Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1870)
- Date
- 1870-05-10
- Page
- Seite 376 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Clericalen hätten jedenfalls besser daran gethan, zu schweigen, statt zu schreien und zu schmähen. Das „Echo du Parlement" veröffentlicht zu diesem Zwecke 4 Documente. Aus dem ersten, einem officiellen Bericht über die Verhandlungen des Congreffes zu Mecheln im Jahre 1868, geht die unumstößliche Thatsache hervor, daß die Idee einer Chriftianisirung des Capitals besprochen und debattirt wurde. Interessant ist das zweite Document. Es ist die Eingabe von Dt. Alexander Ullmann und Jules Balash - Bartfay an den Papst, in welcher die Nothwendigkeit der Centralisation des katholischen Geldes bewiesen wird, um den Einfluß und die Macht der katholischen Kirche zu vermehren. Der Inhalt dieses Actenstückes ist kurz folgender: Die Kirche bemüht sich zuerst mit dem Heile der Seelen, verschmäht aber deshalb das Zeitliche und Materielle nicht. Die Katholiken verfügen über sehr viele Mittel, üben aber trotz deffen nicht den Einfluß aus, auf welchen sie Anspruch machen könnte. Schon im Mittelalter ging man so weit in der Nachlässigkeit, daß man ganz ruhig zusah, wie die Juden sich des Geldhandels bemächtigten, und jetzt ist das ganze Bankwesen beinahe ausschließlich in Händen von Juden uud Protestanten, die Directoren fast aller großen finanziellen Institute sind entweder Juden oder Lucheraner, wofür London, Paris, Wien, New-York, Berlin traurige Beweise liefern. Das Monopol, das Juden und Protestanten auf diese Weise besitzen, benützen diese nur zur Bekämpfung der katholischen Kirche. Welch jammervolles Schauspiel erst noch, daß die Katholiken selbst es sind, welche diesen Juden ihr Geld anvertrauen und sie so in den Stand setzen, ihre Kirche zu untergraben! Deshalb muß der Einfluß der jüdischen und protestanttschen Geldmächte bestritten und gebrochen werden durch eine große mächtige finanzielle Schöpfung, die aber nach ihrem Ursprung, wie nach ihrer Leitung und Verwaltung, durchaus katholisch sein muß. Das Interesse der Katholiken selbst würde dadurch unendlich gewinnen; dann wären sie der Nothwendigkeit überhoben, mit Juden und Protestanten zu verkehren. Denn, wird sofort beigefügt, der h. Vater selbst müßte sich in einem Augenblicke von Geldverlegenheit von dem Hause Rothschild dazu zwingen lassen, den in Rom wohnenden Juden Privilegien zuzugeftehen. Am meisten gewinnt aber dabei die Kirche, für deren materielle Bedürfnisse der liberal-jüdische und protestantische Geldbeutel bis fetzt so gut wie geschlossen ist. Daher haben sich die Katholiken aller Länder zu vereinigen, um ihr Geld einem großen Central-Jnstitute anzuvertrauen. Am 12. April 1864 wurde dieses Schriftstück dem Papst nebst einem Begleitschreiben jenes Dr. Ullmann Übermacht, worin der Papst ersucht wird, dem Werke seinen apostolischen Segen zu geben und die katholischen Souveraine, so wie die Geistlichkeit zur Theilnahme an dem Project zu ermuntern. Schließlich wird Pius IX. gebeten, zum Haupt und zum Leiter dieses Instituts den eben so frommen als tüchttgen Dominicus Andreas Langrand Dmnonceau zu ernennen. Letzterer bekam sein Ernennungsbreve am 21. April 1864. Das Uebrige ist bekannt; sechs Jahre sind seitdem verschwunden, mit chnen auch die vielen Hunderte von Millionen, die Langrand in seine Tasche steckte, das Capital wurde allerdings christianisirt, und jetzt haben die weltlichen Gerichte die schöne Aufgabe, die dabei verübten Betrügereien und Schwindeleien zu entlarven. An Sttafe ist freilich nicht zu denken, denn Langrand hat sich aus dem Staube gemacht. „Nie jedoch," so schließt das „Echo du Parlement" seine acht Spalten lange Veröffentlichung, „werden jdie Annalen unserer Geschichte die Thatsache vergessen dürfen, daß man in Belgien die Chrisüanisirung des katholischen Capitals versucht hat, gedeckt und unterstützt durch den Segen und die Anbefehlung Pius IX." Man muß es in der That gestehen, die Kritik dieser Thatsachen ist für die ultramontane Partei in Belgien vernichtend, das „Echo du Parlement" hätte den Zeitpuntt, die clericale Partei wieder einmal recht gründlich zu blamiren, nicht besser wählen können, als jetzt, wo die Kammerwahlen vor der Thür stehen.*) Schweden. Stockholm, 24. April. Der König hat das Gesetz über die Gleichberechttgung aller Confessionen sanctionirt. *) Man erinnere sich der anüjüdischen Artikel der clericalen Brüsseler „Finance," die wir in diesem Blatte wiederholt bekämpften. Das Blatt ist jetzt in andere Hände übergegangen, und gediegenenInhalts. Redaction.