Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1870)
- Date
- 1870-04-26
- Page
- Seite 330 (sequence 6)
- Language
- German
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330 beabsichtigten Schritte — eine höchst an erkenn en swerthe Opserwilligkeit für religiöse Institutionen; wir möchten diese gute Meinung von ihr um keinen Preis verlieren und hegen das feste Vertrauen zu der Gesinnungstüchtigkeit ihres Vorstandes und ihrer Mitglieder, daß der den Gemeinden des Landes mitgetheilte Beschluß nicht zur Ausführung kommen wird. Andrerseits geben wir die Hoffnung nicht auf, daß auch zu Karlsruhe in beiden Lagern Mittel und Wege gesucht und gefunden werden, durch welche uns von der Gemeinde, aus deren Mitte das böse Beispiel unheilvoller Spaltung ausging, ein erhebendes Bild der Versöhnung und Wiedervereinigung dargeboten wird. Wir müffen uns noch über den Ruf des Synagogenraths Freiburg nach einer israelitischen Landesversammlung aussprechen. Durch die Ansprache Großh. Oberraths ist festgestellt, daß eine durchgreifende Aenderung unserer heutigen Organisation in gegenwärtigem Momente auf keine Weise, also auch nicht durch eine Landesversammlung, angestrebt und selbst die obenerwähnte Verordnung vor Abschluß der Socialgesetzgebung unseres Landes nicht geändert werden kann. Zur Zeit wäre daher eine Landesversammlung zwecklos. Möge der geeignete Zeitpunkt zu einer Aenderung unserer Berfaffung oder einzelner Bestimmungen derselben, und demgemäß dann auch zu einer vorberathenden Landesversammlung früher oder spater kommen: unsere Ehre ist darin verpfändet, daß uns die Umlagefrage nie und nimmer von solcher Wichtigkeit erscheinen darf, um eine wesentliche Bedingung zur Erhaltung des Judenthums, unsere Einigkeit, stören zu können. Das Volk des einigen Gottes darf am wenigsten uneinig fein. Brüderlich wollen wir Zusammenhalten aus allen Kräften, mit allen Mitteln und unter allen Umständen. Der Synagogenrath. Die römische Anmaßung. Was wir in Nr. 15 als von den Apostaten Gebrüder Le man betrieben mittheilten, geht wirklich in Erfüllung. Papst und Concil lasten sich von jenen Abenteurern bewegen, eine Aufforderung an die Juden zu erlaffen, römisch katholische Christen zu werden. Nachdem sie die ganze gebildete Welt durch ihre Dogmen-Entwürfe über die päpstliche Unfehlbarkeit und den Berfluchungs-Syllabus entrüstet haben, wollen sie nunmehr auch den Schein der Lächerlichkeit sich aufbürden. Man sieht, die Verblendung ist bei diesen alten Männern so groß geworden, daß sie von ihrer Stellung und Wirksamkeit gar keine Vorstellung mehr haben. Das Nähere dieses thörichten Vorgangs ist folgendes: Fünfhundertundsechs Bischöfe aus Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien (darunter neunundzwanzig aus Oesterreich) haben im Concil, wie die clericalen Blätter melden, folgendes Postulatum eingebracht: „Die Unterzeichneten Väter verlangen vom heiligen ökumenischen Concil vom Batican in einer demüthigen und dringenden Bitte, es möge auch durch eine ganz väterliche Einladung sich an das sehr unglückliche Volk Israel wenden, das heißt, es möge den Wunsch ausdrücken, daß die Israeliten endlich, müde einer ebenso vergeblichen als langen Erwartung, sich beeilen, den Messias, unseren Erlöser Jesus Christus an zu erkennen, welcher wahrhaft dem Abraham verheißen und von Moses angekündigt worden ist, und sie mögen so die mosaische Religion vollenden und krönen, ohne sie zu ändern. Motive des Postulatums: Einerseits haben die Unterzeichneten Väter das feste Vertrauen, das heilige Concil werde Mitleid mit den Israeliten haben, weil sie Gott immer sehr theuer sind wegen ihrer Väter und weil aus ihnen Christus dem Fleische nach geboren ist. Auf der anderen Seite theilen dieselben Väter die süße und innige Hoffnung, daß dieser Wunsch der Liebe und der Ehre mit dem Beistände des heiligen Geistes von vielen Kindern Abrahams gut werde ausgenommen, werden, weil die Hinderniffe, die sie bis zu diesem Tage aufhielten, mehr und mehr zu verschwinden scheinen, seit die alte Scheidewand gefallen ist. Gebe also der Himmel, daß sie sobald als möglich Christus die Worte zurufen: Hosiannah dem Sohne Davids, gepriesen sei, da er kommt im Namen des Herrn! Gebe der Himmel, daß sie in die Arme der unbefleckten Jungfrau Maria eilen, welche schon ihre Schwester dem Fleische nach, auch ihre Mutter nach der Gnade sein will, wie sie die unserige ist." Uebergeben wurde dieses Postulatum dem Papste von den beiden Abb6s Leman, die vor einigen Jahren vom Judenthum zum Christenthum übergetreten sind und nun mit der Judenbekehrung sich abmühen. Pius IX. antwortete ihnen (wie der „Volksfreund" berichtet): „Siehe