Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1870)
- Date
- 1870-04-19
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
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306 dadurch, daß sie, in sich stets dieselbigen, doch nach der l menschlichen Gesellschaft ließ ihre Befreiung nicht zu. Strömung und dem Bedürsniß der Zeit ihren Inhalt! Sie wurden besiegt und niedergeschlagen; aber einige nach verschiedener und neuer Richtung hin zu entfalten 1 Jahrhunderte später fielen doch zum ersten Male die vermögen, daß sie jederzeit zum Ausdruck ihres Denkens! Ketten von den Armen der Sklaven; zum vorletzten und Fuhlens zu dienen im Stande sind. Und dies er- I Male fielen diese vor einigen Jahren, und schließlich weist sich am Peßach. Die vergangenen Zeiten hielten! werden sie aller Orten verschwinden, wo sie jetzt noch sich vorzugsweise an den specifisch historischen Kern für! vorhanden. Als die Reformation die Glieder der Israel; sie feierten die Befreiung aus den ägyptischen! hierarchischen Kette zerbrach und zu gleicher Zeit die Fesseln, und fanden hierin unter dem furchtbaren Drucke,! Fürsten und Stände sich von der Autorität des Kaisers den sie zu erleiden hatten, die Bürgschaft zukünftiger Be-! losmachten, drang die Idee der Freiheit in die Masie freiung, weshalb die Verbindung des ägyptischen und I der Leibeigenen und sie schaarten sich zu den Waffen, des messianifchen Peßachs in Talmud und Midrasch I Die wirklichen Verhaltniffe standen ihnen noch gegenvielfach betont wurde. Die gegenwärtige Zeit, aus den! über, und nach kurzer Zeit waren die aufständischen Banden des Ghetto äußerlich und innerlich herausge-! Hörigen niedergeworfen und an das alte Joch gespannt, treten, verallgemeinert alle specisischen Gedanken! Aber nur wenige Jahrhunderte vergingen, und die Leib¬ und verwendet sie in großartiger Weife auf die gefammte I eigenschaft wurde gesetzlich aufgehoben, und in unseren Menschheit. Ihr liegt daher im Peßach eine Typik,! Tagen selbst in Rußland. Aber auch vor unseren Aueine Symbolik, eine Vorbildlichkeit für die Geschicke der! gen geht Aehnliches vor. Nachdem die Idee der Bür- Bölker und der ganzen Menschheit. Der Kampf in der I ger-Freiheit und Rechtsgleichheit die modernen Staaten menschlichen Gesellschaft, zwischen den Racen, den Nativ-! der civilisirten Welt durchdrungen, erstand die sg. sociale nen, den Klaffen und Ständen ist immer derselbige, und! Frage, d. h. die Arbeiter an der materiellen Production in die Freiheit und das Recht kommen immer auf dieselbe! allen ihren Zweigen wollen aus armseligen und nothbe- Weife zur Verwirklichung, und zwar so, wie sie im! drängten Verhältniffen heraus und einen größern Antheil Peßach vorgebildet sind, Nicht mit Waffengewalt, son-! an den Früchten dieser Production gewinnen. Niemand verdern mit dem Geiste, mit der Idee und ihrer wunder- I kennt, daß sie einen gerechten Anspruch haben. Aber baren Kraft wird die Freiheit errungen. Der geknech-! auch hier geben die wirklichen Berhältniffe der Geselltete Theil mag noch so schwach und unbehülflich sein,! schüft unabweisliche Bedingungen, denen nur eine allist seine Idee lebenskräftig und lebt kräftig in ihm, so! mälige Entwickelung abzugewinnen ist. Die socialistische siegt er mit der Zeit, und verlangt die Freiheit. Mit! Schwindeltheorie bewaffnete im Juni 1848 die Pariser der Zeit, denn Israel mußte doch erst durch das rothe I Arbeiterbevölkerung, unter Umständen, die wohl niemals Meer und die weite Wüste ziehen und bedurfte der! günstiger für einen solchen localen Aufstand waren. Jahrhunderte, bevor es frei und selbstständig in seinen I Aber die Kanonen Cavagnacs schlugen dennoch ihre Sitzen faß. Aber wie die Nichtigkeit der Waffenmacht I Barricaden und ihre Reihen nieder, und wo sich im im Dienste der Freiheit, so erweist sie sich auch im Dienste I Kleinen oder Großen derartige Scenen wiederholten oder gegen die Freiheit und das Recht. Dies lehrt uns das! wiederholen sollten, war und wird der Ausgang derselbe Peßach. Die Menschen dachten und handelten stets an- I sein. Unterdeß geht aber die Entwickelung ihren anders,, aber darum ohne Erfolg. Jedes Mal, wenn die! mäligen Fortgang, Schritt vor Schritt, und heilt und Idee der Freiheit in die Menschen drang, erhoben sie! beffert und beseitigt die Uebelstande und bildet die Zudie Waffen, um sie für sich zu erringen, und scheiterten! stände erträglich und solide aus. Wir skizziren hier daran. Aber der Sieg der Waffen ihrer Unterdrücker! nur diese größten Erscheinungen in der gesammten Menwar auch nur ein zeitweiliger, und die Knechte wurden! schenwelt. Aber daffelbe bewahrt sich auch auf allen dennoch frei, wenn auch nach längerer Zeitdauer. Als I anderen Gebieten, und darum liegt für uns im Peßach das römische Bürgerrecht über die Mauern Roms hin-! die erhabene Typik der wahren Geschichte, und der Graus auf viele Völker sich ausdehnte, kamen auch die I danke unserer Vorvordern bei dem Peßach in Aegypten Sklaven zum Bewußtsein ihres Menschenrechtes, und sie I an das messianische Peßach ist auch der unsrige, wenn schaarten sich mit ven Waffen in der Hand. Die ganze I auch in anderer Gestaltung. Feiern wir daher dieses Wucht der damaligen wirklichen Verhaltniffe in der | Peßach heute und immerdar mit ganzem Herzen; ist es