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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-05 · Heft 14 (5.4.1870) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 14 (5.4.1870)
Date
1870-04-05
Page
Seite 269 (sequence 9)
Language
German
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269 «er müssen wir, die Väter auswärtiger Schüler, hervorhcben, das; nur die oben erwähnten Einrichtungen der Schneidemühler Schule vorzüglich uns bestimmt haben, unsere Sohne dieser und nicht erprobteren benachbarten Gymnasien anzuvertrauen, zu jener Zeit, wo diese Anstalt noch nicht staatlich anerkannt, noch keine Aussicht zur Erweiterung derselben gegeben war. Am wenigsten aber konnten wir die Aufhebung des jüdischen Religionsunterrichts, auf dessen Erhaltung wir ein Anrecht erworben zu haben glaubten, in dieser Stadt erwarten, die so gerecht verfährt, daß sie in der Töchterschule seit Jahren 2 bis 3 Kinder, jetzt für ein einziges Kind, das vom Schulgelde befreit ist, den katholischen Religionsunterricht mit 5(> Thlrn. jährlich honorirt. Wenn angesichts solcher Thatsachen nunmehr plötzlich der Religionsunterricht unseren Söhnen entzogen wird, so werden nicht nur diese, sondern auch die christl. Schüler den Religionsunterricht sehr entbehrlich zu erachten lernen. Ueberzeugende Gründe dafür, daß die Schüler der städtischen Gymnasien eines jüdischen Religionsunterrichts bedürfen, daß derselbe aber im kgl. Gymnasium überflüssig sei, können wir nicht und vermögen wir unfern Söhnen nicht mitzutheilen, und schwer wird es uns werden, dieselben die Achtung vor dem Gesetze zu lehren, wenn der Schutz desselben durch die Behörden uns entzogen wird, denn auf Grund der Verfassung haben wir die Gleichheit vor dem Gesetze zu fordern. Wir sprechen daher die zuversichtliche Hoffnung aus: „Ein königl. Provinzial-Schulcollegium werde bei nochmaliger Erwägung der hiesigen Verhältnisse die Annahme des Honorars für den jüdischen Religionsunterricht in den Schuletat des Schneidemühler Gymnasiums und in den mit der Stadt abzuschließenden Vertrag unter geneigter Ueberreichung dieses unseres Antrages bei dem Herrn Cultusminister v. Mühler befürwortend beantragen." «.Folgen die Unterschriften.) Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, im März. «Privatmitth.i Herr Dr. Ludw. Frankl hat seine vielfachen Verdienste um die hiesige Gemeinde abermals durch Gründung einer wohlthä- Ligen Anstalt erhöht, und fand dabei eine so großartige llnterstützunz, daß sie über alles Lob erhaben ist. Frankl gab nämlich den Anstoß zur Gründung einer jüdischen Blinden-Erziehungsanftalt, wie sie in Oesterreich noch nicht besteht. Freiherr Friedrich von Schey widmete auf die Verwendung Frankls der zu begründenden Anstalt sofort ein Capital von 1 o,uOO fl., welchem Beispiele sofort eine große Anzahl Spenden sowohl in Capitalien als in Jahresbeiträgen folgte; Herr Jonas Ritter von Königswarter aber erklärte sich bereit, ein Haus für 50 blinde Kinder auf seine Kosten zu erbauen und einzurichten. Die Anstalt ist somit in diesem Augenblicke bereits gesichert; was noch fehlt, wird sicherlich bald beschafft sein, da hierorts einem so eclatanten Borbilde schnell die thatkräftigste Nachfolge nicht zu fehlen pflegt. Wir werden demnach in Wien eine israelitische Taubswmmen- und eine israelitische Blindenanstalt besitzen, wie sie in keiner anderen Stadt bestehen, um so mehr ehrende Zeugnisse für die Israeliten Wiens und unsre Zeit, als diese Anstalten am wenigsten für unsre Stadt selbst benutzt werden, vielmehr den übrigen Kronländern zum Nutzen gereichen. — Hierbei kommt uns nur ein Gedanke, den wir nicht ganz mit Stillschweigen übergehen wollen. Die beiden gedachten Anstalten sind specififch confessionell. Wenn man aber für taubstumme und blinde Kinder besondere Erziehungsanstalten für nothwendig und segensreich erachtet, warum sträubte man sich in Wien seit so langer Zeit gegen jüdische Elementarschulen? Liegt da nicht derselbe Gedanke zu Grunde? Bo» der Donau, 20. März. sPrivatmitth.) Unser alter College, der verdienstvolle Lehrer Herr Josef Strummer aus Szegedin wurde bei der letzten israel. Repräsenranten-Wahl in den Vorstand gewählt. Wir gratuliren der Gemeinde sowie auch unserm alten Collegen, denn dieser Fall ist der erste in Ungarn, und die Auszeichnung erfteut uns mehr als manches Ehrenzeichen der Regierung. Der emeritirte dirigirende Oberlehrer Herr Leopold Braun aus Altofen erhält nach 38 jähriger verdienstvollen Wirksamkeit vom israel. Schulfonde 756 fl. ö. W. jährlich als Pension. Y. 14

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