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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-10 · Heft 19 (10.5.1870) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 19 (10.5.1870)
Date
1870-05-10
Page
Seite 384 (sequence 20)
Language
German
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384 ist, als unser moderner Shirting, der sich zum ärztlichen Gebrauch zum Verbände viel besser als Leinen gezeigt hat. Minder reich als das Boudoir der Aegypterin ist das Toilettezimmer der Israelitin d. h. minderreich an grellen Farben. Braunes Cedernholz deckt die Wände, dabei aber Gold, Silber und Bronce; rosenrothe und gelbe Seide herrscht überall vor. Auf dem von Löwen getragenen Stuhle sitzt die schöne Israelitin, umgeben von einem enormen Luxus von Parfüms; wir begreifen, daß die Wohlgerüche von Arabien nach der Hauptstadt Salomo's zu Hunderten von Centnern importirt werden mußten. Welck ein Reichthnm von Büchschen, Vasen und Töpfchen'. Was aber bei der Hebräerin fehlt, während die Aegypterin doch schon dergleichen befaß, sind die Kämme. In der ganzen hebräischen Literatur kommen solche nicht vor. Ihre Stelle vertritt ein trockener Grasbüschel — ver hyssopus officinalis. Dieser wird bei den Hebräern zu allen Reinigungszwecken gebraucht. Heben wir von den Toilettegegenständen der Hebräerin noch einiges heraus, so haben wir zunächst wieder ein zierliches Kästchen mit getrockneten Hennablättern zu erwähnen, haben aber auch zu bemerken, daß die Blüthentraube der Henna wegen der Schönheit der Form und des Geruchs auf der Brust getragen wurde. (Hoh. Lied 1, 13 ff.) Henna als Schminkmittel (Bedeckungsmittel von 122, bedecken) hieß -es, womit auch das Haar gefärbt wurde; Kypern, arab. El-Hinna, sind nichts anderes als Hennablätter. Neben der Henna begegnet uns dann der Kohl (dn2, vgl. Ez. 23, 40— 41; 2. Kön. 9, 30; Jer. 4, 30) oder ^2, was nichts anderes ist, als der Schwefelspießglanz (stibium, antimonlum), der eine weite Reise nach Palästina zu machen hatte; vom eigentlichen Schminken mit Weiß und Roth begegnet uns bei der Hebräerin nichts; nur das Schminken der Götzenbilder mit Mennige findet seine Erwähnung. Unter den Büchschen finden wir solche von Bronce, von Silber und Gold, vorzüglich jedoch von Alabaster, der als das beste Material zur Aufbewahrung von Oelen galt, sowie auch von Onyx, worunter ein Onyxmarmvr zu verstehen ist, der noch heute in Italien dazu benutzt wird. In diesen Büchschen finden wir vor allem das Nardenöl, welches sehr hoch geschätzt wurde (Hoh. Lied, 1, 12; 4, 13—14.). Diese Narde ist nicht jenes harte Futtergras (naräus strieta), ja überhaupt keine Grasart, sondern vielmehr eine Baldrianart, deren Vaterland Ophir (Ostindien) ist; dieselbe wächst auf den Gebirgen Nepal's als eine perennirende Pflanze; aus ihrer Wurzel wird jene Nardensalbe mit dem schönsten Aroma gewonnen; ja sie wurde sogar als Zusatz zum Weine benutzt; ein Flacon solcher Salbe ist auf 50 Thaler zu schätzen. Zur Vollendung ihrer Toilette aber greift unsere Heberäerin jetzt plötzlich noch nach einem Ring, den sie in ihre Nase fügt >Jes. 3, 21), so daß ihre Wangen davon wie umringt erscheinen. *) l . . *) Wer übrigens hierüber sich weiter unterrichten will, den verweisen wir auf Hart manu, die Hebräerin am Puytischc. 3 Bände. Amstcrd. 1800—26. R edaction. Vermischtes. Wir haben schon ein Mal in d. Bl. aufmerksam gemacht, daß Josepy Mazzini, der italienische Agitator, ein von den höchsten Idealen bewegter Geist, tief gottgläubiger Natur sei, wie aus seinen Schriften auf jeder Seite hervorgeht. Ob nun der Leser seine politischen Ansichten und Verfahrungsweise billigt oder nicht, als Mensch an sich ist er hoch zu achten, voll Adels, Aufrichtigkeit und erhabenen Impulses. Jüngst kam ein Schreiben deffelben an Edgar Quinet, wahrscheinlich aus vorigem Mai stammend. Darin spricht er seine Meinung über die gegenwärtige Generation aus; das Urtheil ist sehr herb, aber giebt zu denken. Es heißt da: „Mit Ausnahme einiger auserwählter Geister kann ich die Generation, mit der ich arbeiten muß, nicht achten. Sie ist ein Instrument und nichts weiter. Begreifen Sie also, lieber Freund, die Trauer dieses Geständnisses? Die zeitgenössische Generation hat Jnstincte, fatale 2mpulsionen, manchmal nährt sie Haß, vor Allem aber wird sie durch die Gewohnheit des Kampfes getrieben. Man muß trachten, daraus etwas hervorgehen zu lasten, was das Terrain ebnet für die Wege der Zukunft; aber sympathisiren, sich freuen kann man mit ihr leider nicht; sie hat keinen Glauben, sondern nur Meinungen; sie verleugnet Gott, die Unsterblichkeit, die Liebe, Eidesschwüre, die Zukunft derjenigen, welche von ihr geliebt werden, den Glauben auf ein prvvidentielles Gesetz. Alles was es Gutes, Schönes, Heiliges in der Welt gibt, die ganze heroische Tradition großer religiöser Denker verleugnet sie, um vor einem Comte, Büchner rc. niederzuknien. Sie studirt vorübergehende Erscheinungen und verstößt die Principien, durch welche jene hervorgebracht werden; sie läßt Gesetze für die Gesetzgeber, Formen ohne Wesen, Mittel ohne Zweck, ohne alle Unterscheidung zu. Als ganz natürliche Folge ist sie daher macchiaveüistisch, opportunistisch, heuchlerisch, jedes moralischen Gefühls bar, ohne Religion und ohne Gewissenhaftigkeit für die Heiligkeit ihrer Arbeiten und für die Macht der Wahrheit." Perlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. D. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur I*r. H. Lotze.

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