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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-26 · Heft 89 (26.7.1838) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 89 (26.7.1838)
Date
1838-07-26
Page
Seite 361 (sequence 3)
Language
German
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561 begegnete man mit einer gewissen Achtung und Aufmerksamkeit. Die bessern Imperatoren aber waren selbst Stoiker, und den Philosophen aus dieser Schule gewiß besonders zugethan. Es ist also leicht erklärlich, daß wer am Hofe zu Rom, oder auch an einem andern ihm befreundeten, Geltung gewinnen wollte, hinlängliche Bekanntschaft mit den Ansichten der Stoa zu erlangen suchte. Könnte wol Rabbi, der mit dem Kaiser Antonin in so häufigem freundschaftlichem Verkehre gestanden sein soll, den Studien dieses gekrönten Weltweisen ganz fremd geblieben sein? Doch ich sehe, daß ich den Faden des Gespräches ganz an'mich gerissen und über Gebühr lange ftstgehalten habe; ich breche daher ab, in der Hoffnung, daß, wenn es mir auch nicht gelungen ist, dir die Anerkennung der Wahrheit meiner ersten Behauptung durch unwiderlegliche Beweisführung abzunöthigen, du mir doch die Wahrscheinlichkeit derselben wirst zugestehen muffen. Aaron: Alles gestehe ich dir zu; wüßte ich doch nicht, warum ich dem vom dir, wie es scheint, nicht ohne besondere Vorliebe aufgestellten und mit großem Eifer verfochtenen Satz mit gleichem Eifer widersprechen sollte. Zu dem eigentlichen Gegenstände unseres Gespräches steht derselbe Ln keiner Beziehung, denn die Lntellectuelle Ausbildung und Richtung unserer Etaubensbrüder Ln der jetzigen Zeit bleibt völlig dieselbe, ob die Talmudisten in manchen Stücken der Stoa gefolgt oder nicht. Moses: Es handelte sich in.dieser Episode (auch ich betrachte sie als solche) hauptsächlich um die Erörterung der Frage, ob es eine neue und seltene Erscheinung in dem Judenthume sei, daß seine Lehrer sich philosophische Kenntnisse angeeignet, und nach diesen zum Theil ihre theologischen Ansichten gebildet haben. Nachdem du nunmehr aber zugestanden, daß dieses Phänomen sich selbst zu der Zeit, die gewöhnlich als die Glanzperiode der jüdischen Theologie angesehen wird, gezeigt habe, so wirst du es auch in Beziehung auf die Folgezeit nicht bestreiten wollen, da ich dich nur aus den Einfluß', den die aristotelisch-arabische Philosophie auf Maimomdes, seine Zeitgenossen und Nachfolger ausübte, aufmerksam machen dürste, um dir die etwaige Lust dazu zu nehmen. Daß aber in späterer Zeit den deutschen und polnischen Schulen die Philosophie fremd geblieben und aus das Studium der Theologie (wenn man die in diesen Schulen betriebenen Studien dieses Namens würdigen will) nicht im mindesten influirte, das kann ich um so unbedenklicher zugeben, als ich der Meinung bin, diese Zeit und ihre wissenschaftliche Richtung müsse eher als ein Schreckbild denn als ein Muster für die Gegenwart aufgestellt werden, und i wie ba$ Lossagen der Gelehrten des 16terr Jahrhunderts von der Scholastik und ihre Rückkehr zu den Classikern die Restauration der Wissenschaften genannt wurde, so dürste es auch mit Recht eine Restauration der jüdischen Theologie genannt werden, wenn das Losreißen von der verkehrten Weise und Methode des theologischen Studiums der letzten Jahrhunderte und die Rückkehr zu der im Mittelalter an der Nordküste Afrikas und auf der iberischen Halbinsel befolgten unseren jetzigen Theologen ganz gelingt. Muhringcn den 15. April 1838. Di*. Wassermann. Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Warschau, Juli. Allgemeine Verhältnisse. So niedrig auch der Culturzustand der überaus zahlreichen Juden, in Polen überhaupt, insbesondere aber im Vergleichs mit dem ihrer Glaubensgenossen in Deutschland ist: so merkwürdig und erfreulich sind dagegen manche Verhältnisse derselben, von welchen ich, weil sie bisher noch nie hervorgehoben wurden, hier eine Skizze geben will. Zur Statistik der jüdischen Nation schicke ich folgende, sorgfältig von mir ermittelte, Daten voraus. Auf dem Landgebiere dc6 feit 1795 unter Rußland, Oesterreich und Preußen gerheiltcn Königreichs Polen, wie es im Jahre 1772 mir 12,S80 gcogr. liiMeilen Areal bestand, leben gegenwärtig 2,119,060 Juden. Diese Menge besagt -so viel als beiläufig die ganze Bevölkerung von Palästina unter David, als Jaller Juden in Europa, und als | aller Juden der Welt ). In Polen ist der 9. Mensch ein Jude; aber was noch mehr sagen will, in Polen bilden die Juden fast ausschließlich den Mittelstand (tiers etat) welcher den Polen, die sich ndr in Edelleute (Herren) und Bauern (Knechte) spalten, gänzlich mangelt. Daher sind auch die Juden hier vorzugsweise die Stadtebewobner. In Wilna ist der 2., in Krakau der 3., in Warschau und Lemberg der 4. und in Posen der 5. Mensch ein Jude; in den kleinen polnischen Städten verschwinden die Christen unter den Juden ganz, ja der Begriff und die Bedeutung ekner solchen Stadt wird nur durch ihre jüdischen Bewohner bestimmt. Erwägt man aber, daß die intelligente (adlige) Klasse der Polen höchstens nur 1,600,000 Seelen beträgt, dann wird sie von der jüdischen Bevölkerung des Landes, welche unbedingt durchgehrnds civilisirter ist als der polnische Bauer, bereits um eine halbe Million überwogen! Dieser jüdische Mittelstand betreibt fast ausschließlich den Handel und das technische Gewerbe in Polen. Vom Handel schweige ich wie billig, denn er ist überall der .Zwangs - und'Nolhbehelf der heimarhloscn und bedrückten Juden; aber ein jüdischer Mittelstand, der technische Gewerbe treibt / kömwr in Europa wol nur hier vor. Fast alle Handwerke werden in Polen vorzugs- °) Möchte eS doch einem dazu befähigten und bemittelten Literat,« unserer Nation in Deutschland gefallen, eine vollständige Statistik des mdrschen Volks mit der hiftorischrn AaHweisung des Ganges und der Veranlassung seiner Verbreitung über alle Länder der Erde, kritisch zu bearbeiten; was bijetzt darüber bekannt, ist höchst mangelhaft. C o r r.

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