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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-26 · Heft 89 (26.7.1838) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 89 (26.7.1838)
Date
1838-07-26
Page
Seite 360 (sequence 2)
Language
German
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560 von der Geringfügigkeit rmd dem Unwerthe des Leibes verbinden beide eine unbegrenzte Werthschätzung der Seele, die sie für gvttahnlich erklären (s. Bcrach. 1. c. Cic. Tusc. 5, 38 und Diog. Laerl. VII. 156) und empfehlen die Erinnerung an den Tod als ein untrügliches Mittel, ihr die Herrschaft über den Leib zu sichern *). Uebcr die Freiheit des menschlichen Willens und die Prädestination finden wir bei beiden dieselbe Unsicherheit dcs Urthcils, daffclbe Hin- und Herschwanken. Wie sich die Rabbinen hierüber bald so, und bald so und nicht stets auf gleiche Weise, aussprachen, lehrt uns, außer dem Talmud"), Josephus, der in seinen Alterthümcrn (Xlll. 5, 9) berichtet: ol f.ttv ovv qagioatoi tiva r.ai ov navT.a Trtg tifiuQtitvriS tlvai Xtyovaiv igyov und dann (X\IIL 1,3) wieder von ihnen sagt: ngaooto&at Ti] Ta Tiuvra uZiovvieg-y und für die Ungewißheit und Unsicherheit der Stoiker hierin mag Eiceros Buch de fato Gewährsmann sein, dessen Inhalt uns Aulus Gellius (uoctes!Attieae IV, 2), nachdem er von den Disputationen der Stoiker über dieses Thema gesprochen, in Summe also wiedergibt: AI. Cicero in libro, quem de fato conscripsit, cum quaestionrni istam diceret obscurissiinam esse et implicatissi- Biam, Clirysippuiu quoque pliilosoplium non expedisse se in ea refert liis verbis: Chrysippus aestuans, laboransque, quonam pacto explicet, et fata omnia fieri et esse aliquid in nobis, iutricatur hoc modo. Wollte und könnte ich jetzt auf Details und die Aussprüche Einzelner eingehen, so wäre es mir möglich, die Vergleichungen lange fortzusetzen. So könnte ich die zu der von Raba bar Simona (Sabbat 112, 2) ausgesprochenen Ansicht von der allmaligen Depravation der Menschen (EN CFDnSd u\!WJSOn) eine ganz entsprechende von Sextus Empirikus (S. 555 ed. Fahr, der Satz beginnt tcov dt vtwTtQtov otgixcüv qaot tweq) im Namen der neuern Stoiker vorgetragene anführen; zu der vom Rabbi Jtaji (Xetubot 67, 2) referirten Reget T3T3ÖH ItfDTIO 'VW 71173^ könnte ich dir Epictets Worte am Schlüsse des 31. Kapitels feines Enchiridion (f.iqöe vntg dvvafuv) zur Vergleichung empfehlen; und wäre es endlich °) Berach. 5, 1. bv DUO ISP DIN TW 2^1^ et» -rar» ■'ni 3010 in« ta* y-in nsr und vgl. Epict. enchir. cap. 21. davazog etc. nqb Igjoj gql xalß fjpsQccv etc. y.al ovdtv ovdenors za TltlVOV IV &Vfl7\Gy. ••) mw ,ro nV1? nicv-i ütntö nva (Makkot. 10, 2) iTTiSb S3 *H tYlTYS N231DT K3 ih j-'yi'os (Jo:na 38, 2) y-in tro© "nrü 33N rYN’VQ (Beradi. 33, 2) vergl. mit dem letzteren Satze Epict. Enchir. I, 1 u. 2. zu kühn, wenn ich die Behauptung wagte, daß Antigonos des Sochiten mißverstandener Ausspruch, der Uneigennützigkert bei Uebung der Tugend und Frömmigkeit anempfiehlt (Abdt 1, 3) und der, beiläufig gesagt, um so leichter mißverstanden werden konnte, als bis dorthin der durch viele Stellen der h. S. angeregte Glaube an das- Handinhandgehen einer guten Handlung und ihres Lohnes allerdings ein gewaltiges Motiv zum gottessurchtigen Wandel sein mochte, ganz wie Worte aus dem Munde seines Zeitgenossen Zeno, des Vaters der Stoa klingen? Oder könnte nicht wenigstens die schnettverbreiteten Lehren dieses berühmten Cittiers jenem die Anregung zu dieser neuen Ansicht gegeben haben? Doch ich will mich nicht mit Hypothesen befassen, und nur unbestreitbare Thatsachen zur Unterstützung meiner Behauptung anführen. Es wird uns (Sota 49, 2 Baba kama 83, 1) berichtet, daß in der Schule des Rabbi Gamtiel 500 Jünglinge in griechischer Weisheit unterrichtet worden seien. Wenn nun die Vertrautheit des Rabbi Gamtiel und seiner Umgebung mit dem Hofe *) als Grund angegeben wird, aus welchem feiner Schule ein sonst mit dem Fluche belegtes Studium gestattet war, so könnte aus diesem Umstande wol mit Recht gefolgert werden, daß es die stoische Philosophie sek, die mit dem Ausdrucke griechische Weisheit bezeichnet wird. Am römischen Hofe, der für die übrigen kleineren Höfe alle um so mehr Muster und Vorbild war, als sie völlig von ihm abhingen, befolgte man zwar nicht immer die Grundsätze und Lehren der Stoa, betrachtete sie aber doch fast zu allen Zeiten als trefflich und ehrenwerth, und dem Manne, der sich zu ihnen, bekannte, *) Gfrörer (kritische Geschichte deö Urchristenthumö I Band II Abtheil. S. 403 glaubt, eö sei mit diesem Hofe der KönigShef JudäaS'gemeint, ich aber halte dafür, eö werde darunter der römische Hof verstanden, und zwar auö folgenden Gründen: l) spricht der Umstand, daß Rab Iehuda im Namen Samuelö und dieser wieder im Namen "Simeons, deö Sohneö Rabbi Gamliels, Bericht über diese Schule erstattet, für die Annahme, es sei hier von dem jüngern Rabbi Gamliel die Rede, zu dessen Zeit eö keinen jüdischen Hof mehr gab. 2) Wird daö Wprt 'IYdSö* besonders in Verbindung mit Ausdrücken, die einen nähern Umgang und Vertrautheit mit demselben bezeichnen, im Talmud mehr von einer Fremdherrschaft alö vom jüdischen Kövigöhause gebraucht. 3) Würde die Zusammenstellung deö Rabbi Gamliel mit dem Ptolemäuö ber>Ruben, dem auö gleichem Grunde (dein Umgänge mit dem Hose) eine verpönte Tonsur der Haare erlaubt wurde, gewaltig hinken, da bei dem ersteren von der Rücksicht für den jüdischen Hof, bei dem letztem von der für einen mächtigen und gefürchteten auswärtigen (mit einem solchen verkehrte Ptolemäuö den Rüben [f. MeilaJi 17, 1., wo aber Rüben den Arie stob ul flcl>rj) die Rede ist. Ist aber der römische Hof und der jüngere Rabbi Gamliel gemeint, so ist eö um fo wahrscheinlicher, daß es die stoische Philosophie sei, die er betrieben, da die Kaiser seiner Zeit ihr besonders hold waren. Aber auch für den Fall, daß der Hof in Judäa gemeint wäre, gälte die Auseinandersetzung unseres MsseS.

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