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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-03 · Heft 18 (3.5.1870) · p. Seite 353

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 18 (3.5.1870)
Date
1870-05-03
Page
Seite 353 (sequence 9)
Language
German
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353 desfallfigen „Aufruf an die Israeliten Sachsens erlassen. Am 22. Juni nämlich wird es ein Jahrhundert, daß Prof. Dr. Krug geboren worden. Außer der Wirksamkeit dieses Mannes auf dem Gebiete der Philosophie, der Rechtspolitik und der Humanität überhaupt, hat er sich für die bürgerliche Gleichstellung der Juden, namentlich in Sachsen, große Verdienste erworben, und wer die Geschichte dieser politischen Entwickelung, die gerade in Sachsen außerordentlich schwer vor sich ging, kennt, weiß, wie viel Krug als Abgeordneter und Schriftsteller hierfür that. Aber er begnügte sich auch nicht mit Wort und Schrift. Als der Mendelssohn-Verein zu Dresden gestiftet wurde, um jüdische Studirende, Künstler und Handwerker zu unterstützen, wies er ihm 250 Thlr. zu, während er doch keineswegs ein vermögender Familienvater war. Die sächsischen Israeliten sollen daher zum 22. Juni eine Stiftung veranlassen mit der Bestimmung, daß aus den Zinsen dieses unter dem Namen „Krug- Stiftung der Israeliten Sachsens" zu verwaltenden Capitales alljährlich Studirenden an der Landes Universität Leipzig, an welcher Krug ein Menschenalter hindurch (1809—1842) segensreich gewirkt, ohne allen Unterschied der Confessionen, jedoch unter vorzugsweiser Berücksichtigung von Nachkommen des verewigten Professor Krug, Stipendien während der Studienzeit und des ersten Jahres nach deren Beendigung gewährt werden. Bereits haben die Damen Frau Dr. Beer und Rosalie Zunz, sowie die HH. Elimeyer und Joseph Meyer je 100Thaler gezeichnet, und der beredte Ausruf wird in Dresden und Leipzig nicht erfolglos bleiben. Wir können dem Unternehmen nur ein günstiges Resultat wünschen; das Andenken der Kämpfer für Recht und Wahrheit muß erhalten und geehrt werden, während wir willig die Vergessenheit über die Verfechter des Unrechtstes Vorurtheils und des Hasses fallen lassen, um sie nicht der Schande bei freieren Geschlechtern anheimzugeben. Berlin, 24. April. In diesen Tagen machte eine Deputation der Israeliten Mecklenburgs ihre Aufwartung bei dem Reichstagsabgeordneten Herrn Moritz Wiggers, um ihm für seine Bemühungen zu Gunsten der bürgerlichen Gleichstellung zu danken und eine zu Ehren dieser Thatsache gesammelte Geldsumme zu einem gemeinnützigen Zwecke zu bestimmen, welchen der Herr Abgeordnete festzustellen hat. Hannover, 12. April. «Privatmitth.j Aus den Mitteln unseres Provinzialfonds sind, bekanntlich jährlich 5900 Thlr. zur Beförderung des jüdischen Synagogen- und Schulwesens festgesetzt worden, über deren Verwendung die Landdrosteien zu Anfänge eines jeden Jahres Vorschläge zu machen haben. Nunmehr sind die mit der Aufsicht über das jüdische Synagogen- und Schulwesen bettauten Obrigkeiten beaufttagt worden, jährlich am 15. Dec. die betteffenden Anträge vorzulegen und soll bei denselben davon ausgegangcn werden, daß die öffentlichen Drittel nur in solchen Fällen, in welchen ein Bedürsniß dazu nachgewiesen wird, zur Erleichterung der den jüdischen Gemeinden zufallenden Lasten verwendet werden dürfen. Als Euriosum darf es wohl hervorgehoben werden, daß in unserer Gemeinde seit einiger Zeit ein Beth hamidrasch besteht, welches von einem Christen wenn auch nicht gegründet, doch wenigstens restaurirt worden ist. Der hier verstorbene Hof- und Kammeragent Michel David hatte nämlich im Jahre 1756 ein Testament errichtet und in demselben ein Legat zur Erhaltung dreier jüdischer Gelehrten ausgesetzt, welche für sein Seelenheil „lernen" sollten. Mehrere Decennien hindurch wurden indeß diese Stellen als bloße Sinecuren bettachtet und, da das in dem Testamente den Stiftsgelehrten ausgcsctztd Gehalt längst nicht mehr zum Unterhalte einer ganzen Familie genügt, einzelnen Männern zur Ausbesserung ihrer sonstigen Revenücn verliehen, bis in neuester Zeit, nachdem die Erben des Stifters längst zum Ehristenthume übergetteten waren, der Beschluß gefaßt wurde, als Stiftsgelehrtc auch solche junge Leute anzustetten, welche sich nach zurückgelegtem Triennium noch in den rabbinischen Studien zu vervollkommnen beabsichtigen, und so erfolgte, nach der bereits vor dreizehn Jahren stattgehabten Anstellung des Herrn Krimke, im Jahre 1865 die des Dr. Ahron Cohn, jetzigen Rabbiners in Rakel, im Jahre 1867 die des Dr. Max Landsberg aus Hildesheim, und im vorigen Jahre die des Dr. Jacob Cohn aus Altona. Von den beiden augenblicklichen Verwaltern der Stiftung, dem Canzleirath Ahrbeck als Mandatar des Herrn Georg Meyer in Paris, und dem Referendar I. Simon, hat sich jener insbesondere darum bemüht, daß den Gelehrten in dem Stistungshause für 18

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