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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-05 · Heft 14 (5.4.1870) · p. Seite 267

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 14 (5.4.1870)
Date
1870-04-05
Page
Seite 267 (sequence 7)
Language
German
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267 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 24. März. (Privatmitth.) 8. *) Zu den jüdischen Theologen, die sich neuerdings am hiesigen Platze eine kleine Gemeinde zu bilden suchen, ist abermals ein Ankömmling hinzugetrcten; nämlich der I)r. Lippschütz, der ehemalige mecklenburgisck-schwerinische Landrabbiner, der später in Hamburg wohnte. Er predigt in einer Privatsynagoge, und bemüht sich, die chassidisch kabbalistische Weise zu vertreten, damit auch diese hier nicht unbeackcrt bleibe. Man muß doch den Boden 'der Berliner Judenheit für alle Arten von Gewächsen fruchtbar halten, sonst würden sich nicht so viele der verschiedenlichsten Ansiedler einfinden. Wer Berlin von seiner naiven Beschaffenheit unter dem alleinigen Stabe der sel. Oettinger und Rosenstein vor 1840 bis jetzt betrachtet, dem muß es doch wunderlich zu Muthe werden. Sachs, Holdheim, Aub, Geiger, Hildesheimer, Lippschütz mit so vielen anderen Nebenplaneten oder Kometen! Trotzdem geht der eigentliche Kern seinen bestimmten Gang. Wormö, 24. März. (Privatmitth.) Unser Rabbiner, Herr vr. Stein, hat sich durch seine kaum zweijährige Wirffamkeit die allgemeine Liebe und Achtung allseitig erworben. Bei seiner Derheirathung jüngst zeigte sich dies durch eine Menge werthvoller Ehrengaben, die ihm von allen Seiten dargebracht wurden. Gewiß wird ihm dies zur Befriedigung und zur Anfeilerung in seinem Streben gereichen. Bonn, im März. (Privatmitth.) Wir haben niemals ein Hehl daraus gemacht, daß wir bereitwillig den Juden in den verschiedenen Staaten der Erdoberfläche die Pflicht des Patriotismus, der edelsten *) Da sich unsere Correspondenten in Berlin immerfort mehren, so werden wir dieselben, um jedem das Seine zuzutheilen, durch Vorsetzung von Buchstaben unterscheiden. Die Redaction. und innigsten Vaterlandsliebe zuschreiben, darum aber dennoch gemeinsame religiöse Interessen anerkennen, welche von den Juden aller Länder, ohne kleinliche geographische und nationale Abgrenzung, ihre Förderung verlangen können. Es gehört daher zu den betrübenden Erfahrungen, daß in mehreren, nichtdeutschen Ländern, und zwar gerade in solchen, welche in sehr enger Beziehung zu Deutschland stehen, bei den dortigen jüdischen Glaubensgenossen eine eigenthümliche Anttpathie gegen alle Besttebungen der deutschen Juden, und zwar aus nationalen Motiven gefunden wird. Sie, die ihre Rabbiner, Lehrer und Cantoren aus Deutschland beziehen, wie die scandinavischen Länder, finden sich nicht geneigt, etwa für jüdische Seminarien etwas zu thun, wenn sie in Deutschland errichtet werden, mögen sie auch noch so sehr einen allgemeinen jüdischen Charakter haben und ihre Erfolge der gesammten religiösen Genossenschaft zugute kommen. Wir fragen oft, müßten Kopenhagen, Stockholm und Gothenburg, welche so treffliche Rabbinen u. s. w. aus Deutschland besitzen, sich nicht ebenso verpflichtet fühlen, etwas Erkleckliches für die Errichtung der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums zu thun, wie die deutschen Gemeinden? Werden diese einen größeren Vortheil aus ihr ziehen, als jene? Wir wüßten nicht. Das Vorschützen eines nationalen Motivs erscheint uns völlig unzulänglich da, wo von einem solchen auch nicht die enffernteste Spur. Es ist Zeit, daß sonst so gewissenhafte und wohlgesinnte Männer dergleichen Gesinnungen aus sich entfernen und nicht noch trennende Momente in das Häuflein Juden bringen, für welche im Grunde gar kein Raum und keine Ursache vorhanden ist. Aus der Provinz Posen, im März -Privatmitth.) In Schneidemühl hat das Cultusministerium die bei der Uebcrnahme des Gymnasiums von der Stadt gestellte Bedingung, auch das Honorar für den jüdischen Religionsunterricht in den Schuletat aufzunehmen, nicht genehmigt. Es ist daher von den 34 Vätern der zeitigen 42 jüdischen Gymnasiasten unter Befürwortung der städtischen Behörden nachstehende Petition an das königl. Provinzial-Schulcollegium in Posen abgegangen : „Die jetzt zwischen dem Staate und der Stadt schwebenden Verhandlungen wegen Uebernahme des Gymnasiums geben den Unterzeichneten Vätern der

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