Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1870)
- Date
- 1870-04-19
- Page
- Seite 321 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Feuillrton-Leilage zu Ur. 16. Leipzig, den 19. April 1870. Die Reise des Kronprinzen von Preußen nach Jerusalem. Wo der Name Jerusalem genannt wird, da klingt es in dem Herzen jedes Israeliten wieder, und wer uns von dieser, der Mehrzahl der Menschen heiligen Statte zu erzählen weiß, dem wird andächtig zugehört. Ist dies einer der Großen der Erde, so sind wir um so aufmerksamer, nicht als ob uns das Interesse eines dieser Herren an der Stadt Davids höher stände, als die Theilnahme jedes andern Menschenherzens, sondern weil wir voraussetzen, daß einem Fürsten der Zugang zu vielen Stätten geöffnet ist, welche Anderen verschlossen bleiben, und daß er sich mit Sicherheit nach Orten begeben kann, die sonst wegen ihrer räuberischen Bewohner oder anderer Gefahren nicht besucht werden können. Unsere Leser würden es uns daher vielleicht verübeln, wenn wir von dem soeben erschienenen Schristchen: „Die Anwesenheit des Kronprinzen von Preußen in Palästina. Bon einem Süddeutschen (Berlin, Duncker 1870)" keine Notiz geben wollten. Wir gehorchen daher diesem Verlangen als treue Berichterstatter, sagen uns aber von jeder Verantwortlichkeit los, wenn die Ausbeute nur eine geringe ist, mehr hier und da nur eine Erinnerung an das giebt, was früher schon ausführlicher und gründlicher in diesem Blatte besprochen worden. Palästina ist gegenwärtig nicht mehr blos eine Pilgerstätte; es ist bereits in die Zuglinie der Touristen eingetreten, die in wenigen Tagen das Land durcheilen, einen schnellen Blick auf die bekanntesten Plätze werfen und weiterfahren. Sind diese Zugvögel nun Engländer, so besichtigen sie gewisienhaft wenigstens Alles, was in ihrem Führer steht, die sonst so gründlichen Deutschen machen es sich als Bergnügungsreifende leichter. Der Kronprinz von Preußen machte auf seiner Rnse zur Eröffnung des Suezkanals nur einen Abstecher nach Jerusalem, mrd die Rerse von Jafa dahin und wieder zurück mit dem ganzen Aufenthalte währte nur fünf Tage. Dabei hatte der Kronprinz noch eine besondere Mission zu erfüllen, die ceremomelle Besitzergreifung des dem Könige von Preußen auf fein Verlangen vom Sultan geschenkten Platzes des ehemaligen Johanniterordens und der geringen Baureste auf ihm. Diese Ceremonie nahm denn auch den Vormittag des vierten Tags ein. Von bestehenden Anstalten wurden ausschließlich nur die evangelischen und anglikanischen besucht, und so unterscheidet sich diese Reche wesentlich von der des Prinzen von Wales, der sich zu einer detaillirten Beschauung überall Zeit nahm, und von der des Kaisers Franz Joseph, welcher seine Aufmerksamkeit den Anstalten aller Confessionen widmete, was für diese durchaus nicht unwichtig ist, da sie durch den Besuch eines solchen Gastes in den Augen aller Parteien sehr gewinnen. Was wir aus dieser Schrift abermals erfahren, ist, daß der Kronprinz ein kräftiger und wahrhaft leutseliger Mann ist, der mit einer natürlichen Würde eine natürliche Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit vereinigt. Außerdem wird uns genügend von den Ritten und Mahlzetten berichtet. Folgen wir nun dem Faden und heben einige Bemerkungen heraus. Am 3. November langte der Kronprinz in Jafa an und brach nach Jerusalem auf. Das Nachtlager fand in einem Zelte an der Stelle statt, welche an das Thal von Ajalon stößt, wo Äosua einst einen so großen Sieg erfocht <10, 12.). Am 4. mtt Sonnenaufgang ging es nach Jerusalem auf der neuen Fahrstraße durch das Gebirge, auf der man aber nur retten kann, „denn sie hat noch die Eigenschaft, Räder und Achsen zu brechen, da die Steinblöcke, welche ihre Grundlage bilden ein sehr loses Gefüge sind." Am zweiten Wachtthurme vor der Stadt war ein Empfangszelt aufgeschlagen, „wo die Spitzen aller geistlichen und weltlichen Behörden, Christ und Moslem, Einheimischer und Fremder, und namentlich auch alle Consuln zum Empfange versammelt und vorgestellt wurden." Der Chacham-Baschi oder eine sonstige jüdische Behörde war also hier nicht darunter, wie beim Empfang des österrerchischen Kaisers. Der preußische Hof ist eben den jerusalemttischen Juden nut durch die protestantische Mission bekannt. Erst dicht vor dem Thore unter dem übrigen Publicum kam auch „eine Deputation der Juden unter Preußens Schutz ihm feierlich entgegegen; denn unter diesem Schutze steht eine bedeutende Anzahl derselben, und sie befinden sich unter demsckben so wohl, daß er von immer mehrere» gesucht wird." Da über den letzteren Umstand nichts weiter