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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-12 · Heft 15 (12.4.1870) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 15 (12.4.1870)
Date
1870-04-12
Page
Seite 302 (sequence 22)
Language
German
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302 jedem Planeten die besagten Astrologen ihre Wirksamkeit zuzuschreiben, wie bei Plato und Thomas*) zu beobachten ist. Und hierdurch geschieht, daß jene Verbindung oder Trennung der Sterne, welche die Herrschaft zu der Zeit inne hat, wo der Fötus entsteht, in dem Kinde die Keime der zukünftigen Affecte, des Lebens und des Todes, des Guten und des Bösen hervorbringe; und nichts anderes sei unter den, die Schicksale der Sterblichen bestimmenden Parzen zu verstehen. Dieser Meinung waren die Stoiker, die das Schicksal von dem Einflüße und der Kraft der Sterne, welche Kraft sie für unveränderlich ei achteten, bestimmen ließen. Andere legten dieses Alles, was wir erwähnten, der Stellung und Wirksamkeit der Sterne zur Zeit der Geburt, nicht aber der Empfängniß des Kindes bei, was wenig dazu thut, die Sache wahrer zu machen. Denn man muß wissen, daß jene alle günstigen und ungünstigen Erfolge den Sternen zugeschrieben haben." „Die Hebräer aber geben zu, daß die unteren Körper durch die Kraft der himmlischen gehandhabt werden (operari); und wie Rabbi Moses der Aegypter**) in seinen Briefen behauptet: npiVrra rvrn rs-tar' -rrn ya am y;s ist kein Streit hierüber zwischen den Weisen Israels und den Philosophen. Obgleich sie daher über die Schöpfung der Welt verschiedener Meinung sind, indem einige die Welt mit Gott zugleich für ewig halten, andere sie aus dein ersten Stoffe geschaffen glauben, einige aus dem Nichts: so stimmen doch alle darin überein, daß das Werden der Dinge unter dem Monde von den Sternen bewirkt werde. Aber was jene Kraft und Herrschaft der Sterne auf die menschlichen Körper und auf den Geist der Menschen selbst betrifft, darin stimmen die unsrigen nicht überein. Rabbi Moses der Aegypter in seinen Briefen leugnet diese auf's Bestimmteste, da er so spricht: Alle menschlichen Ereignisse schreiben einige Philosophen dem Zufall zu und lassen keine Vorsehung zu. einige übertragen sie auf die Kraft der Sterne. Andere dagegen führen Alles aus eine entscheidende Nothwendigkeit der Sterne zurück und wollen, daß Rüben reich, Simon arm sei, Dieser gl ücklich, Jener unglücklich, alles dies komme von der Stellung und Wirksamkeit der Sterne her, die in die Zeit der Geburt fiel, und dieses Gesetz sei unverletzlich. Aber beide Meinungen sind die falschesten, weil jene, welche Alles dem Zufall zuschreibt, die Vorsehung leugnet, welche doch von den heil. Schriften überall gelehrt wird, diese aber, welche den Sternen eine so große Kraft beilegt uuv der Astrologie folgt, Wahnsinn ist. Zuerst, sagt er, habe ich alle arabischen Bücher, die über diese Wiffenschast handeln, durchgelefen und endlich gefunden, daß alles dies reine Eitelkeit und Unsinn ist; aber auch diejenigen *) Plat. apud Marsil. in Atl. Coel. Rliod. IN,, 10. onp. 22. Thom. üb. 3. contra geilt, q. $4. **) So wird Maimonides genannt, weit er in Fostat nabe bei Cairo sich niedergelassen, wo er am l 3. De;. 1204 verstarb. griechischen Weisen, welche wirklich weise genannt werden konnten, waren dieser Wissenschaft nicht ergeben und es existirt kein hierüber von ihnen geschriebenes Buch. Auch die Perser hielten sie für nichtig; nur die Chaldäer, Aegypter und Kananäer waren dieser nichtigen Meinung ergeben, weil hierin eine Zeit lang die Religion derselben bestand. Hierauf zu den offenbaren Gründen schreitend, sagt er: Es gehört zu den Artikeln unseres Gesetzes, was auch alle Philosophen zulaffen, daß es einen ft eien Willen gebe, und daß der Mensch mit der absoluten Macht, dem Guten zu folgen und vom Bösen zu weichen, begabt sei, wie auch im Gegentheil der Begierde der Sinne, nicht aber dem Befehle der Vernunft zu gehorchen. Wenn aber die Macht der Sterne auf die Körper der Menschen eine so große wäre, wo bliebe die Freiheit der Menschen? Wenn die Menschen der Kraft und dem Eindrücke der Sterne nicht entfliehen können, wozu dienen die Vorschriften? Was nützt es, wenn Jemand sich bemüht, sich von Lastern zu befteien und die Seele zur Tugend zu erheben, wenn der Himmel bestimmt hätte, schon als er geboren ward, wie er zukünftig sein werde? Wenn die menschliche Freiheit so von den Sternen abgegrenzt ist, wie eitel und unnütz ist jede Sorge und Bemühung der Menschen. Deshalb, sagt R. Moses, ist es richtig, daß wir dies Alles der göttlichen Vorsehung zu schreiben; nämlich weil Rüben sündigte, wurde er arm, und so kann es geschehen, daß er durch ein neues Verdienst wieder wohlhabend werde. Alle günstigen und ungünstigen Ereignisse müssen wir den Werken eines Jeden zuschreiben, weil wir Gott Leben und zeitliche Güter denen versprechen sehen, welche seine Gebote halten. Wenn wir bisweilen das Gegentheil eintreffen sehen, d. i. daß dem Gerechten Leiden zukommen, so müssen wir dies Gott überlassen, der allein die Geheimnisse der Herzen kennt und die Ursachen weiß, warum er straft oder lohnt. So weit Maimonides." „Hieraus erkennen wir leicht, wie direct die Ansicht des R. Moses der Ansicht der Astrologen widerstreitet und welche Meinung er über die Astrologie hegte."*) „Eine verschiedene Ansicht bekannten folgende Gelehrte: Aben-Esra in dem Buche .A-moleüotb, **) Don Jsaac Abravanel, R. Bachja, R. Jsaac Cohen, R. Levi ben Gerson, R. Messer Leon, R. Joel ben Sueb, *) Die Ansicht des Maimonides, die er in seinem More Xcbuchim gründlich auScinandcrsetzt, ist, daß auS ganz natürlichen Gründen das körperliche Werden und Vergeben der Menschen wie aller irdischen Wesen unter dem Einflüsse der Gestirne steht, weil die vier Sphären der Gestirne aus die vier Elemente, der Mond auf das Wasser, die Sonne auf das Feuer, die Planeten auf die Luft und die Fixsterne auf die Erde die bewegende Kraft auSübcn, f. U Kap. 10; daß aber alle Handlungen deS Menschen von seinem freien Willen und seine Schicksale von der göttlichen Vorsehung abbängen, s. Hl K. 17 ff. **) D. i. nn’nrr: 'c, in's Lateinübersetzt Venedig 1485.

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