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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-19 · Heft 16 (19.4.1870) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 16 (19.4.1870)
Date
1870-04-19
Page
Seite 322 (sequence 18)
Language
German
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322 ) mitgetheilt wird, lassen wir ihn dahingestellt. Der Prinz besuchte an diesem Tage noch die Grabeskirche und die Stätte, wo einst der Tempel stand. Der Verfasser sagt: „Den Platz, wo der Weltheiland seinen geistigen Tempel errichtend, all' der Herrlichkeit des irdischen, längst von Selbstsucht und Weltsinn entweihten Heiligthums den Untergang ankündete." Nun, das Christenthum hat „herrliche irdische Heiligthumer" in ungeheurer Zahl errichtet, und wenn es auf „Selbstsucht und Wellsinn, die das Heiligchum entweihen," ankäme, so müßte deren Untergang längst verkündet sein. Solche Phrasen klingen sonderbar, wenn der Vers, kurze Zeit darauf bitter über die Streitigkeiten klagt, welche die verschiedenen christlichen Confessionen in der Grabeskirche hier wie in der Geburtskirche zu Bethlehem u. s. w. gegen einander führen, und die an den hohen Festen gewöhnlich in blutige Raufereien auf den heiligen Stätten selbst ausarten, so daß türkisches Militär zur Aufrechthaltung der Ruhe unter den Gläubigen einrücken muß. Andrerseits wird das Christenthum doch nicht allein darauf Anspruch machen, einen „geistigen Tempel" errichtet zu haben, denn dies thut jede Religionslehre. Wie weit diese aber die Wahrheit ist, das ist die Frage. . Eine Bemerkung wollen wir hier nicht übergehen, die auch aus mancherlei Glossen unseres „Süddeutschen" hervorgeht, nämlich daß das Christenthum und der Islam wetteifernd Palästina und insbesondere Jerusalem mit einem Netze abergläubischer Legenden und Traditionen überzogen haben, welche die wahre Kunde von den hebräischen Alterthümern fast ganz erdrückt haben. Die neuere Kritik hat sich nun darüber hergemacht, konnte aber bis jetzt nichts als ein noch größeres Gewirre Hervorbringen, da die Meinungen der Forscher und Gelehrten bei jedem Gegenstände auseinandergehen. Es ist kein Plätzchen mehr in Jerusalem, dem jetzt nicht eine Menge von Zweifeln und Einwürfen anhasten. Ein Besuch der Omar-Moschee und der übrigen Baulichkeiten auf der Tempelstätte ist für uns ohne alles jüdische Interesse, da uns daraus über die frühere Beschaffenheit kein Auffchluß erwächst. Auch der Oelberg wurde noch besucht, auf welchem ein Minaret, „von welchem auS man in der That den herrlichsten Ueberblick von ganz Jerusalem, insbesondere dem Tempelplatze auch, und eine weite Umschau in die Gegend ringsum hat." Der Kronprinz äußerte, daß dies Panorama ihm unvergeßlich sein würde, daß es chm den größten Genuß gewahrte. Der Vers, fügt hinzu: „Das ist auch wohl zu begreifen; denn man athmet da oben auch gleichsam die Luft der unverfälschten, von den oft ins Kindische urd Lächerliche hinüberspielenden Traditionen freien Wirklichkeit und Wahrheit, wahrend in der Stadt das Gefühl einer Art Gaffenlaufens zwischen allen erdenklichen, auf Schritt und Tritt verfolgenden Ueberlieferungen über den armen Besucher kommen muß, dem nicht mindestens einige Stationen des Ausruhens, der Erholung, des Zufichkommens gestattet find." Wie sehr die beiden Religionen darin wetteiferten, zeigt sich auch in dem Umstande, daß die Mohammedaner einen Abdruck des Fußes Mohammeds im Felsen des Tempelplatzes, die Christen einen solchen vom Fuße Jesu im Oelberge zeigen. Am folgenden Tage ritt der Kronprinz nach Hebron und Bethlehem. Im Kloster Mar Elias zeigten die Mönche auf einem Felsen den Abdruck, den „der ruhende Leib des Propheten Elias" zurückgelassen hat. Die Oertlichkeit zeigt genugsam, daß Elias hier gar nicht geruht hat. Man besuchte das Grabmal der Rachel. Daß hier die Grabstätte sich wirklich befunden, ist wahrscheinlich; das Monument selbst ist spätern Ursprungs. Es war Mittag vorüber, als der Zug vor Hebron ankam. „Daß das heutige Hebron die Stelle des alten einnimmt, ist nicht zu bezweifeln, und ebenso dürfen wir als sicher annehmen, daß das Erbbegräbniß, welches Abraham von Ephron, dem Hethiter, um vierhundert Schekel Silber erstand, also der Acker Ephron's mit der zwiefachen Höhle (1 Mos. 23), Machpelah, von dem berühmten Haräm umschlossen ist, das an Heiligkeit dem echten Mohammedaner so hoch steht als die Kaaba. Die Umfangsmauer dieses Haräms selbst, die ihrer riesigen Anlage nach ganz gut der Zeit angehören kann, da Hebron Davids Residenzstadt war, jedenfalls ein althebraischer Bau, ist ein unwidersprechlicher Zeuge, daß an dieser Statte keine moderne lweder Mönchnoch Derwisch-) Traditton haftet." „Die Lage Hebrons in seinem tiefen Thale mit den reichsten Weinbergen Palästinas (Thal Eschkol) ist höher als die Jerusalems (2600' über der See). Der Haupttheil der Stadt mit dem Haräm ist am östlichen Abbange hingebaut. Ein kleinerer Stadttheil liegt diesem gegenüber etwas südlicher. Zwei andere, ein größerer wieder östlich und der kleinste gegenüber westlich, durch welchen der Weg von Jerusalem her führt, liegen etwas weiter nördlich." Jetzt besuchte der Kronprinz die Moschee, die über der Höhle Machpelah sich befindet, und wir geben diesen Bericht vollständig, da er das Referat über den Besuch des Prinzen von Wales, welches wir früher mittheilten, ergänzt. „Sobald der Kronprinz das Frühstück eingenommen und etwas ausgeruht hatte, erhob er sich zu diesem Gange. Die Escorte schritt auch zu Fuß voran; denn sie mußte dann den Emgang zur Moschee dem Volke abschließen. Als der Prinz von Wales diesen Besuch vorhatte, glaubte der damalige Pascha die Sicherheit noch sehr gefährdet, denn er schickte ein ganzes Bataillon voraus. Dem jetzigen Pascha erschien die Gefahr schon geringer; denn die Ehrenwache reichte aus, und ich denke, es hätte der bloße Name des Kronprinzen und der reiche — Bakschisch schon ausgereicht. Der Scheikh deS Ha-- rLms und Efendi's empfingen den Kronprinzen am Dngange desselben und geleiteten ihn dann in den inneren Dorhof zu den Gräbern Sara's und AbrahamS, Lea'S und Jacobs; daun in die Moschee zu den Gräbern » t t

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