Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1870)
- Date
- 1870-03-29
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 selben enthalten nichts von einem Messias, der mit einem Satan ringt, sondern es ist nur das Buch Tobia, also eine populäre Unterhaltungslectüre, welches von „ALmodi, dem bösen Geiste" und „Raphael, dem guten guten Engel," seinem Gegner, erzählt. Wie kindlich grob diese, aus Babylon und Persien stammende Vorstellung war, ersieht man daraus, daß der böse Geist vor dem Gerüche der geräucherten Leber eines gewissen Fisches entflieht, und zwar in die Wüste „nach dem obersten Theil von Aegypten" (8, 3.)*) Nein, Herr Röville kann für seine Behauptung keinen Beweis heranbringen, als ob der Satan durch die messiauische Idee einen dogmatischen Platz im Judenthume gewonnen hätte. Wohl gehört es zu den jüdischen Vorstellungen, daß dem Erscheinen des Messias eine Zeit außerordentlicher Leiden für alle Bewohner der Erde und insonders für das jüdische Volk vorangehen werde, aber diese ist nicht im Emftrutesten mit dem Satan als Urheber dieser Leiden, den deshalb der Messias Niederschlagen müsse, verbunden. Herrn Rvville beliebt dies nur, theils um das spätere christliche Dogma bereits durchschimmern zu lassen, theils um zu erklären, warum Jesus, um bei dem jüdischen Volke Eindruck zu machen, sich auf diesen Glauben habe einlassen müssen. Weil, sagt er, die messianische Idee im Neuen Testament viel mehr vorkommt als im Alten, kommt auch der Teufel mit seinen Geistern im Neuen öfter als im Allen vor. Wir brauchen diesen Satz <p. 111) nur anzuführen, um das Schielende in demselben fühlbar zu machen. Er sagt nun: „Es ist eine Frage, welche die modernen Theologen, die an den Teufel nicht glauben, viel beschäftigt hat, zu wissen, ob Jesus selbst den Glauben seiner Zeitgenossen hinsichtlich des Satanismus getheilt habe. Jndeß müssen wir sagen, daß nichts uns autorisirt zu denken, Jesus habe sich hergeliehen, aus Nachgiebigkeit für den Bolksaberglauben einen Glauben zu heucheln, den er nicht theilte, aber wir fügen hinzu, daß die Principien seiner Religion in sich selbst nicht günstig *) Außerdem spricht Baruch 4, 35 von bösen Geistern, welche in den Trümmern der, Juda feindlichen Städte wohnen. Der Name Satan kommt in keinem Buche der Zlpokryphen vor; nur Weish. Salom. 2,24 wird der Teufel b dtußolog als die Schlange genannt, die Eva verführte, indem durch „seinen Neid der Tod in die Welt gekoinmen," so daß diejenigen, welche dem Teufel folgen, ol zov ötußo't.ov (.uQiÖoq ovnqt dem Tode verfallen. für diese Art Glauben waren. Jesus macht aus dem Glauben an den Teufel keine Bedingungen für den Eintritt in das Reich Gottes, und würde der Teufel nur eine Idee, nur ein Symbol sein, so würden diese Bedingungen buchstäblich dieselben bleiben. Deshalb, wo Jesus in einer abstracten, allgemeinen Weise ohne Berücksichtigung der Zeit- und Ortsverhältnisse spricht, hält er die Person des Satans regelmäßig von dem Gebiete seiner Unterweisung fern. Z. B. erklärt er, daß unsre bösen Gedanken aus unserem Herzen kommen, nach der Theorie vom Satan hätte er sie auf den Teufel zurückführen müssen. Ueberall ist es sichtbar, daß er sich des Volksglaubens als einer Form, eines Bildes bedient, welchem er selbst keine positive Wirklichkeit zuschreibt." So Herr Rvville, der, während er dem Alten Testamente den Ursprung dieser Vorstellung zu imputiren geneigt ist, Jesus durchaus sich des Teufels nur als eines Symbols, einer parabolischen Figur bedienen lassen will. Aber Herr R. steht hier nicht blos mit dem Zeugniß der Kirche in Widerspruch und mit dem Neuen Testamente, sondern auch mit sich selbst. Er verwahrt sich feierlich, Jesus habe aus Nachsicht gegen den Volksglauben Ansichten geheuchelt, die er nicht theilte, d. h. doch nichts anderes, als: er hat an den Teufel geglaubt, und doch soll er ihn beseitigt haben, wo er seine wirkliche Ueberzeugung ausgesprochen. Ist es wirklich nur symbolisch, wenn die drei Evangelisten übereinstimmend berichten (Matth. 4, 1. ff.), daß der Teufel Jesus in die Wüste, dann auf die Zinnen des Tempels und endlich auf einen sehr hohen Berg geführt habe, wo dann genau die eigenen Worte Jesu angeführt werden? Hat es keine positive Wirklichkeit, wenn immer wieder erzählt wird, daß er aus „vielen Besessenen die Geister durchs Wort ausgetrieben" (das. 8, 16 und oft)? Ist es nicht höchst positiv, wenn in allen drei Evangelien sehr ausführlich die Austreibung der bösen Geister in eine Heerde Schweine mit all' den dabei gewechselten Reden zwischen Jesus und den Geistern berichtet wird? Und es sind nicht blos Geister, sondern „der Teufel" selbst, der ausgetrieben wird (Matth. 7, 22. 9, 33 und oft). Ist es nicht das Wort Jesu selbst (Matth. 10,28.): „Und fürchtet euch nicht vor denen, welche den Leib tödten, die Seele aber nicht zu tödten vermögen. Fürchtet vielmehr den, welcher vermag Seele und Leib zu verderben in der Hölle"? Lehrt er nicht selbst (12, 28), daß er „die Teufel durch den Geist Gottes austreibe, und demnach das Reich Gottes gekommen ist"? Lehrt