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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-03-29 · Heft 13 (29.3.1870) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 13 (29.3.1870)
Date
1870-03-29
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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243 er nicht (13, 39), daß „der Feind, der das Böse anssaet. der Teufel ist"? Inder Schilderung des jüngsten Gerichtes (25, 41) heißt es: „Alsdann wird er sprechen auch zu denen zur Linken: Weichet von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das dem Teufel bereitet ist und leinen Engeln!" Doch genug; diese wenigen Citate genügen wohl, zu zeigen, daß so lange wir für die Lehre Jesu die Evangelien als einzige Quelle haben, der Glaube an die wirkliche Existenz des Satans, als des Geistes des Bösen, nicht von dieser Lehre getrennt werden kann, und daß die Kirche mit diesem Dogma vollständig in der Lehre Jesu stehe.*) Dem widerspricht es nicht, daß das eigene Herz als die Quelle böser Handlungen bezeichnet wird, denn in diesem Herzen hat ja nach jener Lehre der Teufel seinen Schauplatz, und es kommt darauf an, ob das Herz den Inspirationen desselben folgt oder nicht. Wir müssen also den Versuch des Herrn Reville als völlig gescheitert ansehen. Er widerspricht den kirchlichen Dogmen, widerspricht zahllosen Stellen des Neuen Testamentes und kann dennoch von der Person Jesu selbst den Glauben an die wirkliche Existenz des Teufels und an seine Bedeutung im „Reiche Gottes" nicht trennen. Ebenso wenig gelingt es ihm, eine dogmatische Bedeutung des Satans im Judenthume, einen systematischen Zusammenhang desselben mit der Lehre des Judenthums nachzuweisen. Die Sache verhalt sich vielmehr so, daß zur Zeit des Ursprungs des Christenthums in der jüdischen Volksmasse der Glaube an böse Geister, Dämonen, welche besonders viele Krankheiten, vorzüglich Geistesstörungen in den Menschen Hervorbringen, ein Glaube, der bei allen alten Völkern, auch bei den Griechen und Römern, vorhanden, stark verbreitet war. Auf diesen Glauben stellte sich das Christenthum, entwickelte ihn systematisch zum Satanismus und und bediente sich des letzteren, um die messianische Idee nach der Richtung hin zu entwickeln, die der christlichen Dogmatik nothwendig war. Ja, Diese Verbindung des Messias und des Satans ist das eigentliche christliche *) Wir begnügen uns hier mit diesen wenigen Citaten, weil die Sache zu bekannt und unzweifelhaft ist. Jeder Bearbeiter des N. T. zeigt, in welchem systematischen und dogmatsschen Zusammenhänge die Lehre vom Teufel und seinen Dämonen in den Schriften des N. T. erscheint, so daß sie von der christlichen Doctrin nicht getrennt werden kann. Product, war aber niemals im Judenthume vorhanden. Wir wollen dies beweisen. Die jüdischen Schriftsteller, welche bald nach Jesus lebten. Philo und Josephus, wissen von Satan und Teufel (HUdßoXog) nichts; diese beiden Namen kommen nirgends bei ihnen vor, hingegen Dämonen dui'fioveg, duuiovtu. Philo aber erklärt sich im Grunde gegen die Existenz solcher; denn er sagt, daß die Philosophen Dämonen nennen, was in der Schrift Engel heiße, und sie seien nichts anderes als Seelen, die keinen Körper angenommen und die im Raume umherschweben, als Vollstrecker des göttlichen Willens, und die der gemeine Haufe, je nach dem Gutes oder Böses vorkommt, gute oder böse Geister nenne (de gigantibus f. 284 ff. de somniis f. 586 ff.). Bei Josephus dagegen hat der Volksglaube volle Wurzel gefaßt. Nicht allein daß er (mit Bezugnahme auf 1 Sam. 16, 14.) den Saul von Dämonen in seinem Geiste stören, ihm Würgen und Erstickungen bewirken läßt, die nur durch Gesang und Musik zerstreut werden können (Jüd. Alterth. 6, 8. 2.), sondern (das. 8, 2. 5.) er schreibt dem Salomon die Kunst, böse Geister zu beschwören, und die Menschen, die von ihnen leiden, zu heilen zu. Salomon habe Gesänge und Beschwörungsformeln verfaßt, durch welche die Dämonen herausgeschafft werden, daß sie niemals zurückkehren. Er fährt fort: Diese Art der Heilung ist bei uns stark in Geltung, und nun erzählt er von einem gewiffen Eleasar, der in Gegenwart Vespasians und seiner Söhne Menschen, die von Dämonen besessen waren, durch allerhand Mittel von ihnen befreit habe. Auch im jüd. Krieg 7, 6, 3. erzählt er von einer Pflanze: „Die Dämonen, das sind die bösen Geister schlechter Menschen, die in die Lebenden hineinfahren und sie tödten, wenn ihnen nicht schnelle Hülfe geleistet wird, werden von dieser Pflanze ausgetrieben, wenn man sie den Kranken auch nur nahe bringt." Im Talmud selbst bleibt der Begriff des Satans stets sehr schwankend. Baba Bathra 16, 1. wird erklärt, Satan ist die böse Begierde und ist der Todesengel;*) alle drei sind also ein und dasselbe. Dann heißt es weiter: „Er steigt herab und verleitet, steigt hinauf und klagt an, nimmt Erlaubniß und nimmt die Seele,"**) das ist nichts Anderes, als der Satan in der Einleitung zum Hiob, denn der Satan erscheint in voller Verbindung mit Gott, steigt zur Erde hinab und *) rn7377 rrin snrs ‘wr «177 zw« Nir: **) r:»»5 m»t» Tmai Tibiy nyrtm ttp 13*

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