeten Lobe betäubt und geblendet bin und mich nicht als den einig einzigen Träger der Wissenschaft betrachte," wie Herr vr. M. p. 5 meint, beweisen die Worte in meiner Borrede, p. XXXVII: „Je ne me flatte pas de presenter un travail definitif; je pourrais presque dire que je n'^bauche ici qu’un essai, et j’accepterai avec la plus sincere reconnaissance les critiques que les savants voudront bien m’adresser pour completer mon oeuvre." Ich nehme sogar sehr dankbar manche Bemerkungen des Autors der genannten Schmähschrift auf, ob zwar er sich noch nicht zu den savants zählen kann, und er keine Kritik, sondern Bocherische Grobheiten geschrieben hat. Ich weiß, daß Sie, geehrter Herr Redacteur, nicht Discussionen in Details aufnehmen können; ich übergehe daher den den zweiten und dritten Abschnitt der Schmähschrift. Ich begnüge mich hier die Worte eines unserer besten und geistreichsten Kritiker anzuführen, der wenigstens eben so gut Talmud versteht wie der weise Doctor und der die einschlägige Literatur gr undlich kennt; der ungenannte Freund schreibt mir <28. April): „Die beiden andern Abschnitte sind meist Pi l p ul im und jeder weiß, daß der Verfasser einer solchen Arbeit alle einschlägige Schriften benutzen muß und sie auch benutzt hat ... . denn jeder Leser lder genannten Schmähschrift) muß herausfinden, daß es dem Verfasser nicht um die objective Wissenschaftlichkeit zu thun war, die sich nicht mit seiner Pasquinade verträgt, sondern daß Neid und Mißgunst dieser Mißgeburt das Leben gab." Nun erlauben Sie mir nur einige Worte über § I der Schmähschrift; ich fange damit an, daß Herr vr. M. richtig gefunden hat, daß ich oay unrichtig übersetzt habe. Ich kann nur zu meiner Entschuldigung sagen oder vielmehr mich der Nachlässigkeit anklagen, daß ich die Stelle aus dem Gedächtnisse übersetzte und es