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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-03-29 · Heft 13 (29.3.1870) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 13 (29.3.1870)
Date
1870-03-29
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 lösmig der israelitischen Gemcindeverbüude führen müsse, solange nicht durch Staatsgcsetz ein kirchliches Umlagerccht geschaffen sei. Eine sofortige fundamentale und durchgreifende Aenderung unserer heutigen Organisation kann daher — ohne die höchste Gefahr für die Einheit und den Bestand unseres Gemeindelebens — in gegenwärtigem Moment auf keine Weise angestrebt werden. Die Aufgabe der badischen Israeliten ist vielmehr diese: unter Mäßigung mancher, zum Theil einander widersprechender Wünsche und Bestrebungen die Landessynagoge aus den Gefahren der Gegenwart unversehrt in eine Zukunft hinübcrzuretten, in der sie eine ihre Angelegenheiten frei ordnende, selbstständige, eben darum aber vom Staate gelöste Kirche sein wird. Mit der Erhaltung des Ganzen ist aber keineswegs unverträglich die Besserung im Einzelnen, und es wird daher unsere volle Aufmerksamkeit dahin gerichtet bleiben, ob nicht — nach völligem Abschluß der Socialgesctzgebung unseres Landes — einzelne der jetzt geltenden Bestimmungen, namentlich über die Besteuerung außerhalb ihrer Heimathsgemcinde wohnender Israeliten, einer Durchsicht zu unterziehen und im Berordnungswege zu ändern seien. Wie das Judenthum selbst keine Gewalt anthut dem Geiste seiner Bekenner, so genießen wir Israeliten in Baden auch nach Außen volle Gewissens- und Glaubensfreiheit. Diesem großen Grundsätze des modernen Rechtsstaates verdanken wir unsere heutige Stellung in Staat und Gesellschaft. Soll uns nun die Freiheit entwinden, was Jahrtausende lange Bedrückung unseren glaubensstarken und opfermuthigen Vätern nicht rauben konnte: die Einheit der Religion, die Einigkeit des Gemeindelebens? An alle durch Amt und Gesinnung berufenen Israeliten des Landes, insbesondere an die Herren Rabbiner, Bezirksältesten, Gemeindevorsteher und Lehrer richten wir die Aufforderung, dazu mitzuwirken, daß unsere im Ganzen so wohl geordnete Landcssynagoge auch aus der gegenwärtigen Krisis ungeschädigt and neu gestärkt hervorgehe." Bonn, 10. März. (Privatmirth.) Die römische Curie hat den Rubicon überschritten, und das Dogma der Unfehlbarkeit in das Concil gebracht. Es wäre thöricht, zu sagen, daß die Sache uns nichts angehe und daß wir deshalb an dieser Stelle nichts darüber zu sagen hätten. Wenn vom päpstlichen Stuhle aus alle Katholiken der Erde aufgerufen werden, alle Andersgläubigen unduldsam zu behandeln, sie zu verfolgen und zu verfluchen, und dieser päpstliche Stuhl zugleich als unfehlbar, und zwar gerade in der Moral, erklärt wird, dann sind wir allesammt betheiligt und zwar theils in eigner Person, theils in den Personen unsrer katholischen Mitmenschen, die solchen Irrungen unterworfen sein sollen. Im Grunde genommen können wir uns über dieses Factum nicht wundern. Bekämpfen wir es mit der Vernunft, so lautet die Antwort: die katholische Kirche hat mit der Vernunft nichts zu thun. Bekämpfen wir es mit der Geschichte, denn die gegenwärtige Erklärung der päpstlichen Unfehlbarkeit erklärt doch zugleich alle 278 früheren Päpste für unfehlbar, und das ist selbst für den Gläubigen eine harte Ruß — so antwortet man: die Geschichte hat für die katholische Kirche keine Bedeutung; die Kirche war von Petrus an so, wie sie ist, und wer dies nicht glaubt, wird auf die freilich gefälschten Urkunden verwiesen; und sie wird unverändert so bleiben, also sie hat gar keine Geschichte. An sich ist aber das Dogma nicht inconscquent; denn wenn im Stifter der christlichen Religion Gott und Mensch vereinigt waren und der Papst der Stellvertreter jenes ist, so kann auch in ihm Gott und Mensch vereinigt sein, ja etwas davon muß es sein; denn am Ende kann doch kein purer Mensch ein tvirklicher Stellvertreter Gottes sein, und wer mit dem göttlichen Berufe zu binden und zu lösen ausgerüstet ist, muß dazu auch göttlichen Geist und göttliche Kraft haben, also Gott sein. Man sieht, von der einfachen Gotteslehre einen Schritt entfernt, kann man bald das Ungeheuerlichste annehmen und scheinbar machen, denn auf etwas mehr oder weniger kommt cs dann nicht mehr an. Von außen her kann man den Vorgang von zweien Seiten aus betrachten. Bon der einen Seite wird man ihn schmerzlich bedauern, denn viele Tausende von Mitmenschen werden dadurch in Unruhe, Zweifel, Beängstigung, schweren Kummer versenkt. Von der andern Seite kann man sich darüber freuen: die Sache kommt einmal zum Bruche, der doch nicht für immer zu vermeiden wäre; zahllose Katholiken, die rechts mit der strengsten Kirchlichkeit schön thaten, sie unterstützten, för

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