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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-10 · Heft 19 (10.5.1870) · p. Seite 370

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 19 (10.5.1870)
Date
1870-05-10
Page
Seite 370 (sequence 6)
Language
German
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370 bettt, ihre Bildung erhalten; wie diese werben sie sich, die einen den Handwerken, die anderen den höheren Lebensberufen widmen, und so können sie einst nicht allein für sich selbst sorgen, sondern vielleicht auch ihrerseits die Wohlthäter ihrer Glaubensgenossen werden. Sie Alle, davon sind wir überzeugt, werden Ihren Beifall diesem Gedanken zollen, dessen Ausführung leicht, dessen Resultat gewiß ist! Paris hat das Beispiel dazu gegeben, indem es sich an der Spitze des Werkes einzeichnete. Wir adoptiren dreißig Waisen, die in Paris selbst, auf unsere Kosten ernährt, unterrichtet, erzogen werden. Wir werden sie zu unseren Kindern machen. Mögen alle Gemeinden Europas und Amerikas, alle, ohne Unterschied, kleine und große, uns auf dem Wege folgen, den wir eröffnet. Möge eine jede, je nach den Mitteln, über die sie verfügt, einen Stein zu diesem Gebäude bringen und ihren Namen an dieses Werk der Wiedergeburt heften. Es ist das edelste Werk, das gethan werden kann! Tausende von Waisen retten, sie unterrichten, Menschen aus ihnen machen, das ist nicht ein einfacher Act der Wohlthätigkeit, sondern eine Arbeit im Interesse unseres Glaubens und der Civilisation. Brüder Europas und Amerikas, wir erwarten Ihre Zustimmungen! Mögen sie so schnell wie möglich einreffen, denn das Werk drängt. Wir senden Ihnen unsere brüderlichen Grüße. Das Central-Comitv der Alliance. Ad. Cremieux, Präsident. Wir haben diesen beredten Worten nichts hinzuzufügen. Ja, es ist ein glücklicher Gedanke, möge er zu ausgedehnter Ausführung gelangen! Wir werden und verpflichtet fühlen, wenn man uns aus allen Orten, wo Etwas für diese Angelegenheit geschehen wird, uns darüber berichtet. Eine gute Sache wird in unserer Zeit durch Nichts mehr gefördert, als durch die Oeffentlichkeit, welche durch das gute Beispiel zur Nachfolge anfeuert.*) Die Redaction. *) So hoch wir die Verdienste der Alliance schätzen, können wir nicht umhin, hier zu bemerken, daß es die deutschen Israeliten waren, welche bei dem Ausbruch Die ungarischen Israeliten. Wir erhalten soeben eine am ersten Peßachtage im Pester Tempel gehaltene Predigt von Dr. Samuel Kohn, betitelt: „Was haben die jüngsten Vorgänge innerhalb der ungarischen Judenheit zu bedeuten?" Der Gegenstand, den diese treffliche Rede behandelt, läßt uns ausnahmsweise auf Dieselbe eingehen. Anknüpfend an Jofua 5, 13—16 deutet der Redner „das gezückte Schwerdt" auf die drohende „Glaubensspaltung," und frägt nun, was sie zu bedeuten und was wir zu thun haben? Die letzte Frage zuerst ins Auge fassend, zeigt er, wie Josua der geheimnißvollen Erscheinung kühn und entschlossen entgegentritt, um sich Klarheit über sie zu verschaffen, und frägt nun, was sie gegen den schon so langst hervorgetretenen Glaubenshaß im Innern des Judenthums gethan hätten? Die Antwort lautet: Nichts! Man Hintertrieb die Rabbinerschule, man nannte den Tempel in Pest einen Götzentempel, man belegte alle modernen Bestrebungen förmlich mit dem Bann, und in der langen Zeit, die über alles dies hinwegging, haben sie nichts gethan. Der Redner fährt fort: „Es hat sich seitdem ein Verein gebildet, dessen Begründer und thatigsten Mitglieder zum Theil dieselben sind, die jenen Bann damals ausgesprochen haben; ein Verein, der das ganze Land wie mit einem Netz umstrickt, Rabbiner-Versammlungen einberuft, Sendboten ausschickt, Steuern ausschreibt, nach einem berechneten Systeme überall Zank und Zwietracht säet, gegen unsere Autonomie und eine nützliche Verwendung des Schulfondes ankämpft, Haß und Religionsspaltung predigt, die fortschrittlichen Ideen anfeindet und deren Träger verlästert und beschimpft. Habt ihr ihn unschädlich zu machen gesucht? Etwa einen Gegenverein gegründet? Was habt Ihr unternommen, wenn auch nur um Euch der Hungersnoth und bei der Bekanntwerdung des Elends unter den westrussischen Juden die Initiative ergriffen und während der längsten Zeit fast allein die reichlichsten Spenden nach jenen Gegenden sandten, und erst später die Glaubensgenossen der anderen Länder folgten; wir dürfen nicht vergessen, daß vor allen es der israelitische Prediger vr. Rülf in Memel war, welcher sich die größten Verdienste in dieser traurigen Angelegenheit erworben hat. 8umn cuigue! Die Redaction.

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