Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1870)
- Date
- 1870-04-05
- Page
- Seite 264 (sequence 4)
- Language
- German
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264 natürlich. Noch natürlicher ists, daß die wenigen Reactionäre im ungarischen Landtage ihnen die Stange halten; das ist überall so und auch in Wien nicht anders, wo kürzlich in einem katholischen Casino ein Pfarrer begeistert daS Lob der jüdischen Orthodoxie verkündete und auf die „Fortschrittler" und „Zeitungsjuden" weidlich schimpfte, wie jüngst in den Tagesblattern gar erbaulich zu lesen war. Weniger natürlich aber, vielmehr höchst sonderbar ist es, daß auch Herr Szantü in seiner „Neuzeit" diesen Herren in die Hände arbeitet. In seiner bekannten Schämelbein-Manier eifert er jetzt gegen die Congreßidee, wahrend er, gestützt auf seinen magyarischen Namen und seine ungarische Abstammung, allen Ernstes Congreßdeputirter werden wollte; poltert gegen die Congreßbeschlüsse, die, so mangelhaft sie immer sein mögen, dem hier zu Lande mächtig um sich greifenden Obscurantismus einen Damm entgegensetzen, den unsere Obscuranten eben darum aus allen Kräften wieder einzureißen suchen. Es sollte Herrn Szünto billig stutzig machen, daß er und die „Schornrehadath“ dasselbe wollen und dasselbe thun und es nur schwer zu entscheiden ist, wei5 über den Congreß und besten Beschlüffe heftiger schimpft, „Magyar Zsido," das Organ der „Schomre-hadath" oder — die „Neuzeit." Es wäre freilich anders gekommen, wenn Herr Szäntö wirklich Congreßdeputirter geworden wäre und — was die Hauptsache ist — wenn die Führer der Congreßpartei darauf eingegangen waren, die Neuzeit — natürlich unter gewissen eovditiouibu8 — zum Organ der Congreß Partei zu wählen. Aber so! da kanns freilich nicht Wunder nehmen, wenn „der Geist der stets verneint" und seinem ganzen Wesen nach nur auf Zerstören und Negiren angelegt ist, ohne etwas Positives schaffen oder anregen zu können, über den Congreß ebenso losfährt, wie über das Breslauer Seminar und Frankel, oder über die in Berlin zu errichtende jüdischtheologische Facultät, die wir auch hier mit Freuden begrüßen, und über die Männer, die diese schöne Idee angeregt haben. Es soll uns nicht wundern, wenn Herr Szänta nächstens offen für die „Schomre-hadath" Partei ergreift; er hat seine Leser an solche überraschende Schwenkungen schon gewohnt — doch davon vielleicht nächstens mehr. Für heute nur noch die Notiz, daß die Herren Orthodoxen den ungarisch-jüdischen Schulfond, damit er nur ums Himmelswillen nicht für Culturzwecke verwendet werde, den Führern der Opposition als Geschenk Für das Land angeboten haben; ganz so wie sie ihn einst unter dem absolutistischen Regime einem kaiserlich österreichischen Jnvalidenfond widmen wollten. Die Zeiten andern sich wohl, aber gewisse Leute nicht mit ihnen; „kann der Mohr seine Haut umwandeln, der Parder seine Flecken?" Ferner: Von der Donau, 20. Marz. Die Ereignisse der letzten Zeit sind sehr deprimirend, so daß der gewissenhafte Berichterstatter es für seine Pflicht halten muß zu schweigen. Männer der Reaction treten für die „Sobonarehadath" im Reichstage in die Schranken, die Opposition vertheidigt aus politischen Gründen das böse Vorhaben, und ein Franz Deal will seine alte Firma auffrischen, nimmt er die Zeloten in Schutz. Der ungar. Reichstag hat der modernen Pandurenwirthschaft das Wort geredet, indem er sich in Angelegenheit mischte, die der autonomen Religionsgenoffenschast zugetheilt werden müssen. Deal beweist nun zum butten Male seine Jlliberalität, einmal, als er sich äußerte im Jahre 1864, daß Pachtungen den Juden nicht sollen gegeben werden, weil sie den Boden zu ihrem Bortheile entkräftigen, zweitens im Jahre 1867 bei der Abstimmung der Judenemancipation, wo er ein sehr illiberales Amendement stellte, was freilich durchfiel, jetzt setzte er aber seinem Verhalten dem Judenthum gegenüber die Krone auf, indem er sich verleiten ließ ein Schisma im Judenthum zu proclamiren. Wir wollen es dem Manne verzeihen, daß er sich in einer schwachen Stunde verleiten ließ über einen Gegenstand zu discutiren, der gar nicht vor das Forum des Reichstages gehört, aber die Majorität und selbst das ganze Haus hat sehr gefehlt, indem es eine Sache in Erwägung zog, die nicht in seinen Wirkungskreis gehört. Würde sich je ein Jude erkühnen, zu urtheilen über ein Statut, ob es gut katholisch ist oder nicht? also mit welchem Rechte maßte sich der Reichstag ein Recht zu, ein Statut zu verwerfen, das Se. Majestät sanctionirte? Die Eingaben der Schomre-hadath sind Lügen, kein wahres Wort ist in ihnen enthalten und nur aus purer Jlliberalität verdammt man ein Statut, welches zum Ziele hat, Bildung und Ordnung zu verbreiten. Unsere modernen H. (Hamans) können es nicht sehen, daß das Judenthum vorwärts schreitet, daß die Rabbiner Männer von hoher Bildung sind, die Schulen