Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1870)
- Date
- 1870-04-12
- Page
- Seite 304 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Secte der Pharisäer handelt «zu welcher wir uns gern bekennen), fügt er folgende Worte hinzu: Alles geschieht durch das Fatum, ohne jedoch den Willen des Menschen des von ihm selbst abhängenden Anstoßes zu berauben, denn so hat es Gott gefallen, daß auf gewisse Weise der Beschluß des Fatums und die menschliche Vernunft in Eines gemischt werden, sobald dieser zum Laster oder zur Tugend kommen wolle. Und an einem anderen Orte*>, da er über den unglücklichen Tod des Alexander und des Aristobul, der Söhne des grausamen Herodes, handelt, sagt er: Das kann mit Recht bezweifelt werden, ob die Schuld auf die Jünglinge zu werfen sei, indem sie den schon lange entrüsteten Vater endlich zu einein unheilbaren Hasse brachten, oder auf seine eigene Härte und unmäßige Ruhm- und Herrschsucht, da er keinen Genossen ertrug und Alles nur nach seinem Willen thun wollte; oder vielmehr auf das Schicksal, desien Macht mit menschlichen Dritteln nicht widerstanden werden kann, auch nicht den weisesten. Deßhalb Hallen wir uns überzeugt, daß dieses Schicksal alle menschlichen Handlungen vorherbestimmt, so daß sie nothwendig erfolgen, und diese Gewalt nennen wir Fatum, so daß nichts geschieht, was dieses nicht bewirke. Aber diesen schwierigen Gegenstand leicht berührt zu haben, genüge hier, da wir ihn in unseren Büchern 'über unser Gesetz bereits behandelt haben. So weit Josephus. Wenn er aber Fatum sagt, so versteht er darunter die Kraft oder den Einfluß der Gestirne; man bemerke aber wohl, daß er sagt, daß dennoch es der Wille des Menschen sei, zur Tugend oder zum Laster zu kommen. Dann auch, daß man der Macht des Fatums durch keine menschlichen Mittel widerstehen könne. Aber durch göttliche und übernatürliche, wie heiße Gebete, Almosen, aufrichtige Buße u. s. w. kann jenem allerdings widerstanden werden." „Was nun das Ende des Lebens betrifft, so verstehen einige von den Unsrigen darunter das Ende, welches dem Menschen durch die Kraft der Gestirne vorausbestimmt sei. So sagt R. Bachja öfter: „Es ist bekannt, daß das Leben des Menschen durch das Urtheil der himmlischen Constellation bestimmt sei, nach dem Worte rni- „sein Tag wird.kommen." Daffelbe meint auch R. Meir Arama im Commentar auf den Hiob, der gelehrte Aben Esra in seinem Buche Moledoth u. A. Besonders aber die alten Weisen in Tanchuma, welche allegorisch unter „und zu Tagen und Jahren" <1 Mos. 1, 14) verstehen Tage und Jahre des menschlichen Lebens, auf welche die Sonne und der Mond die Herrschaft üben. Dies genüge über die Ansicht der Astrologen." Wir ersehen also aus diesem Kapitel, daß, während in der Maffe der astrologische Aberglaube sich ausbreitete, die Lehrer des Judenthums gegen ihn ankampften, und zwar so, daß ein Theil derselben ihm zwar einiges Terrain mehr oder weniger einräumte, der andere Theil, namentlich aber Maimonides ihn völlig verwarfen, und nichts als den naturgesetzlichen Einstuß der Gestirne auf die körperliche Beschaffenheit nach den Vorstellungen der damaligen Wissenschaft zuließen. Curiosum. sEine clericale Moral!) Das Klagenfurter clericale Organ schreibt den von den Clericalen so sehr bedauerten Mangel an Meßstipendien den Agitationen der Juden zu. Es schlägt daher eine JudensteWr behufs besserer Dotirung des katholischen Clerus *r. Denn — nun kommt eine köstliche Logik — der Juoe gewinnt fein Geld nur vom Christen und der Clerus schützt, indem er von der Heiligkeit des Eigenthums predigt, das coloffale Vermögen der „Abrahamiden." Der Schluß des Artikels fordert zur Plünderung der Juden auf. Die Inschrift in Dibou. Die in der alten Mvabiterstadt Dibon «jetzt Diban) gefundene Inschrift, von der bereits in diesen Blättern die Rede war, verdient und findet trotz der argen Verstümmlung, in der sie uns zugänglich geworden ist, in der gelehrten Welt das allgemeinste Jntereffe. Sie erzählt uns die Derhältniffe Israels zur Zeit Jorams, Sohnes Ahabs, zu Mescha, dem König der Moabiter, und giebt uns in mancher Beziehung eingehenderen Bericht, als ihn uns die biblischen Urkunden 2 Kön. 3, 4 ff. aufbewahrt haben, in welchen so manches dunkel und sagenhaft ausgeschmückt erscheint. Die Inschrift ist in althebräischen, sehr scharfen Zügen in den Stein gehauen und von höchstem Alter, sie ist älter als die älteste uns erhaltene griechische Inschrift, überhaupt das älteste Denkmal wirklicher Schreibschrift. Außer den französischen Gelehrten Ganneau und de Vogue hat E Deutsch in London sich mit der Entzifferung beschäftigt, und wie wir hören, steht auch von Geiger ein Aussatz über das merkwürdige Document in Aussicht. *) 16, 11, 7._ Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. -Hirschseid. Verantwortlicher Redakteur Dir» H. Lotze.