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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-10 · Heft 19 (10.5.1870) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 19 (10.5.1870)
Date
1870-05-10
Page
Seite 369 (sequence 5)
Language
German
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369 diesen Hauptfactor, aus unv scheint ihn als stillschweigend vorhanden und dienstbar vorauszusetzen. Aber gerade dies steht allen socialistischen und Productiv-Genossenschaften, allen auf gemeinsamen Antheil der mechanischen Arbeiter berechneten Unternehmungen, mit geringen Ausnahmen geradezu entgegen, und sie werden immer an dem Mangel dieses dritten Factors, der bestimmte Persönlichkeiten voraussetzt, scheitern. Die eigentliche Verschiedenheit unter den Menschen wird nicht durch ihre körperliche Beschaffenheit, sondern durch den Geist hervorgebracht, bei welchem es wiederum nicht allein auf die Intelligenz, sondern auch und ganz besonders auf die Energie und den Charakter ankommt, wozu nun eine Menge von Nebenumstanden, die wir Fügung nennen, hinzutreten, um einen Erfinder und Unternehmer glücklicher Art zu produciren. Der menschlichen Gesammtheit fehlt es an solchen Individuen nie, aber den einzelnen Gruppen zumeist. Gehen nun schon einer Menge von Individuen aus Mangel an den genügenden Eigenschaften, aus Fehlgriffen und durch ungünstige Umstande ihre Unternehmungen zu Grunde, was sollen die Gruppen der mechanischen Arbeiter thun, wenn ihnen solches begegnet? (Schluß folgt.) Die westrussischen Waisenkinder. Wir erhalten soeben vom Central-Comit6 der Alliance israälite universelle folgendes Circular, an sämmtliche israelitische Gemeinden gerichtet, mit dem Ersuchen, es auch in diesem Blatte zu veröffentlichen. Daffelbe lautet in der Uebersetzung: Brüder in Europa und Amerika! Wir bitten im Namen der Alliance israelite universelle um Ihre Unterstützung zu einem Werke, welches Gott segnen wird; es handelt sich um Waisen, und Gott selbst nennt sich in unserer heiligen Schrift der Vater der Waisen. Brüder, unsere Alliance ist das Bereinigungsband zwischen allen Israeliten der Erde, und sie ist dies im Namen der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit und der Freiheit. Dies ist der Grund für die Sympathien, welche sie umgeben, für den hohen Einfluß, den sie in der Welt ausübt. Auf ihre Stimme wird überall gehört, und noch jüngst, als sie sich zu Gunsten der armen russischen Juden vernehmen ließ, fand sie in allen Herzen ein Echo. Dank unserer Alliance wird sich auch die Lage unserer Glaubensgenossen in diesem traurigen Lande ändern. Die jungen, arbeitsamen und intelligenten Leute werden nach Amerika wandern, nach diesem Lande, wo der Hauch der Freiheit die niedergeschlagenen Herzen wieder belebt, und wir werden versuchen, denen zu helfen, die sich nicht entschließen können, den Boden zu verlassen, wo die Gebeine ihrer Väter ruhen. Die Hungersnoth ist verschwunden, daS' große Elend hat aufgehört. Aber hierbei stehen bleiben, das wäre auf halbem Wege stehen bleiben! Es giebt inmitten dieser Bevölkerung, welche der Hunger decimirt hat, tausende von Waisen, welche ohne Unterricht, ohne Aufsicht, ohne Arbeit auf den Straßen umherirren, und was soll aus ihnen werden, wenn wir sie nicht unter unseren Schutz nehmen? Sich selbst überlassen, werden sie die Schande ihrer Glaubensgenossen werden; wohl geleitet, können sie ihr Stolz werden! Zwischen diesen beiden Wegen kann man nicht schwanken. Es ist unerläßlich, diese Kinder aus den Dörfern zu ziehen, wo sie in Unwissenheit verkommen; es ist unsere Pflicht, unser Werk zu vollenden, indem wir sie in Städten unterbringen, wo sie sich durch angemessene Erziehung eine Zukunft schaffen können. Aber wo die zu einem solchen Unternehmen nothigen Mittel finden? Die freigebigsten Sammlungen würden nicht ausreichen. Ein Gedanke, den die Tradition der Vergangenheit uns eingegeben, ist unter uns erstanden; er ist mit Begeisterung ausgenommen worden, nach unserer Meinung ebnet er alle Schwierigkeiten. Dieser Gedanke ist die Aufnahme dieser Waisen in den Gemeinden Europas und Amerikas. In Frankreich, Deutschland, Italien, in Amerika erzogen, werden sie unter den wohlthuenden Strahlen der Civilisation erwachsen, werden sie nützliche Menschen, aufgeklärte Israeliten werden. Adoptivkinder der Gemeinden, in denen sie ausgenommen worden, werden sie neben den anderen Kindern, die sie als Brüder behan-

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