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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-10 · Heft 19 (10.5.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 19 (10.5.1870)
Date
1870-05-10
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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Beilage zur Allg. Ztg. des ZudenHums No. IS Die Cousereuz der Judm-Misfions-Gesellschasten. Berlin, 1. Mai. (Privatmitth.) Wir habe» bereits in vor. Nr. berichtet, daß hier eine Conferenz der Juden- Misfions-Gesellschaften stattfinden werde. Da die Missionare gcmz besonders dieser Zeitung vorwerfen, sie mit einer gewissen Verachtung, mit Hohn zu behandeln, so wollen wir ganz objectiv fein und das Bedeutendere aus dem Berichte der „Bossischen Zeitung miltheilen, «ns nur vorbehaltend, unsre subjective Ansicht hier und da in Anmerkungen hinzuzufügen. Am Mittwoch den 27. d. M. begann im Saale des Evangelischen Vereins die Conferenz der deutschen Gesellschaften für die Beförderung des CH ristenthums unter den Juden unter dem Präsidium des Vorsitzenden der Berliner Gesellschaft, Staatsmiuisters a. D. v. Westphalen. Die Blüthezeit dieser und verwandter Bestrebungen fiel in die Regierungszeit Friedrich Wilhelm IV., wo die Betheiligung an dergleichen Dingen zum guten Ton gehörte. Speciell die Judenmission nahmen die hohen aristokratischen und bureaukratifcheu Kreise in die Hand. Ob sie gerade das geeignete Medium zur Fruchtbarmachung dieser Bestrebungen waren und sind, bleibe dahin gestellt. Die sparsamen Erfolge der Iudenmission aller Orten sind zur Genüge bekannt. Die Versammlung war übrigens sehr sparsam besucht. Staatsmiuister a.D. v. Westphalen leitete die Verhandlungen mit einem Rückblicke auf die Geschichte der Iudenmisfion ein und constatirte „zahlreiche" Uebertritte in den ersten Decennien dieses Jahrhunderts, wohingegen er von der materiellen Jetztzeit wenig Erfreuliches zu berichten wußte?) ') ES ist sehr bequem, die« nur „der materiellen Jetztzeit," d. h. der materiellen Richtung der Gegenwart zuzuschreiben. Der erste Gegenstand der Verhandlungen war: Die Herstellung und Pflege eines lebendigen Verkehrs derÄuden-Missions-Gesellschasten untereinander; Referent Prediger Axenfeld aus Köln. Sorgfältig verwahrte sich der Redner gegen die Durchführung einer strengen Centralifation, indem er den historischen Parücularismus der einzelnen Gesellschaften sorgsam gewahrt wissen wollte; das beste Mittel um ein Institut leistungsunfahig zu machen resp. zu erhalten. Der Redner constatirte eine geschloffene Offensive des Judenchums gegen die Mission, sowie Verspottung ihrer Thatigkeit durch feine Organe; ferner, daß in London sogar eine Gegenmission seiner Zeit von den Juden gegründet worden fcL*) Unsere Juden haben durch Geld und Presse eine außerordentliche Macht auf die öffentliche Meinung gewonnen. Die uns gegenüber stehende Schlachtreihe wird immer drohender und geschloffener. Wir müssen deshalb gemeinsamen Plan und gemeinsame Parole haben. Jfolirt sind wir überall, selbst der Kirche gegenüber, die unsere Thatigkeit noch immer als etwas Fremdartiges betrachtet.^) Der materielle Charakter ist doch wohl am wenigsten geeignet, gegen die Verlockungen des Religionswechsels zu stählen. Gerade umgekehrt, Herr Staatsminifier a. D.! Die Gegenwart ist aus der religiösen Frivolität herausgekommen, und selbst die antireligiöse Ueberzeuguug hat das Bewußtsein von der Lügenhaftigkeit und Gemeinheit des überzeugungslosen ReligiouSwechsels. Andrerseits hat das Judenthum sich so herausgebildet und an innerer Kraft wieder zugenommeu, daß eS den Uebertritt zum Christenthume energisch von sich weist. 2) Bon dieser Gesellschaft und ihrer Wirksamkeit wissen wir 3) Wenn dies der Fall ist, so macht die» der Kirche Ehre, und da diese bekanntlich sehr propagandensüchtig ist, so muß da« Motiv in den Judenmifsionären selbst liegen.

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