Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1870)
- Date
- 1870-04-12
- Page
- Seite 301 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung -es Zudcnthumo. FeuiUeton-Leilage z« Nr. 15. Leipzig, den 12. April 1870. Menasse ben Israel über Astrologie bei den Juden. Wir haben jüngst einige Bemerkungen über den „Teufelsglauben," wie weit er sich in die jüdische Welt eingeführt habe, gebracht und zwar in der zwiefachen Absicht, zu zeigen, daß allerdings von den anderen Völkern aus den anderen Religionen in den Zeiten allgemeiner Verdunkelung der Aberglaube auch in das Judenthum eingedrungen, daß er aber hier niemals das eigentliche Feld der Lehre sich unterworfen habe, immer von den höher begeistigten Lehrern bekämpft worden, und daher vor dem Lichte der neueren Zeit schnell und ohne Mühe zurückgewichen sei. Wir wollen ein zweites Beispiel bringen, nämlich über den astrologischen Aberglauben, der bei den christlichen und arabischen Nationen ganz allgemein war, so daß selbst einige Päpste ihre Astrologen hatten. Jndeß ist es nicht unsre Absicht, diesen Gegenstand umständlich zu erörtern, der durch die Mannigfaltigkeit der historischen Notizen einen großen Umfang gewinnen würde. Brachten wir doch erst neulich einige solche über Juden, die in Italien als Astrologen fungirten. Wir begnügen uns vielmehr heute, einen resumirenden Artikel hierüber aus der Feder eines jüdischen Schriftstellers zu bringen, der heutzutage zu denjenigen Persönlichkeiten gehört, welche oft genannt und viel geehrt, deren Werke aber wenig gelesen werden. Menasse ben Israel, geboren 1604 in Lissabon, gestorben 1654 in Middelburg, dessen Leben und Wirken von Kayserling in trefflicher Weise dargestellt worden, *) hat, aufgefordert vom Ör. Beverovicius in Dortrecht, die von den Gelehrten Hollands öfter ventilirte Frage, ob das Lebensende des Menschen dem bloßen Ungefähr unterworfen oder von einer höheren Macht bestimmt sei, diesen Gegenstand vom jüdischen Standpunkte aus in einer *) S. Jabrbuch für die Geschichte der Juden und des JudenthuutS, herausgegeben vom Institute Ford. d. isr. Lit. Bd. II. Seite 83—188. Schrift „cke terwino vitae“ behandelt und zwar in lateinischer Sprache. Sie erschien 1639' und in englischer Uebersetzung von Pococke 1699.*) Aus dieser Schrift geben wir hier das zweite und dritte Kapitel. Nachdem er im ersten erwiesen, daß das Lebensende jedes Menschen voraus bestimmt ist, wirft er jetzt die Fragen auf: auf welche Weise dieses Ende bestimmt werde? Er fahrt nun fort: „Zuerst muß man wissen, daß alle Weifen hierin nicht übereinstimmen, sondern nach den Folgerungen verschieden sind, welche ein jeder nach den Principien seiner Wissenschaft sich bildet. Die Astrologen behaupten, daß das Ende und die Dauer des Lebens von den Sternen abhängen; und dies war auch die Meinung des Aesculapius; denn, wenn von dem Einstusse der Sterne die ganze Erde Leben empfängt, wenn der Acker durch sie fruchtbar und üppig, und im Gegentheile unftuchtbar wird, wenn dieselbe Kraft die Jahreszeiten bestimmt und die Jahrhunderte feststellt: was ist zu verwundern (sagen jene), daß eines Jeden Leben und Tod von den Sternen abhängt. Andere, die Sache betrachtend, sagen mit Aristoteles,**) daß die Sonne und der Mond den Menschen erzeugen, und wollen, daß nicht nur die Sonne, welche der erste aller Planeten ist, sondern auch alle übrigen Sterne zu einer so vorzüglichen, so herrlichen Wirkung concurriren. Von hier aus vertheilen sie die Einwirkungen und die Art des Einwirkens unter den Planeten. Im ersten Monat der Empfängniß, sagen sie, trocknet Saturn die erste Masse aus; Jupiter nach seinem Wohlwollen bereitet und vermehrt dieselbe im zweiten Monat; im dritten aber theilt und durchglüht sie Mars; und so weiter von Monat zu Monat Pflegen *) Menasseh ben Israel, de termino vitae: libri tres. Quibus veterum Rabbinorum, ac recentium doclorum? de hac controversia sententia explicatur. Amstelodami. Typis & sumptibus authoris. An. 1639. **) Arist. 2. phy. 26, 2. de gencr. 55. sect. 26. Probl. qu. 5. Diese Citate muß unser Autor irgend woher entlehnt haben, denn sie treffen den Zahlen nach weder zu, noch geben sie die wirkliche Ansicht des Aristoteles. Man kann dies auch aus dem Citat Plato's aus der folgenden Anmerkung ersehen.