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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-26 · Heft 17 (26.4.1870) · p. Seite 341

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 17 (26.4.1870)
Date
1870-04-26
Page
Seite 341 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudcnthuins. Femlleton-Seilage )u Nr. 17. Leipzig, den 26. April 1870. vr. Phöbus Philippson. Es ist ein alter Spruch: der wahre und tiefe Schmerz kann nicht ausgesprochen, nicht in Worte gekleidet werden, wie die Liebe, die voll und warm unser Herz erfüllt. Dieser Spruch ist wahr, und darum am Grabhügel meines verklärten alteren Bruders nur noch das Eine: Schmerz und Liebe in ihrer unerschöpflichen Fülle, in ihrer unmeßbaren Tiefe machen den Menschengeist unsterblich, sind die Quellpunkte, aus denen das Göttliche in das Menschenherz strömt. Und darum hier nur der einfachen Thatsachen Erzählung. Phöbus (synagogal: Phebusch Uri Schragge) war geboren zu Dessau am 26. Juli 1807. Er hat seinen Eltern, Moses Philippson und Marianne, geb. Levi, das schönste Denkmal in der Biographie seines Vaters (Biographische Skizzen, Heft l, Leipzig 1864) gesetzt. Er verlor seinen Vater in der Nacht zwischen dem 19. und 20. ApiÄ 1814, sechs und ein halbes Jahr zahlend, und hatte so den Vorzug vor einer Schwester und zwei jüngeren Brüdern, daß er das Bild des verklärten Vaters in sicheren und bestimmten Zügen in seiner Erinnerung trug, was den anderen Geschwistern für das ganze Leben fehlte. . Seine reichen Geistesgaben offenbarten sich früh, so daß der Vater schon seine große Freude an ihrer Entfaltung hatte; ebenso früh war ihm die Selbstständigkeit nothwendig geworden. Zu seiner Bar-Mizwa trug er die Parascha in der Synagoge mit großer Fertigkeit, und hierauf, da die Consirmation erst später eingeführt wurde, eine selbstgearbeitete Rede vor, welche auf die Hörer einen tiefen Eindruck machte und ein besonderes Vertrauen zu ihm einflößte. Desien bedurfte er, denn bald darauf mußte er um des Erwerbes willen sich bestimmen, Unterricht zu ertheilen, und es öffneten sich ihm hierzu die Hauser der gebildetsten Juden seiner Vaterstadt. Mit dem Ernste und der Gründlichkeit, mit welcher er Alles ergriff, faßte er in so jungen Jahren auch schon den Lehrerberuf auf, dem er sich zu widmen gedachte. Er studirte die damalige pädagogische Literatur, die Schriften Basedow's, Wolke's, Niemeyer's u. A., und trat bald auch gewissermaßen als Präparand und Hülfslehrer in die Franzschule ein, wo er in den unteren zahlreich besuchten Classen mit außerordentlichem Erfolge unterrrichtete. Aber als der Jüngling länger als ein Jahr ohne Entgelt fungirt hatte und nun glaubte, als Lehrer angestellt zu werden oder doch eine fixe Gratification zu erhalten, wurde ihm dies abgeschlagen. Das Motiv floß aus unlauterer Quelle. PH. entschloß sich kurz, er sagte dem Lehrfache Valet und ging auf das Gymnasium. Nachdem er hier mehrere Classen mit bestem Erfolge besucht hatte, sah er ein. daß die Familienverhältnisse ihm nicht gestatten würden, nach der pedantischen Weise, die damals und besonders im Dessauer Gymnasium waltete, den eine lange Reihe von Jahren beanspruchenden Cursus gänzlich durchzumachen: er verließ das Gymnasium und bereitete sich privatim zur Universität vor, wozu ihm der Rector Dr. Richter und der gelehrte Ludwig Markus hülfreiche Hand boten. Unter - deß hatte er sich auch bereits literarisch bethätigt. DaS bekannte •'zdb m72 (zwei Theile» Lehr- und Lesebuch für Liebhaber der hebräischen Sprache und die israelitische Jugend" des Vaters, das eine so große Anerkennung und Verbreitung gefunden, bedurfte einer zweiten Auflage. Philippson besorgte diese l Leipzig bei A. Winbrack) im Jahre 1823, also 16 Jahre alt, als eine vermehrte und verbesserte, und wer diese mit der ersten Auflage vergleicht, wird die Umsicht, das Wissen und den Tact des Jünglings bewundern, der die Arbeit des Vaters nach den gewachsenen Bedürfnissen der Zeit so zu ergänzen und mit neuen Gaben zu bereichern verstand. Ostern 1823 ging er zur Universität Halle ab, um Medicin zu studiren. Er vollendete sein Studium in drei Jahren und war einer der letzten, denen dies nach dem preußischen Gesetze, welches bald darauf ein Quadriennium für die Mediciner feststellte, erlaubt war. Er erwarb sich bald die Gunst mehrerer seiner akademischen Lehrer, besonders des als Botaniker und Geschichtsschreiberder Medicin berühmten Kurt Sprengel, der, selbst ein tüchtiger Orientalist, sich gern mit ihm über hebräische Sprache und Literatur unterhielt. Unter seinem Decanate promovirte Ph., und Sprengel beehrte seine physiologisch und medicinisch tüchtige Dissertation de uatura medicairice durch Hinzufügung einer besonderen Abhandlung de nova Dioseoridis editione, an deren Ende er es selbst übernahm, das curriculum viiae des Doctoranden

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