Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1870)
- Date
- 1870-04-26
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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331 k da, die beiden israelitischen Brüder, die beiden Priester, welche viel Eifer für das Heil ihres Volkes haben! Ja, meine Kinder, ihr seid Söhne Abrahams und ich auch. Ah! um alle diese Unterschriften zu sammeln, habt ihr viel herumgehen und euch recht abmühen müssen." Die beiden Brüder antworteten: „Ja, heiligster Vater, wir sind viel herumgegangen, unser ganzes Volk in uns personificirend, waren wir der Ewige Jude, und der Ewige Jude ist am Schluffe seines Laufes die Treppen zu allen in Rom vereinigten Bischöfen der Welt hinaufgestiegen. In Rom haben wir zum letzten Male die Reise um die Welt gemacht." Und Pius IX. erwiderte: „Meine Kinder, ich nehme euer Postulatum an, ich werde es selbst dem Secretär des Concils übergeben. Ja, es ist paffend, ja, es ist gut, an die Israeliten einige Worte der Ermahnung und der Ermuthigung zu richten. Eure Nation hat in der Heiligen Schrift gewiffe Verheißungen der Rückkehr. Wenn die Weinlese noch nicht ganz vorgenommen werden kann, möge uns der Himmel wenigstens einige Trauben schenken." Wir würden uns selbst lächerlich zu machen glauben, wenn wir ernsthaft über diesen Bericht, der eine willkommene Gabe für das bekannte Berliner Witzblatt ist, auslaffen wollten. Möge der Papst sich schmeicheln, wenigstens einige Trauben aus dem Weinberge Israels zu naschen; wir glauben, er werde höchstens einige faule und vertrocknete Beeren in die Hand bekommen. Mögen die Gebrüder Leman sich für den ewigen Juden halten, wir halten sie für Narren, die sich in ihrer neuen Kirche geltend machen wollen, aber die verkehrtesten Mittel dazu ergreifen. Die Fünshundertsechs Bischöfe mögen ihr „Mitleid" und ihre „süße Hoffnung" weiter empfinden; wir verlangen das erstere nicht, und kümmern uns um die letztere gar nicht. Diese „unfehlbaren Herren" sind in großem Jrrthum, wenn sie uns für ein „unglückliches Volk" halten. Unser größtes Glück besteht darin, daß wir niemals unter ihrer geistlichen Herrschaft standen und frei von den Fesseln einer hierarchischen Kirche blieben. Unglücklich waren wir nur so lange, als Päpste, Concilien und Bischöfe auch die bürgerliche Welt beherrschten; nachdem dieses Joch gebrochen, freuen wir uns unserer Religion nur um so mehr, weil sie von Priestergewalt nnd Dogmenkram rein ist. Eine Kirche, deren Häupter sich von Leuten wie Gebrüder Leman zu solchen thörichten Schritten verleiten laffen, hat für ihre eigene Zukunft die größten Besorgniffe zu hegen. —. Nach einer Corresp. in der „N. Fr. Pr." sind es nicht die Brüder Leman, welche dem Papste, sondern der Papst, der den Brüdern Leman die Bittschrift der 306 Bischöfe in die Hand gegeben, da die Maffenbekehrung der Juden eine der Lieblingsmarotten Pio Nono's ist. Nun, an den Juden hat er keine gehorsamen Cardinäle, Bischöfe u. s. w.! Es heißt in der Corresp. auch: „Zu einem so craffen Unsinn hat sich vielleicht seit den ersten Tagen der Christenheit noch keine hierarchische Feder verstiegen, und jene bei den Haaren herbeigeschleppte Anspielung aus die immaeulutn coneeptio zeigt wieder deutlich, daß dieses monströse Document ursprünglich nicht aus der Convertiten-Fabrik der Gebrüder Leman hervorging, sondern daß es ein Machwerk der unmittelbarsten Umgebung des Papstes sei. Da kennt die römische Curie die jetzigen Zeitverhältniffe und namentlich die Söhne des auserwählten Volkes schlecht, wenn sie glaubt, Letztere mit so unschmackhaften Lockspeisen zu ködern. Der letzte zerlumpteste Trödeljude auf Erden wird eine solche Zumuthung mit lächelnder Geringschätzung zurückweisen." Literarischer Wochenbericht. Bonn, 12. April. Wir haben über eine kleine Reihe poetischer Arbeiten zu berichten. Wenn einer Zeit der echte schöpferische Geist der Dichtkunst fehlt, aber die Lust des Schaffens vorhanden ist, das Bedürfniß, die Zeit durch dichterisches Ergreifen über das Niveau des Realen zu erheben: da pflegt immer das Auskunftsmittel zu sein, daß der alte Stoff, den die Vorzeit in urwüchsiger Gestaltung überliefert hat, von Neuem gefaßt und in neue Formen gegoffen wird. So erging es dem Mittelalter durch die romantische Schule; so ergeht es allzu häufig den Stoffen der griechischen Tragödie; so ergeht es ganz besonders der Bibel. Aber diese Versuche müssen stets scheitern; der entgegenstehenden Hinderniffe sind!zu viele. Der Stoff ist bekannt und geheiligt; eine wesentliche Veränderung darf mit ihm nicht vorgenommen werden, das ist die erste Klippe. Es bleibt nichts weiter übrig als die Ausmalung im Detail, und darunter leiden die gigantischen Gestalten der Borzeit, werden klein und gewöhnlichen Maßes, das ist die zweite