Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1870)
- Date
- 1870-05-24
- Page
- Seite 413 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226744-3226766--28388-3302217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
413 Man sieht, daß aus der vorwiegenden Anbetung des Ormuzd heraus der, der Lehre Zoroasters einwohnende Dualismus beseitigt ist, die Einheit Gottes zur Grundlehre gemacht wird, und der reformirte Parsismus so den Grundlehren des.Judenthums nahe kommt, worauf wir am Anfang unseres Artikels aufmerksam machten. Diese bedeutsame Reform ist also da, wie uns nicht blos der gelehrte Parse Dadabhai Naoroji selbst, sondern auch der von ihm übersetzte Katechismus beweist. Wie weit dieser innerhalb der Parsen selbst Wurzel gefaßt, können wir freilich jetzt noch nicht beurtheilen, da wir eben nur diesen einen Zeugen haben, der dieses Zeugniß in der Berührung mit der civilisirten Welt und vor dem Angesichte derselben ablegte. Daß die obige Religionslehre bei den Parsen nur dadurch eine unbestrittene Verbreitung haben könnte, weil sie das Original ihrer heil. Schrift nicht verstehen, ist einsichtlich, schadet aber vorläufig der Entwickelung nicht, sonvern ist ihr förderlich. Wenn sich Prof. Max Müller nun Mühe giebt, Gründe aufzustellen, warum die Parsis nicht zum Christenthume übertreten, so konnte er sie sich sparen. Denn der christlichen Dogmatik gegenüber werden die conservativen Parsis ihre Mythologie, die reformirten Parsis ihre obige vernunftgemäße Lehre nicht aufgeben. Für die letzteren wäre es ein Rückgang zu einer Periode der Menschheit, wo diese eine rationelle Erkenntniß ohne Beimischung mythologischer Elemente noch nicht fasten konnte. „Wenn Jemand sündigt, lautet die Antwort, in dem Glauben, daß ein Anderer ihn erlösen kann: so werden der Betrogene und der Betrüger am Tage RastL Khez verdammt werden.Es giebt keinen Erlöser. In jener andern Welt wird euch vergolten werden nach euren Handlungen.Eure Handlungen und Gott selbst sind eure Erlöser. Er giebt und er vergiebt. Wenn ihr eure Sünden bereuet, und euch bessert, und der große Richter euch seiner Vergebung werth findet, oder euch gnädig sein will, so kann und wird er allein euch erlösen." In welcher Uebereinstimmung sich diese Lehre von der Sündenvergebung mit der unserer heil. Schrift z. B. des Propheten Jecheskel Cap. 18 befindet, brauchen wir nicht zu bemerken. Die roestrusfifchen Juden. Die „Presse israelite“ in Paris theilt mit, daß das Centralcomite zu Königsberg während des ersten Quartals des lauf. Jahres 315 Personen aus den westrussischen Provinzen nach dem Auslande befördert habe, nämlich 43 Familien aus 161 Personen bestehend, und >54 Individuen; ferner daß es in Königsberg, Memel, Berlin und Paris 61 Kinder bei Lehrherren, 27 in Schulen, 6 in Seminarien und 21 in verschiedenen Unterrichtsanstalten, zusammen 111 untergebracht hat. — Mag dieses, der Maste gegenüber, kein großes Resultat fein, so ist es doch von Bedeutung, weil auf diese Weise die Wege geöstnet und die nöthigen Erfahrungen gesammelt werden. Wir nehmen hierbei Veranlassung, vielfache an uns gelangte Anfragen, namentlich von Localcomites, dahin zu beantworten, daß das Centralcomite in Königsberg, obgleich wir Mitglied desselben sein sollten, keinerlei Mittheilung über feine Thätigkeit, den Standpunct seiner Finanzen u. s. w. an uns hat gelangen lassen. Ob dieses Stillschweigen der Sache förderlich sei, ob dadurch die Thätigkeit der Localcomites und der Einzelnen gestärkt oder geschwächt werde, überlassen wir der eigenen Beurtheilung. Nach der „Presse isr.“ haben bis jetzt Waisenkinder aus Westrußland angenommen: die israel. Gemeinde von St. Etienne 1, von Schalbach 1, M. F. Bloch, Fabrikant in Scherwiller 1, die Wohlthätigkeitsanstalten von Paris 30, die Gemeinde von Rostock «„Rußland," soll wohl heißen Mecklenburg?) 3.*) *) Kaum hat dieses segensreiche Werk der Waisenversorgung begonnen, als auch die bekannte Clique es in ihrer, nichts für heilig haltenden Weise zu hindern versucht. Um ganz unparteiisch zu sein, theilen wir hier mit, was die sehr unparteiische Uevue israelite darüber schreibt: „Der „Israelit" von Mainz enthält eine Correspondenz, nach welcher die polnischen Kinder, welche von dem durch die Alliance eingesetzten Königsberger Hülfscomite untergebracht worden, genöthigt wären, am Samstag zu arbeiten. Wir können versichern, daß diese Nachricht vollständig falsch ist und bedauern tief, daß sie ausgeftreut worden. Wir haben das uniforme Muster der Contracte zwischen dem Comite und den Patronen gesehen und sie enthalten die formelle