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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-26 · Heft 17 (26.4.1870) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 17 (26.4.1870)
Date
1870-04-26
Page
Seite 332 (sequence 8)
Language
German
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332 Klippe. Endlich passen neue Formen für die typisch gewordenen Helden und Ereignisse um so weniger, als jene uns in der Bibel in so großartiger Naturzeichnung vorgeführt worden, daß jede moderne Form dazu paßt, wie ein modernes Kleidungsstück einem Hirten von Midjan, einem Pharao auf seinem Throne oder einem griechischen Halbgott. Was wir hier kurz andeuten, ist eine Ueberzeugung, die uns nicht blos aus gesunder ästhetischer Theorie, aus den einfachen Voraussetzungen gekommen, sondern auch aus langer Beobachtung an wirklichen derartigen Producten und aus eigenen Versuchen. Um nicht ganz abzusprechen, wollen wir die Bemerkung hinzufügen, daß wir allerdings als Ausnahme betrachten, wenn irgend ein, in der Bibel nur angedeuteter Stoff, eine in der h. Schrift nur kurzweg berührte Situation herausgegriffen und mit subjectiver Schöpfungskraft behandelt und ausgeführt wird. Doch wären auch hierzu mehr Gegenstände aus der späteren Epoche, aus den entwickelteren Verhältnissen der biblischen Zeit geeignet, wie z. B. die Athalja bei Racine. Mögen jüngere Dichter dies nicht unbeachtet laffen, und Versuche aufgeben, deren Erfolg von vornherein als mißglückend anzusehen ist. Wir müffen die Vorzeit nicht für uns erfinden lassen wollen. — Wir erwähnen zuerst: „Moses, Dramatisches Gedicht von Theodor Fronmüller. Ducherow, 1870, Brandner." Wir haben es hier mit einem Verfasser zu thun, welcher formell durchaus nicht unbegabt ist. Mit einigen Ausnahmen ist seine Sprache stets edel und würdig, und er handhabt Vers und Reim in geschickter Weise. Hiermit ist aber auch seine Kunst zu Ende. Bon großem Geistesschwunge und von mächtigen, ergreifenden Bildern und Gleichnissen keine Spur. Noch weniger weiß er seinem Gegenstände auch nur den geringsten neuen Zug abzugewinnen. Er erzählt uns in einer Reihe von Gedichten von wechselndem Versmaß die Lebensgeschichte Mosc's getreulich nach der Bibel, wobei es nicht zu vermeiden, daß die kräftigen Züge der biblischen Erzählung verwässert und verweichlicht werden. Wer dies so recht deutlich erkennen will, der lese das Siegeslied am rochen Meere in der Bibel und bei H. Fronm aller. Warum endlich der Vers, sein Werk ein „dramatisches Gedicht" nennt, da es nichts als Erzählung enthält, verstehen wir nicht. — Es folgen metrische Uebersetzungen. „Hiob. Classisches Gedicht der Hebräer. Aus dem Grundtext neu übersetzt und mit Andeutungen zum tieferen Verständniß versehen von Hermann Victor Andreä, Licentiaten der Theologie, auch Dr, der Jurisprudenz und der Medicin. Barmen, 1870. Langewiesche." Der Vers, hat die Absicht, das Buch Hiob durch seine Uebersetzung mehr bekannt zu machen, als es durch die Bibel geschehen: eine wohlgemeinte Absicht, über die zu lächeln man sich nicht enthalten kann. Wir wollen hier diese Arbeit nicht als Uebersetzung in ihrem Verhältniß zum Texte prüfen, sondern nur in formaler Hinsicht. Der Berf. meinte es ernst mit seinem Gegenstände, ließ sich von den besten Commentatoren leiten und hat in den Anmerkungen den Zusammenhang zu erläutern verstanden, ohne jedoch eine recht übersichtliche Anschauung zu vermitteln. In formaler Hinsicht aber halten wir diese Arbeit für keine glückliche. Der Vers, hat den Jambus gewählt, hält sich nun zwar nicht an eine bestimmte Zahl Jamben, dehnt sich aber oft zum sechsja siebensüßigen Jambus aus. Dazu giebt sich der mächtig fließende rhythmische Strom des Textes nicht her; wir erhalten statt des schönen Wechsels im Tonfall, der Arsis und Thesis im hebräischen Parallelismus eine fade Monotonie, einen langsam fortschleichenden Canal. Wir schlagen die erste beste Seite auf, z. B. S. 7, und lesen da: „Verwünschen mögen sie die Tagsverwünscher, Dazu berufen, ihren Trauerzügen vorzuklagen! oder auf derselben Seite: „Warum nicht darf ich gleich sein der verborgnen Fehlgeburt, Den Kindlein gleich, die nie das Licht erblickten?" — Man wird zugestehen, daß die Geschmacksentwickelung seit Herder keine glückliche gewesen ist, wenn sie in dergleichen Uebertragungen ausmündet. (Fortsetzung folgt.) Bonn, 13. April. Es liegt uns eine Anzahl von Schulprogrammen vor, die wir der Beachtung der Fachmänner um so mehr empfehlen, als in den vorangeschickten Abhandlungen meist sehr wichtige Fragen, die für die Gegenwart von großer Bedeutung, behandelt werden, wir aber innerhalb der Grenzen eines kurzen Referats nicht im Stande sind, näher darauf einzugehen, weil eben die ventilirten Fragen Gegenstand langer Discussionen und Debatten sind. Der Bericht der Religionsschule der israelitischen Cultusgemeinde in Wien über die Schuljahre 1868 und 1869 bringt „das Programm der israelitischen Religionsschule" von S. Hammerschlag. Man erinnere sich, daß die letztere vielfachen Angriffen in der Wiener Presse ausgesetzt war.

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