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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-10 · Heft 19 (10.5.1870) · p. Seite 372

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 19 (10.5.1870)
Date
1870-05-10
Page
Seite 372 (sequence 8)
Language
German
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372 len waren beide auf demselben Wege der Auslegung eines und desselben Stoffes, und unterschieden sich nur durch die Strenge oder Milde in den weiteren Ausläufern der Interpretation. Sobald da vie Praxis entschieden hatte, war das Streitobject verschwunden, und die beiden Schulen gehörten nur noch der Tradition an. Jetzt ist es anders; die Orthodoxen wollen von keiner Auslegung wissen, sondern nur von dem unbedingten Festhalten des gesammten Stoffes, der überliefert worden. Da ist für eine Ausgleichung auf kurzem Wege keine Möglichkeit. Seien wir daher kurz und klar. Herr Dr. Kohn hat darin volles Recht: 1) Glaubensfreiheit, also Wegfall jedes Zwanges, und wäre dieser in den Conferenzbefchlüffen irgendwie alterirt, so dürste für deren Aufrechterhaltung nichts geschehen. Hierdurch wird der Gegenpartei eine sehr gewichtige Waffe aus der Hand genommen, die jene wenn auch nur mit dem Scheine des Rechts ergriffen hatte. 2) Entschiedenes Vorgehen! Den Weg haben Euch die Gegner selbst vorgezeichnet. Haben jene sich zu einem Vereine organisirt, thut auch Ihr dies; vereinigten jene sich zu rnn ■nr-o, so vereinigt Ihr Euch zu ri72«n — in dem -naa bliebe die Gemeinsamkeit bewahrt! Aber alles dies muß nicht in Worten, sondern in Thaten geschehen, nicht blos in Flugschriften, Versammlungen, Reden, sondern in Handlungen und Werken. Errichtet eine Rabbinerschule, ein Lehrerseminar, und unterstützet überall die durch den Abfall der Gegner wankenden Schulen, stellt an allen Orten, wo das Bedürfnis vorhanden, geordneten Gottesdienst her. Dies sind die Aufgaben, die Ihr Euch sofort stellen müsset. Ein kurzes Statut, ein kräftiges Wort, eine lebendige That! Dann werdet Ihr sehen, wie Viele sich zu Euch schaaren. Dann mögen die Gegner Aehnliches thun, mit Spaltung drohen, oder sie auch ausführen. Schadet nichts. Ertönt jetzt auch keine Bath Kol mehr, so wird zuletzt die Ausgleichung auf demselben Wege bewirtt, nämlich durch das wirkliche praktische Leben, das des religiösen Fundamentes niemals entbehren kann, aber ebenso wenig der Bildung, der Gesittung, der Entwickelung, der Cultur. Wem die Zukunft gehört, ist ja doch nicht zweifelhaft. Thüt Ihr aber dies nicht, begnügt Ihr Euch mit Worten und Reden, greift Ihr nicht sofort werkthätig ein, so ist Euer Gebühren umsonst, und die geschlossene Phalanx der Gegner wird siegen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, 19. April. Von hier wird der A. Abdztg. geschrieben: Einen mehr als peinlichen Eindruck macht die Erklärung des Herrn Ministers von Schlör vom 7. d. M. im Finanzausschüsse, daß er in Zukunft bei Anstellung der Professoren an den technischen Lehranstalten auf das Derhaltniß der katholischen Bevölkerung (2/s) zur protestantischen (lk) <und die Juden?) Rücksicht nehmen werde . . . Herr v. Schlör wird also bei Besetzung der Lehrerstellen an technischen Anstalten in Zukunft den Candidaten fragen: „welcher Confession gehören Sie an?" und dieses alles nach dem Verhältnis von -fc zu , obwohl nach seiner eigenen Erklärung im Jahre 1869 unter 3300 Schülern der Gewerbeschulen 1602 Katholiken, 1406 Protestanten und 292 Israeliten, an den Realgymnasien unter 328 Schülern 175 Katholiken, 149 Protestanten und 4 Israeliten sich betheiligt haben. Fürth, im April. (Privatmitth.) In unsrer Abgeordnetenkammer, in welcher die cntschiednen Gegner aller Freiheit und nationalen Einigung, die ultramontane Partei, unglücklicher Weise über eine Majorität von 12 Stimmen verfügt, ist bisher wenig vorgekommen, was die isr. Bevölkerung in Bezug auf die Confession interessirt. Der Abgeordnete Herz ergriff zwar bei einer Debatte die Initiative über die Behandlungsweise der Juden in der ultramontanen Presse, in welcher zu förmlichen Judenhetzen provocirt wird und fragte, ob denn die Anhänger derselben solch' schändliches Treiben billigen, allein wir fanden bei der Anerkennung, die wir dem geehrten Abgeordneten für diese Schutznahme zollen, keine Veranlassung hierüber besonders zu referiren. Ebensowenig halten wir es für nöthig, den gedachten Artikeln, die von absichtlicher Lüge und maßlosen Angriffen strotzend, das Gehässigste enthalten, was je im Mittelalter über Juden geschrieben wurde, eine Widerlegung zu widmen, denn wo mit den Haaren herbeigezogen alle Grenzen der Wahrheit unter der Maske der Religion zu fälschlich unterschobenem Zwecke für geistiges Wohl überschritten werden, ist es ganz zwecklos, durch Bernunftgründe

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