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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-12 · Heft 15 (12.4.1870) · p. Seite 303

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 15 (12.4.1870)
Date
1870-04-12
Page
Seite 303 (sequence 23)
Language
German
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303 R. Joseph Mo und viele andere aus dieser Klaffe, welche wie mit einem Munde behaupten, daß aus der Stellung der Sterne ein gewisser Einfluß auf die neugeborenen Kinder geübt und die Ordnung des Lebens und des Todes, des Reichthums und der Arbeit u. s. w. bestimmt werde. Dies ist das Fatum der Hebräer, daß von ihnen 3'231377 d. i. die Ordnung der Sterne genannt wird, und daß sie mit folgenden Gründen zu beweisen pflegen." „I. Die Erfahrung beweist, daß die Voraussagungen der Astrologen den Ereignissen zu entsprechen Pflegen und daß sie sehr häufig die Kürze oder Länge, das Glück oder das Unglück des Lebens vorausgesagt haben. Also bestimmen die Sterne dieses Alles." „II. Grund: Jedermann weiß, daß das Werden und Vergehen aller Dinge unter dem Monde von der Bewegung der Himmelskörper abhängt. Es scheint nämlich, daß wie die Luft stürmischer oder reiner ist, sie so in die Körper der Menschen dringt, und wie sie durch das Athmen eingezogen wird, so auch die Seelen afstcirt. So kann nicht geleugnet werden, daß der Himmel eine gewisse Macht auf die menschlichen Körper ausübe." „III. Von der Autorität. Die h. Schrift sagt nämlich über die Sonne und den Mond (1 Mos. 1,17): „Und Gott setzte sie in die Ausdehnung des Himmels zu leuchten auf der Erde und zu herrschen am Tage und in der Nacht." Hier fragt R. Moses Gerundensis*,, was unter diesem Herrschen zu verstehen fei? Es ist dies, sagte er, jene Herrschaft, welche die Sterne über die menschlichen Körper haben, denen sie verschiedene Eigenschaften einprägen, je nachdem ihr Anblick wohl- oder übelwollend ist. Im Buche der Richter heißt es (f>, 20 ): „Vom Himmel wurde gestritten, es stritten die Sterne aus ihren Bahnen, sie stritten mit Sisra." Und bei Jesajas heißt es (47, 13): „Bist Du der Vielberathung müde: laß sie doch aufstehen und Dir helfen, die Hiinmelsabtheiler, die Sterngucker, die an den Neumonden verkünden von dem, was über Dich kommen wird." Ebenso sagt Hiob (f>, 3): „Untergehe der Tag, an dem ich geboren, und die Nacht, die sprach: empfangen ist ein Knabe," wo er seine Leiden auf die Stunde seiner Empfängniß oder Geburt zurückführt. Aus allen diesen Stellen wird die Kraft der Sterne gezogen.**) Die älteren Talmudisten scheinen auch zu dieser Meinung sich zu neigen, denn sie sagen im Tractat Moed Katon « letztes Kapitel),***) daß Söhne, Leben und Nahrung von den *) D. i. Moses Nachmani, gcb. zu Gerona l 194. **) Wir brauchen wobt nicht auseinandcrznsctzen, wie die angeführten Schriflstellcn nicht das Geringste über den Einfluß der Sterne aus das Schicksal der Menschen aussagen. In der Stelle des Jesaias wird Badet aufgesordcrt, seine Zuflucht zu leinen chatdäischen Astrologen zu nehmen, und diese bitter vc» böbnt und in ihrer Nichtigkeit gezeigt, s. L. >4. Also gerade das Gegentheil von dem, was oben daraus gefolgert wird. ***) Moed Kalon 2S, 1. vgl. iii, 1 und a. St. Sternen abhängen. Auch im letzten Kapitel des Tractates Sabbatü wird dasselbe gelehrt, indem Laster und Tugenden der Einwirkung der Sterne beigelegt werden, unter welchen Jemand geboren wird, und geschieht hier des Jupiters, des Saturn, des Mars u. s. w. Erwähnung. Daselbst wird auch gestritten, ob die Ursache in den Stunden der Geburt zu erforschen sei, so daß ihre Meinung nicht zweifelhaft sein kann."*) „Dennoch muß nothwendiger Weise bemerkt werden, daß, obgleich diese Ansicht unter den Hebräern vorhanden, sie Alle dennoch mit Einmüthigkeit feststellen, daß die Sterne die Gerechten zum Wollen oder Erwählen, bevor die Handlungen frei in ihrer Selbstbestimmung bestehen, zwar hinneigen, aber nicht zwingen, wie richtig R. Jsaac Arama in seiner Akeda bemerkt. Der vortreffliche Redner Badrasi sagt in Bechinat Olam: „Wenn du den Himmel anblickst, der über dir ist, und die Sterne hoch über dir betrachtest, bilde dir nicht ein oder denke, daß dein Wille dem Urtheil jener unterworfen sei, wie die älteren Astrologen glaubten. Denn dir ist die Erde gegeben, jene haben keine Herrschaft und Macht über etwas von dem, was gänzlich vom freien Willen abhängt." Und was alles das betrifft, was nicht in der Macht des Menschen ist, wie Leben, Ehre und Reichthum, so lehren Alle mit Einem Munde mit Arisba a'■pair: 77277 -,2 nbrsb „Was mit den Geboten zusammenhangt, ist über die Planeten erhaben." Und R. Moses Gerundensis sagt, Gott ist über Alles, kann, sieht, bestimmt und regiert Alles und zwar nach eines Jeden Verdienst. Deßhalb sagen die talmudischen Lehrer an einem Orte: bat-rcrb bi:; z rr „Es giebt keinen Planeten über Israel," und an einem andern Orte das Gegentheil: b;72 73' brr273'b „Es gibt einen Planeten über Israel."**, Bei der Unterscheidung beider er giebt sich, daß beide Aussprüche wahr sind; denn wie der gelehrte Aben Esra über 2 Mos. 34 sagt: „Es giebt keinen Planeten über Israel zu aller Zeit, wo es das Gesetz beobachtet, beobachten sie es aber nicht, so herrscht über sie der Planet." Deßhalb sagt auch Jeremias: „Bor den Zeichen des Himmels fürchtet euch nicht, sondern die Völker mögen vor ihnen zagen."***) Wer aber ein Medreres über diese Sache wünscht, der befrage Flavius Josephus über die jüdischen Alterthümer. Denn wo dieser (18, 2. ,****» über die *, Sabb.-iih läf;, 1. ff., wo noch viele Einzelheiten. Snbb. a. a. O., wo die ControVerse. ***) Es ist dies H>, 2, und gerade diese Stelle crwcistwieder einmal recht klar, wie die Bidelverse in mißverstandener Weise citirl werden. Der Bers lautet: „Also spricht der Ewige: An den Weg der Völker gewöhnt euch nicht und vor den Zeichen des Himmels zaget nicht, ob auch die Völker vor ibnen zagen: denn die Satzungen der Völker betreffen Nichtiges." Gleich daraus wird der Götzendienst vcrböbnt, bicr also der Sterndienft und das astrologische Unwesen. **"*, Das richtige Girat ist 18, 1, 3.

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