Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1870)
- Date
- 1870-03-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34. Jahrganq. Allgemeine JW 13. Zeitung des IudcnthumS. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 29. März 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/2 Bogen. Preis des Jahrgangs l Thlr. Halbjähri 2 Thlr. Vierteljährig > Thlr. Inserate werden mit l1/* digr. für die Petitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitnngs^Expcditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für Leide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Aeitungs-Burcau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Der Teufelsglaubc. > Schluß aus Nr. 7.) — Die amerikanischen Gemeinden. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Karlsruhe, Bonn, Köln, Fürth. — Lcstcrrcichisch-ungarische Monarchie: Pest, Dambowitz. — RuManie n: Bukarest. Feuilleton-Beilage: Die Stellung der Juden zur provenzalischen Cultnr im Mittelalter. — Baron Gcdalia. — Ein Frühlingsgruß. — Vermischtes. — Curiosa. Leitende Artikel. Bonn, den 20. März. Der Teufelsglaube. (Schluß aus Nr. 7.) Wir resumiren aus unserer früheren Auseinandersetzung: 1. Die Bücher des sg. Alten Testaments, d. i. also unsrer heiligen Schrift, verwerfen entschieden jeden Glauben an die Existenz eines bösen Princips, des Geistes der Verneinung, an den Satan, den Teufel, sondern die ganze Lehre derselben spricht die vollkommene Schöpfung der Welt durch Gott aus, und daß das, was wir böse nennen, nur ein Verhältniß, eine Beziehung und Anschauung des Menschen zu Gott und zu sich selbst ist. 2. Es ist kein wirklicher Anhaltspunkt in diesen Schriften für den Teufelsglauben vorhanden, und der Gebrauch des Wortes Satan thut dar, daß es zur Bezeichnung von Menschen, selbst von einem guten Engel, und endlich in poetischer, visionärer und allegorischer Weise verwendet wurde, um den bösen Gedanken, welcher den Menschen in Versuchung führt und dann gegen ihn zeugt, dichterisch zu personificiren. 3. Allerdings nahm das jüdische Volk aus dem Heidenthume die Vorstellung von Dämonen, bösen Geistern mit herüber, wie die dagegen sprechenden Gesetze erweisen, ohne daß jedoch in der biblischen Zeit dieser Aberglaube eine besondere Entwickelung oder irgend eine Geltung in Leben und Lehre gewann. Herr Rsville stellt diese Satze nicht in Abrede, wenn er sie auch nicht so klar und bestimmt formulirt und aufstellt. Indem er dann zum sg. Neuen Testamente übergeht, muß er zugestehen, daß der Teufel mit seiner Legion böser Geister in demselben eine große Rolle spielt; er muß zugestehen, daß dieser Glaube sich bereits in den ersten Zeiten des Christenthums außerordentlich entwickelte, daß er zum Dogma der christlichen Kirche wurde und in dem Katechismus derselben eine wesentliche Stelle einnimmt, weil er eben in dem Aufbau der christlichen Dogmen ein unentbehrlicher Baustein geworden. Wie sucht er nun über diesen Stein des Anstoßes hinwegzukommen? Er stellt zuerst die Behauptung auf: je mehr die messianische Idee im jüdischen Volke heranwuchs, desto mehr habe sich der Gedanke eines bösen Geistes als Hinderers und Widersachers des Messias im jüdischen Volke entwickelt. Er beruft sich dabei auf die Apokryphen. Dies ist aber irrig, denn die-