Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1870)
- Date
- 1870-04-26
- Page
- Seite 334 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Es wird nun darauf ankommen, daß die betr. Gemeinden bei den kön. Regierungen darauf antragen, ihren Rabbinen zum Schulinspector für die jüdische Schule einzusetzen. Berlin, 14. April. «Privatmitth.) 8. Das hiesige jüdische Seminar, israelitische Lehrerbildungsanstalt genannt, ist allmälig und ohne viel Redens von sich zu machen unter der Leitung des Rectors Horwitz zu einer sehr ansehnlichen und segensreich wirksamen Anstalt herangewachsen, für welche das Judenthum der Berliner Gemeinde aufrichtigen Dank zu zollen hat. Jüngst fand die Prüfung der abgehenden Seminaristen unter dem Vorsitz des Provinzial - Schulrathes Bormann und unter Zuziehung noch zweier anderer kön. Commissarien statt und zog sich die Zufriedenheit der prüfenden Behörde zu. Die zehn Lehramtscandidaten bestanden sämmtlich das Examen, und zwar 2 mit Nr. I, 6 mit Nr. II und 2 mit Nr. III. Einige von ihnen sind bereits in Stellen eingctreten. Was besonders hervorzuheben, ist, daß unter den Zöglingen der Anstalt sich oft eingewanderte Russen und Polen befinden, welche völlig uncultivirt hierherkommen, aber durch Fleiß und Geist gewöhnlich in dreijährigem Cursus eine tüchtige Ausbildung erlangen. Es liegt hierin also ein doppeltes Culturmoment, aber auch die Schwierigkeiten sind verdoppelt, welche die Lehrer bei solchen Zöglingen, noch dazu in Verbindung mit den anderen, zu überwinden haben. Aus der Provinz Posen, 12. April. (Privatmitth.) Die gesetzliche Zulassung der jüdischen öffentlichen Lehrer zu den Lehrer-, Wittwen- und Waisencassen kommt jetzt zur Ausführung. Zu dem Gesetze vom 22. Dec. 1869 nämlich, betreffend die Erweiterung, Umwandlung und Neuerrichtung von Wittwen- und Waisencassen für Elementarlehrer, bestimmt die königl. Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulwesen von Posen, unter Anderm: Von den Landrathsämtern sind den Kreisvereins- Rendanten unverzüglich sämmtliche Lehrerstellen, einschließlich der jüdischen, namhaft zu machen, damit der Eingang des für jede derselben zu entrichtenden Betrages von 4 Thalern controllirt werden kann. Was die Bildung des Kreis-Vorstandes bettifft, so werden die dazu gehörigen 3 Lehrer von sämmtlichen im Kreise fungircnden Clementarlehrern, einschließlich der jüdischen und interimistisch angestellten durch relative Stimmen-Mehrheit gewählt. — Seit etwa 30 Jahren bestand in Kempen eine zweiclassige Missionsschule, welche von der englischen Missionsgesellschaft unterhalten wurde und von jüdischen Kindern zahlreich besucht war. Da aber der beabsichtigte Zweck, die Bekehrung zum Christenthum, während der ganzen Zeit nur in sehr wenigen Fällen erreicht wurde, so hat die Gesellschaft bereits im vorigen Jahre die eine Classe aufgehoben, und wird voraussichtlich jetzt die Schule ganz eingehen lassen, da der Lehrer der noch bestehenden Classe, Horn, gestorben ist. Posen, 11. April. Eine vom Magistrat beim Eultusministerium eingereichte Beschwerde darüber, daß der an der städtischen simultanen Realschule angestellte ordentliche israelitische Lehrer, Herr vr. Jutr osins ki, in bestimmten Disciplinen, wie im Deutschen und in der Geschichte nicht beschäftigt werden darf, ist vom Cultusminister zurückgcwiesen worden, ebenso wie die Beschwerde über die Nichtgestattung der Einrichtung von simultanen Elementarschulen. Der Magisttat hat sich jedoch bei der Abweisung der ersteren Beschwerde nicht beruhigt und wendet sich jetzt mit einer neuen Beschwerde an das Staatsministerium. In dieser Beschwerde weist der Magisttat die volle Berechtigung der Beschäftigung auch der israelittschen Lehrer in den genannten Disciplinen nach an einer Schule, deren Schüler zu einem Drittheile aus Israeliten bestehen, und hebt die Jnconsequenz hervor, in welcher die Berwaltungsmaximen des Cultusministers zu denen der anderen Minister stehen, namentlich des Kriegsministers, der einen Juden Aesthetik lehren läßt. Die Beschwerde liegt gegenwärtig dem Stadtverordnetencollegium zum Anschlüsse vor. (Ostd. Ztg.) Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 11. April. (Privatmitth.-. Sie haben bereits über den glücklichen Fortgang berichtet, welchen die zur Gründung eines israelitischen Blinden-Jnstituts angestellte Sammlung hat, und deren Resultat in diesem Augenblicke folgendes ist: 29,400 fl. baar, 1340 fl. Jahresbeiträge, 16,600 fl. Obligattonen und das zu erbauende für 50 blinde Kinder eingerichtete