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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-26 · Heft 17 (26.4.1870) · p. Seite 327

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 17 (26.4.1870)
Date
1870-04-26
Page
Seite 327 (sequence 3)
Language
German
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327 huldigten; und daß selbst jene beiden Nationen nur allzu lange im Götzendienste verweilten. Er verspottet die Anwendung des Wortes Jnstinct von den unbewußten Handlungen bewußtloser Geschöpfe auf bewußte Thätigkeit selbstbewußter Wesen. Ist denn ferner Jnstinct weniger geheimnißvoll als Offenbarung? Kann es einen Jnstinct geben, ohne daß derselbe durch eine bestimmte Eingebung entstanden oder instigirt ist? Hatte der monotheistische Jnstinct der semitischen Race, wenn es wirklich ein Jnstinct ist, so häufig von dem polytheistischen Jnstinct der arischen Race verdunkelt, oder der polytheistische Jnstinct der arischen Race, wenn es ein Jnstinct ist, so ganz vernichtet werden können, daß die Juden hingehen tonnten, aus den Höhen um Jerusalem zum Baal zu beten, und die Griechen und Römer eifrige Christen wurden? Fische fliegen nie, und Katzen fangen niemals Frösche. Mit Recht ruft Prof. Müller aus: „In so schwierige Fragen werden wir verwickelt, wenn wir Wörter mehr nach dem Klang als nach dem Sinn gebrauchen!" Wie aber erklärt er sich die Verschiedenheit der Wege, die einerseits die Juden, andrerseits die arischen Völker bei ihrer Gottesverehrung einschlugen? Er sucht nachzuweisen, daß unter allen alten Nationen das Erste ein allgemeines unbestimmtes Gefühl der Gottheit gewesen sei. Die Abhängigkeit, in der sich der Mensch von einer höheren Macht fühlte; die Stimme des Herzens, die ihn antrieb, in Noch und Gefahr einen allmächtigen Helfer anzurufen; die Ordnung, die sich in der Natur offenbarte: alles dies flößte den Menschen von Beginn an die Ueberzeugung ein, daß eine Gottheit existire. Jedes Plurale muß ursprünglich im Singular vorhanden gewesen sein, und deshalb mußte es den Begriff von Gott geben, ehe man zum Begriff der Götter kam. Nicht als ob man sich die Idee eines einzigen Gottes bereits klar gemacht hätte; sie setzte voraus die bestimmte Negation von mehr als einem Gotte, und soweit war man in jener Epoche des unklaren und nock wenig abstractionsfähigen Denkens nicht gelangt. Müller nennt, im Gegensätze zu der Vorstellung von einem Gotte, dem Monotheismus, das Gefühl von einem Gotte: Henotheismus oder Kathenotheismus (S. 25). Nun aber suchte man nach einer Bezeichnung dieser abstracten Gottheit, und da man noch keine abstracten Namen hatte, so mußte man, wie dies ja überhaupt in der Sprache geschieht, sinnliche Ausdrücke wählen. Da je» doch kein sinnlicher Name das Wesen der Gottheit ganz ausdrückt, so mußten sie eine Menge von Namen wählen je nach den Erscheinungen, in denen sich die Gottheit ihnen verkündete. Als Schöpfer des glänzenden Himmels nannten sie Gott Djaus (Zeus) „den Heiteren"; sofern er in dem Feuer loderte, Agni „das Feuer," sofern der Orcan brausend daherfuhr, Marut „der Sturm" (Mars). Da sich diese Erscheinungen häufig wiederholten, so wurden solche Bezeichnungen feststehende Namen für den unbekannten Gott. Solange man der eigentlichen Bedeutung dieser Worte und ihrer Eigenschaft als Namen von bloßen Attributen der Gottheit sich bewußt blieb, bestand der freilich durch die Menge der Namen immer mehr getrübte Henotheismus. Aber allmälig vergaß man jdie eigentliche Bedeutung jener Worte und ihre Bezeichnung auf ein einheitliches Wesen, und so erstarrten die feststehenden Attribute zu besonderen Persönlichkeiten. Max Müller nennt diesen Vorgang eine „Krankheit der Sprache." Vergleichen ließe sich etwa der Vorgang, durch den sich unsere Eigennamen, die ja alle ursprünglich eine prädicative Bezeichnung hatten, zu bloßen, an sich nichts bedeutenden Zeichen verwandelt haben. „Hätten die Griechen'," sagte Müller, „nie vergessen, daß man ursprünglich mit den Namen Kronos, Uranos und Apollo nur die verschiedenen Kundgebungen und Erscheinungen der Gottheit zu bezeichnen suchte, dann hätten sie ^diese Namen je nach ihren Bedürfnissen ebensogut gebrauchen können, wie die Juden Jehovah, Elohim oder Sabaoth anriefen, oder die Katholiken die Hülfe der Annunciata, Dolores, oder der Notre-Dame-de-Grace anflehen. Trotzdem ließ die ursprüngliche Gottesidee sich nicht ganz verdrängen und kam immer wieder zum Durchbruch. Es entstand ein förmlicher Kampf zwischen dem Polytheismus und dem Henotheismus (S. 207). Die Griechen bauten dem „unbekannten Gotte" einen Altar. Sie setzten das Schicksal, die Heimarmene, das Fatum der Römer, über alle Götter, und noch über diesem Factum erkannten sie ein Hypermoron, ein Wesen noch „höher als das Schicksal," an. Die Deutschen gaben diesem Conflicte zwischen dem Polytheismus und dem Henotheismus die furchtbare Lösung, daß alle diese polytheistischen Götter nach dem Schlüsse des Schicksals sterben müssen. Wie sehr man in Persien bemüht war, sich zu einer reineren Gottesidee zu erheben, zeigen die Namen, mit denen sich in dem Tractate Ormuzd- Jascht des Zendavesta Ahuramasva (Ormuzd) dem Zarathustra (Zoroaster) offenbart (S. 114): Ahmi „ich

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