Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1870)
- Date
- 1870-05-10
- Page
- Seite 375 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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375 dienung ist so mangelhaft, daß die lechzenden Kranken oft Stundenlang auf einen Trunk Wasser zu warten haben. Auf alle Fragen und Klagen wird geantwortet: Es ist kein Geld da — während dieses doch für unnöthige Dinge und wo es geradezu verschwendet ist, in Menge vorhanden! Auch hier macht man also die Erfahrung, daß eine gute Verwaltung schwerer zu erlangen ist, als Geldsummen, um ein wohlthätiges Unternehmen anzufangen. J. M. Rumänien. Bukarest, 28. April. Die jüngste uns zugekommene Nummer des Echo Danubien vom 17. April beginnt mit den Worten: „Die Judenfrage befindet sich in einer völligen Stagnation."*) Leider sollten diese Worte wenige Tage später keine Wahrheit mehr sein. Denn abermals gelangen Trauerbotschaften aus diesem abscheulichen Lande, in welchem sich die niedrigste Lügenhaftigkeit mit der ärgsten Gewaltthätigkeit vereinigt. Man schreibt: In Tekutsch kam am Sonntag den 24. April wieder ein höchst unwürdiger Exceß gegen die dortigen Juden vor. Der von „fremden Hetzern" aufgestachelte Pöbel drang in die Häuser und in die Synagoge, zerstörend und plündernd. Die Nationalgarde der Stadt war abwesend und Garnison steht nicht am Ort. Am Montag wiederholten sich die Gräuelscenen, die requirirten Truppen waren in so geringer Zahl eingetroffen, daß sic nicht ausreichten und nur Zusehen konnten, wie die Zerstörung der Häuser und die Mißhandlung der Juden ihren Fortgang nahm. Als dann endlich Verstärkung kam, wurde die Ruhe wieder hergestellt und die Verhaftung von 40 Rädelsführern vorgenommen. Dieselben sollen „sämmtlich Ausländer" sein; die Untersuchung wird aber wohl auch gewisse Inländer als Mitschuldige ans Tageslicht *) In derselben Nr. befindet sich eine Uebersetzung unseres Leitartikels über Rumänien in Nr. 4. Es freute uns dies, weil wir daraus erkannten, daß wir die Verhältnisse und Vorgänge in Rumänien richtig beurtheilt haben; aber wir wunderten uns, daß der geschätzte Redacteur des Echo Danubien die Quelle, welcher er den Artikel entnahm, nicht angegeben. Die Redaction. ziehen. In der Kammer haben sich manche Stimmen dreist genug über das hören lassen, was man mit den Juden in Rumänien vor hat. In jüngster Zeit haben bekanntlich griechische Räuber nicht weit von Athen englische Reisende überfallen und als sie von den Soldaten verfolgt und angegriffen worden, zwei derselben getödtet. Mit Recht erhob sich in der ganzen europäischen Presse ein Schrei der Entrüstung, und die sämmtlichen Schutzmächte vereinigen sich, der griechischen Regierung peremptorisch zu erklären, daß sie für die Sicherheit im Lande einzutreten habe. Man geht so weit, jetzt zu bedauern, daß man den griechischen Staat wieder hergestellt habe, da er doch nicht im Stande sei, sich den europäischen Culturstaaten einzureihen , und unter der türkischen Herrschaft eine solche Banditenwirthschaft nicht stattgefunden habe. So die englischen, französischen und deutschen Zeitungen. Was aber sagen sie, was thun die Schutzmächte bei den obigen Greuelthaten in Rumänien, wo nicht zwei, wo viele Hunderte von Menschen gemißhandelt, wo Tausende an Gut und Blut bedroht werden? Belgien. Brüssel, 23. April. Man schreibt der „Post": Bei dem katholischen Congreß, der im August 1863 in Mecheln abgehalten wurde, trat ein gewisser de Haulleville mit einer neuen Idee auf. Er suchte den Zuhörern nämlich zu beweisen, daß die Kirche es nicht länger ruhig mit ansehen dürfe, wie die Industrie und das Capital ihrem Loose überlassen bleiben; erstere müsse gekauft, letztere christlich gemacht werden. Die Idee fand damals bei den Elericalen großen Anklang. Vor zwei Monaten etwa, Mitte Februar, spielte ein liberaler Abgeordneter in der Kammer — cs handelte sich um die Berathung des Handelsgesetzbuches — auf diese Thatsachen und auf die ultramontane Idee einer eliristianisarion universelle lies capitaux an. Im elericalen Lager herrschte darüber große Aufregung, und nach gewohnter Taktik leugnete man die Thatsache einfach ab, bis gestern Abend durch das „Echo du Parlement" Dinge ans Licht gezogen wurden, die dem Prestige der Ultramonj tanen für lange Zeit einen Abbruch thun werden, I wie ihre liberalen Gegner es nur wünschen können. 19*