Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1870)
- Date
- 1870-05-17
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
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887 feinen Waschungen fertig ist. Dieselben Gebete werden jedesmal wiederholt, wenn ein Parst fich die Hände wäscht. Jede von den drei Mahlzeiten, die ein Parst einnimmt, fängt mit einem Gebet an und hört mit einem Gebet auf; außer dem gewöhnlichen Tischgebet und vor dem Schlafengehen wird das Tagewerk mit einem Gebete beendigt. Das Merkwürdigste ist aber, daß weder die Parsis, noch ihre Priester die alte Sprache, in der diese Gebete abgefaßt sind, verstehen. Wir wollen die eigenen Worte des Verfassers anführen, der selbst der Priesterkaste angehört. Er sagt: „Die Gebete werden in der alten Zendsprache gesprochen, oder vielmehr recitirt, ohne daß Priester und Volk ein Wort davon verstehen. Bei den Parsis giebt es keine Kanzel. Bei manchen Gelegenheiten, wie bei den zweimonatlichen Festen, den Ghumbars, bei den Ceremonien für die Todten, die am dritten Tage stattfinden, und bei sonstigen religiösen oder festlichen Gelegenheiten finden Versammlungen im Tempel statt. Gebete werden hergesagt, in die Einige mit einstimmen, aber keine Rede wird in der Volkssprache gehalten. Gewöhnlich geht jeder Parst, wenn er Lust hat, oder wenn es ihm paßt, in den Feuertempel, sagt seine Gebete her, so lange es ihm gefällt, und giebt vielleicht den Priestern eine Kleinigkeit, um statt seiner die Gebete zu sagen." Au einer andern Stelle sagt der Verfasser: „Statt die wahre Lehre zu verbreiten und dem Volke seine religiösen Pflichten zu lehren, sind die Priester von Allen am bigottesten und abergläubischsten, und üben, besonders auf die Frauen, die bis vor Kurzem gar keine Erziehung erhielten, einen höchst verderblichen Einfluß aus. Die Priester haben aber angefangen, sich ihrer unwürdigen Stellung bewußt zu werden. Viele von ihnen erziehen, wenn sie irgendwie können, ihre Söhne für einen anderen Beruf. Nur wenige von der Priesterschaft können auf Kenntniß des Zeudavesta Anspruch machen, und die Meisten sind nur darin ihren Glaubensgenoffen überlegen, daß sie die Bedeutung der Wörter in den heiligen Büchern, so wie sie eben gelehrt wird, kennen, ohne aber die Sprache philologisch oder grammatikalisch zu verstehen." Die Parsis heirathen nur eine Frau. Sie genießen Nichts, das von Andersgläubigen zubereitet worden, offen weder Ochsennoch Schweinefleisch; nur der Sohn eines Priesters kann Priester werden, ist aber nicht gezwungen, in den geistlichen Stand zu treten. Die Puncte, für welche die liberale Partei auftritt, sind: Äbschaffung der schmuzigen Ablution mit Nirang, Verringerung der großen Anzahl von obligatorischen Gebeten, Abschaffung der frühen Berlöbniffe der Kinder, Unterdrückung der großen Verschwendung bei Hochzeiten und bei Leichenbegänguiffen, die bessere Erziehung und Bildung der Frauen und ihre Aulaffung in der Gesellschaft. Unter dem Namen „Rahanumaee Mazdiafchna", d. h. Führer der Verehrer Gottes, ist eine Gesellschaft gegründet worden, die Versammlungen veranstaltet, Reden halten läßt, und Schriften vertheilt. Die Gegenpartei hat unter dem Namen „die wahren Führer" gleichfalls eine Gesellschaft gegründet. Neben dieser Läuterung von alten Mißbräuchen strebt aber auch die parsische Reformpartei nach einer Entwickelung ihrer Religionslehre und diese wollen wir jetzt ins Auge fassen. (Schluß folgt.) Bonn, 9. Mai. Zur zwetteu Synobalversamuürmz. Die Vorbereitungen zu der diesjährigen Syuodalverfammlung sind nunmehr getroffen, und werden Bekanntmachung und Einladung baldigst erfolgen. Die Gemeinden von Augsburg und München haben freundlichst Einladungen zur diesjährigen Abhaltung der Synode alldort erlassen. Wie wir hören, wird München gewählt werden, und die Versammlung am 26. Juli o. beginnen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 8. Mai. Wir haben noch einige Schulprogramme nachzutragen, nämlich das der „Jüdischen Reformgemeinde in Berlin" vom 17. April c., in welchem die Ansprache des Predigers Dr. Ritter „An die Gemeinde, besonders an die jüngeren Mitglieds vom 2. April, zur Feier des 25-jährigen Bestandes der Gemeinde mitgetheilt ist; ferner das der „jüd. Elementarschule zu Breslau" vom 27. März c. von Dr. P. Joseph, das über den Werth der jüdischen Schule spricht. — Der pünctlichste aller Calender, der „Jllustrirte is- 20*