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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-05 · Heft 14 (5.4.1870) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 14 (5.4.1870)
Date
1870-04-05
Page
Seite 263 (sequence 3)
Language
German
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263 Forderungen der Religions - und Gewissensfreiheit gemäß nur auf Grund freiwilliger Entschließung, keineswegs aber in Folge eines Zwanges werden kann: so ist die Petitionscommission der Ansicht, daß die Bitte der Petenten zu würdigen sei und ihren Beschwerden ehestens abgeholfen werden soll. Demzufolge mögen diese Petitionen dem Cultus- und Unterrichtsminister mit der Weisung zugesendet werden, daß er bis dahin, als die Legislative eingehendere Verfügungen treffen wird, hinsichtlich der in Bezug der Vollstreckung der Beschlüße des Jsraelitencongresses eventuell in Anspruch genommenen Hilfe und Unterstützung von Seite der Staatsgewalt bei den betreffenden Anordnungen nach den oben auseinandergesetzten Principien vorgehen und die in dieser Beziehung vielleicht schon getroffenen, mit den obigen Principien im Widerspruche stehenden Verfügungen suspendiren soll." Franz Deäk: Nachdem die Orthodoxen behaupten, daß zwischen ihnen und den Neologen dogmatische Unterschiede bestehen; nachdem wir sehnsüchtig die Durchführung jenes Gesetzentwurfes erwarten, welcher jeder Glaubensgenvssenschaft gestattet, eigene Gemeinden zu bilden, so würde Redner es nicht blos für schädlich und unrichtig, sondern auch für ungerecht halten, wenn man eine Minorität zwingen wollte, sich zu einer religiösen Körperschaft mit einer solchen Majorität zu vereinigen, welche andere Dogmen befolgt. Aus diesem Grunde empfiehlt Redner die Annahme des Gutachtens der Petitionscommission. — Dieses Gutachten wird einstimmig angenommen." Ueber die Stimmung, welche jetzt über dieses Ereigniß in Ungarn herrscht, geben uns mancherlei Correspondenzen Aufschluß. Daß einerseits die Vertreter der raticalen Partei, z. B. der Pester Correspondent der Fr. Presse, andrerseits diejenigen aus der Mittelpartei, welche vom Congreß aus ihren Ansichten heraus sich fern gehalten, endlich besonders die Scliomre liadath ins Siegeshorn stoßen, ist selbstverständlich. Hören wir hier Stimmen aus der, immer doch die Majorität der ungarischen Israeliten vertretenden Congreßpartei: Aus Nordungarn, 21. März. Der ungarische Landtag war jüngst der Schauplatz ganz eigenthümlicher für unsere Zustände höchst bezeichnender Debatten, wie sie wohl kaum noch in der Volksvertretung irgend eines Landes gehört worden sind. Das ungarische Abgeordnetenhaus war wie die ungarische Judenheit in zwei Lager getheilt. Hie Welf! hie Waiblingen! Auf der Linken des Hauses ebenso viele Stockorthodoxe, als die Bänke der Opposition Mannen faßten; auf der Rechten ebenso viele Verfechter der jüdischen Fortschrittspartei als regierungsfreundliche Deputirte, nur daß von hier mancher verkappte Reactionär zu seinen Gegenfüßlern in politieis hinüberschielte und — die Gegensätze berühren sich ja bekanntlich — mit der Opposition gemeinschaftlich den „Schulchan-Aruch" als das „für die Juden bindende Grundgesetz" proclamirte, das die ruchlosen Fortschrittsmänner, die er noch von seiner Amtirung unter dem absolutistischen Beginne her auf dem Strich hat, nicht als solches anerkennen wollen. Eötvös hatte nämlich den Voranschlag für das Budget des Cultusministeriums auf den Tisch des Hauses uiedergelegt. Dieser Voranschlag überantwortet den bis jetzt durch ihn verwalteten jüdischen Landesfond, im Sinne der Congreßbefchlüffe, der autonomen ungarischen Judenheit in erster Linie zur Errichtung einer Rabbinerschule und Lehrerpräparandie. Da liefen nun von allen Ecken und Enden des Landes, das der „Schomre-hadatli" mit seinen Zweigvereinen ganz umstrickt hat, zahllose Adreffen und Telegramme an alle Oppositionsabgeordneten ein, sie sollten diesen Voranschlag nicht als Grundlage der Specialdebatte acceptircn und neben andern Gründen auch den nachdrücklich betonen, daß Eötvös durch die angeführte Bestimmung über die Verwendung des jüdischen Schulfonds seine Befugniffe überschritten und die Orthodoxen in ihren Rechten und in ihrem Gewiffen empfindlich gekränkt habe. Die weiland Congreßopposition und die Landtagsopposition stehen von jeher auf gutem Fuße und da sie beide gegen die Regierung Front machen, arbeiten sie einander freundschaftlichst in die Hände. Die Orthodoxen haben im ganzen Lande wie Ein Mann für die Candidaten der Linken agitirt und gestimmt, dafür sind diese wieder wie Ein Mann für die ungarisch-jüdische Orthodoxie in die Schranken getreten, die sie — man höre und staune! — unter andern als Stützen der Bildung und Cultur und als eifrigen Förderer der ungarischen Literatur hinstellten, also jener Sprache, deren Gebrauch im Gotteshause die Nagy-Mihülyer Orthodoxen-Synode mit dem Banne belegte. Daß unsere orthodoxen Bundesgenoffen suchen und nehmen, wo immer sie finden, ist natürlich; daß sie diese in den Reihen der Landtagsopposition auch wirklich gefunden haben, ist unter den obwaltenden Verhältniffen ebenso 14*

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